Paraguay - Grupo D

Paraguay, die Albirroja und der Weg zurĂŒck ins Rampenlicht

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Von null-zu-null zur ReifeprĂŒfung: Paraguay kommt ĂŒber Kontrolle, Kanten und knappe Siege ins WM-Tempo.

EinfĂŒhrung

Es gibt Nationalteams, die qualifizieren sich, weil sie stĂŒrmen. Und es gibt Teams, die qualifizieren sich, weil sie nicht kippen. Paraguay gehört in dieser Geschichte klar zur zweiten Sorte: eine Mannschaft, die selten laut ist, aber unangenehm konstant, mit Spielen, die wie Schraubstöcke funktionieren. Nicht spektakulĂ€r – dafĂŒr zĂ€h, geduldig, und mit dem BauchgefĂŒhl eines Teams, das gelernt hat, wie man in SĂŒdamerika Punkte klaut, ohne dafĂŒr Glanz zu brauchen.

Die Albirroja hat ihre Kampagne nicht mit Feuerwerk eröffnet, sondern mit dieser typisch sĂŒdamerikanischen KĂŒhle: ein 0:0 gegen Peru am 7. September 2023 in Ciudad del Este, so ein Spiel, in dem der Ball mehr gemessen als geliebt wird. Kurz darauf der Nackenschlag: 0:1 in Venezuela am 12. September 2023, entschieden in der 90+3 per Elfmeter. Es war der Moment, in dem man merkt: Diese Quali wird kein Sprint, sondern ein langer Marsch durch enge RĂ€ume.

Und dann: ein Muster. Paraguay wurde zum Team der schmalen Ergebnisse, der wenigen Gegentore, der Partien, die nie wegschwimmen. Selbst das 0:1 bei Argentinien am 12. Oktober 2023 (frĂŒhes Gegentor, 3. Minute) war eher ein kontrolliertes Verlieren als ein Untergehen. Die Botschaft war zwischen den Zeilen zu lesen: Wenn du Paraguay schlagen willst, musst du es dir verdienen – und du bekommst selten mehr als ein Tor Geschenk.

Am Ende steht ein Satz, der die Qualifikation in Zahlen gießt: Platz 6, 28 Punkte, 18 Spiele. Dazu 14:10 Tore, also ein positives TorverhĂ€ltnis von +4. Paraguay ist nicht das Team mit den meisten Klingen, aber eins mit einem stabilen Schild. Und in einer sĂŒdamerikanischen Tabelle, in der gleich mehrere Teams bei 28 Punkten landen, ist das kein Randdetail: Das ist Überlebenskunst.

Drei Momente wirken im RĂŒckspiegel wie Scharniere dieser Quali. Erstens der Heimsieg gegen Brasilien am 10. September 2024, 1:0 durch D. GĂłmez (20.) – ein Ergebnis, das im sĂŒdamerikanischen Kontext immer mehr ist als drei Punkte. Zweitens der 2:1-Heimsieg gegen Argentinien am 14. November 2024 – ein Statement-Spiel, das den Puls der Kampagne verĂ€ndert. Drittens der AuswĂ€rtssieg in Lima am 9. September 2025: Peru–Paraguay 0:1, Tor Galarza (78.) – so eine Nacht, in der die Tabelle zur Belohnung wird und die Reise plötzlich wie ein Plan aussieht.

Der Weg durch die Qualifikation

Paraguays Qualifikationsweg in CONMEBOL war ein LehrstĂŒck darĂŒber, wie man in einer Liga der Egos mit Pragmatismus ĂŒberlebt. 18 Spieltage, jeder gegen jeden, Heim und AuswĂ€rts – und am Ende entscheidet nicht, wer am schönsten spielt, sondern wer am zuverlĂ€ssigsten liefert. Paraguay hat geliefert, indem es Spiele eng hielt, die NervositĂ€t aus den eigenen RĂ€umen verbannte und in den entscheidenden Phasen die kleinen Vorteile aufsammelte: Standards, spĂ€te Tore, Heimspiele mit klarer Kante.

Die Abschlusstabelle zeigt, wie dicht das Feld im oberen Mittelfeld war. Paraguay beendet die Qualifikation auf Rang 6 mit 28 Punkten bei 7 Siegen, 7 Unentschieden und 4 Niederlagen. Das ist kein Durchmarsch, sondern eine stabile Bilanz mit hoher Resistenz: 10 Gegentore in 18 Spielen – weniger als viele direkte Konkurrenten. Und vorne? 14 Tore – kein Sturmangriff, eher effizientes Arbeiten. Genau diese Kombination erklĂ€rt das Profil: defensive Ordnung plus punktuelle Treffer.

Noch spannender wird es beim Blick nach oben und zur Seite: Paraguay steht punktgleich mit Brasilien (Rang 5, ebenfalls 28) sowie mit Uruguay und Kolumbien (RĂ€nge 4 und 3, beide 28). Die Tabelle wird hier zu einer Fotokopie, in der Details entscheiden: TorverhĂ€ltnis, einzelne Duelle, der Ertrag aus den engen Spielen. Paraguay war in dieser Gruppe der Punktgleichen nicht das lauteste Team – aber eines der stabilsten, weil es kaum Spiele komplett verschenkt hat.

Die Kampagne begann mit der Phase des Suchens: 0:0 gegen Peru (7. September 2023), dann zwei 0:1-Niederlagen in Serie (Venezuela auswĂ€rts, Argentinien auswĂ€rts). Das hĂ€tte ein schiefer Start werden können, ein klassisches „frĂŒh den Anschluss verlieren“. Doch Paraguay fing sich zu Hause: 1:0 gegen Bolivien am 17. Oktober 2023, Tor Sanabria (69.). Es war kein rauschender Sieg, eher ein Beweis, dass man Spiele auch mit einem einzigen Moment drehen kann.

Die zweite Phase war die Phase der Nuller. 0:0 in Chile (16. November 2023), 0:0 in Uruguay (6. September 2024), 0:0 in Ecuador (10. Oktober 2024), 0:0 zu Hause gegen Ecuador (4. September 2025). Das wirkt auf den ersten Blick monoton, ist aber als sportliche WĂ€hrung hoch relevant: Diese Unentschieden sind in CONMEBOL die kleinen GoldmĂŒnzen, die dich am Ende in die richtige Etage bringen.

Die entscheidende Zuspitzung kam in der Heimsaison 2024/2025. Das 2:1 gegen Venezuela (15. Oktober 2024) war mehr als ein Heimsieg: Es war ein Spiel, in dem Paraguay nach RĂŒckstand (25.) zweimal zuschlug (Sanabria 59., 74.) – ein klares Zeichen von AnpassungsfĂ€higkeit. Das 2:1 gegen Argentinien am 14. November 2024 war dann die große ErzĂ€hlung: frĂŒhes Gegentor (11.), Antwort durch Sanabria (19.), FĂŒhrung durch Alderete (47.). Wenn du Argentinien so schlĂ€gst, wĂ€chst nicht nur die Punktzahl, sondern auch das Selbstbild.

Und dann gab es diese AuswĂ€rtsabende, die zeigen, dass Paraguay nicht nur „zu Hause bissig“ ist. 2:2 in Bolivien (19. November 2024) mit einem spĂ€ten Treffer (Enciso 90+1) – das ist ein Punkt, der sich wie ein Sieg anfĂŒhlt. 2:2 in Kolumbien (25. MĂ€rz 2025) nach 0:2-RĂŒckstand in den ersten 13 Minuten: Paraguay kommt zurĂŒck durch Alonso (45+4) und Enciso (62.). Solche Spiele sind psychologisch fast wichtiger als klare Siege, weil sie erzĂ€hlen: Dieses Team fĂ€llt nicht auseinander.

Tabelle 1: Paraguays Spiele in den Eliminatorias

Datum Spieltag Gegner Bedingung Ergebnis TorschĂŒtzen Spielort
7. September 2023 1 Peru Heim 0:0 Stadion Antonio Aranda, Ciudad del Este
12. September 2023 2 Venezuela AuswÀrts 1:0 Rondón 90+3 pen. Stadion Monumental, Maturín
12. Oktober 2023 3 Argentinien AuswÀrts 1:0 Otamendi 3 Stadion Monumental, Buenos Aires
17. Oktober 2023 4 Bolivien Heim 1:0 Sanabria 69 Stadion Defensores del Chaco, AsunciĂłn
16. November 2023 5 Chile AuswÀrts 0:0 Stadion Monumental, Santiago
21. November 2023 6 Kolumbien Heim 0:1 Borré 11 pen. Stadion Defensores del Chaco, Asunción
6. September 2024 7 Uruguay AuswÀrts 0:0 Stadion Centenario, Montevideo
10. September 2024 8 Brasilien Heim 1:0 D. GĂłmez 20 Stadion Defensores del Chaco, AsunciĂłn
10. Oktober 2024 9 Ecuador AuswÀrts 0:0 Stadion Rodrigo Paz Delgado, Quito
15. Oktober 2024 10 Venezuela Heim 2:1 Sanabria 59, 74; Aramburu 25 Stadion Defensores del Chaco, AsunciĂłn
14. November 2024 11 Argentinien Heim 2:1 Sanabria 19, Alderete 47; La. MartĂ­nez 11 Stadion Defensores del Chaco, AsunciĂłn
19. November 2024 12 Bolivien AuswÀrts 2:2 E. Vaca 15, Terceros 80 pen.; Almirón 71, Enciso 90+1 Stadion Municipal, El Alto
20. MĂ€rz 2025 13 Chile Heim 1:0 Alderete 60 Stadion Defensores del Chaco, AsunciĂłn
25. MÀrz 2025 14 Kolumbien AuswÀrts 2:2 Díaz 1, Durån 13; Alonso 45+4, Enciso 62 Stadion Metropolitano, Barranquilla
5. Juni 2025 15 Uruguay Heim 2:0 Galarza 13, Enciso 81 pen. Stadion Defensores del Chaco, AsunciĂłn
10. Juni 2025 16 Brasilien AuswĂ€rts 1:0 VinĂ­cius JĂșnior 44 Neo QuĂ­mica Arena, SĂŁo Paulo
4. September 2025 17 Ecuador Heim 0:0 Stadion Defensores del Chaco, AsunciĂłn
9. September 2025 18 Peru AuswÀrts 0:1 Galarza 78 Stadion Nacional, Lima

Ein wichtiger Hinweis zur Tabelle oben: In zwei Spielen ist Paraguay als AuswĂ€rtsteam notiert, aber das Ergebnisfeld ist im Datensatz in der Form „1:0“ beziehungsweise „1:0“ hinterlegt, ohne explizite Zuordnung „fĂŒr wen“. FĂŒr die Analyse zĂ€hlt vor allem der Spielausgang aus Paraguays Sicht, der sich aus Kontext und TorschĂŒtzenangaben ergibt: Niederlagen in Venezuela, Argentinien und Brasilien auswĂ€rts, dazu der AuswĂ€rtssieg in Peru.

Tabelle 2: Abschlusstabelle CONMEBOL

Pos. Team Pts. PJ PG PE PP GF GC Dif.
1 Argentinien 38 18 12 2 4 31 10 21
2 Ecuador 29 18 8 8 2 14 5 9
3 Kolumbien 28 18 7 7 4 28 18 10
4 Uruguay 28 18 7 7 4 22 12 10
5 Brasilien 28 18 8 4 6 24 17 7
6 Paraguay 28 18 7 7 4 14 10 4
7 Bolivien 20 18 6 2 10 17 35 -18
8 Venezuela 18 18 4 6 8 18 28 -10
9 Peru 12 18 2 6 10 6 21 -15
10 Chile 11 18 2 5 11 9 27 -18

Was erzĂ€hlen diese Zahlen ĂŒber Paraguays Reise? Erstens: Paraguay hat in 18 Spielen nur 10 Gegentore zugelassen – im Schnitt 0,56 pro Spiel. Das ist eine defensive Baseline, die dich in vielen Konstellationen schon automatisch in Reichweite der QualifikationsplĂ€tze hĂ€lt. Zweitens: 14 erzielte Tore, also 0,78 pro Spiel – das ist kein Offensivteam im Sinne eines Dauerfeuers. Es ist ein Team, das auf den richtigen Moment wartet und sich darauf verlĂ€sst, dass ein Treffer oft reicht, weil hinten wenig anbrennt.

Drittens: die Balance zwischen Heim- und AuswĂ€rtsertrag. Paraguay gewann zu Hause gegen Bolivien (1:0), Brasilien (1:0), Venezuela (2:1), Argentinien (2:1), Chile (1:0), Uruguay (2:0) – das sind sechs Heimsiege. AuswĂ€rts holte Paraguay mehrere Unentschieden (Chile 0:0, Uruguay 0:0, Ecuador 0:0, Bolivien 2:2, Kolumbien 2:2) und den spĂ€ten Sieg in Peru (0:1). Das Profil ist klar: zu Hause wird nicht verhandelt, auswĂ€rts wird nichts verschenkt.

Viertens: die Enge der Spiele. Viele Ergebnisse liegen in einem Tor Unterschied oder sind Remis. Der Sieg gegen Uruguay (2:0) ist dabei fast schon die Ausnahme, weil er zwei Tore Abstand bringt. Ansonsten dominieren 1:0, 2:1, 0:0 – das sind die klassischen Ergebnisse eines Teams, das eher ĂŒber Struktur als ĂŒber Chaos kommt.

Wie sie spielen

Paraguay spielt in dieser Datenlage wie eine Mannschaft, die zuerst den Spielstand kontrolliert und erst dann die Partie. Das klingt simpel, ist aber eine konkrete IdentitĂ€t: Die Albirroja hat in 18 Qualifikationsspielen nur 10 Gegentore kassiert, und in sehr vielen Partien blieb es bei maximal einem Gegentor. Das drĂŒckt auf das Tempo, reduziert die Varianz und zwingt Gegner, geduldig zu werden – genau dort, wo viele Teams Fehler machen.

AuffĂ€llig ist, wie oft Paraguay Spiele in den Nullbereich zieht. Vier 0:0 sind dokumentiert (Peru, Chile, Uruguay, Ecuador), dazu mehrere 1:0-Siege (Bolivien, Brasilien, Chile) und knappe 2:1-Heimspiele. Das ist ein Stil, der weniger vom „Wir schießen drei“ lebt, sondern vom „Wir lassen dich nicht“. In der Praxis heißt das: Wer Paraguay knacken will, muss entweder sehr frĂŒh treffen (Argentinien 3. Minute) oder bis in die spĂ€ten Minuten mental stabil bleiben (Venezuela-Elfmeter 90+3). Viele Gegner bekommen genau diesen sauberen Moment nicht.

Der Rhythmus der Spiele zeigt zudem eine Mannschaft, die spĂ€te Phasen beherrscht. Paraguay trifft mehrfach in der Schlussphase oder reagiert in entscheidenden Zeitfenstern: Enciso 90+1 in El Alto zum 2:2, Galarza 78 in Lima zum AuswĂ€rtssieg, Enciso 81 per Elfmeter gegen Uruguay zum 2:0. Das sind keine Zufallstore, sondern Indikatoren fĂŒr konditionelle und mentale StabilitĂ€t – und fĂŒr ein Team, das bis zum Ende an seinen Matchplan glaubt.

Auch die Verteilung der Tore liefert Hinweise. Sanabria taucht mehrfach als TorschĂŒtze auf (Bolivien, zweimal gegen Venezuela, gegen Argentinien), Enciso ebenfalls wiederholt (Bolivien, Kolumbien, Uruguay), dazu Alderete (Chile, Argentinien) und Galarza (Uruguay, Peru) sowie D. GĂłmez (Brasilien). Das wirkt nicht wie eine AbhĂ€ngigkeit von einem einzigen Namen, sondern wie ein Kader, in dem mehrere Spieler zu Momenten kommen – oft ĂŒber Standards, zweite BĂ€lle oder Situationen, in denen ein Treffer das ganze Spiel kippt.

Die VulnerabilitĂ€t liegt dabei nicht im offenen Schlagabtausch, sondern in Spielen, in denen Paraguay frĂŒh in RĂŒckstand gerĂ€t oder in denen ein einzelnes Detail entscheidet. Zwei der drei AuswĂ€rtsniederlagen fallen in diese Kategorie: Argentinien trifft extrem frĂŒh, Brasilien kurz vor der Halbzeit, Venezuela per spĂ€tem Elfmeter. Das Muster ist nicht „Paraguay wird ausgespielt“, sondern „Paraguay verliert das eine entscheidende Ereignis“. Genau deshalb ist die nĂ€chste Entwicklungsstufe nicht zwingend „mehr Risiko“, sondern „noch sauberer in den SchlĂŒsselminuten“ – Beginn und Ende einer Halbzeit, plus Standardverteidigung.

Die Gruppe bei der WM

Paraguay steht in Gruppe D. Und diese Gruppe hat ein klares Profil: zwei feststehende Gegner und ein Platz, an dem der Gegner noch aus einem definierten Play-off-Pfad kommt. Das nimmt der Analyse nicht die Tiefe – im Gegenteil: Es zwingt Paraguay dazu, den Fokus auf das zu legen, was in den eigenen HĂ€nden liegt.

Fix sind die Spiele gegen die USA und gegen Australien. Das ist eine Mischung aus einem Gastgeberduell mit maximaler Kulisse und einem Spiel gegen ein Team, das traditionell viel ĂŒber Rhythmus und ZweikĂ€mpfe löst. Der dritte Gegner ist „Rival por definirse“ aus dem UEFA-Play-off-Pfad Ruta C: Eslovaquia, Kosovo, TurquĂ­a oder Rumania. Wichtig dabei: Es ist keine Schablone fĂŒr die StĂ€rke, sondern eine Schablone fĂŒr Vorbereitung. Paraguay muss hier flexibel planen, weil sich Profil und Dynamik je nach Gegner stark unterscheiden können.

Die Spielorte geben der Gruppenphase zudem eine klare geografische Linie: Los Ángeles und San Francisco. Zwei Spiele im Levi’s Stadium, eins im SoFi Stadium – das heißt: Reiseaufwand, aber auch die Möglichkeit, sich an eine Umgebung zu gewöhnen, statt stĂ€ndig umzuziehen. FĂŒr ein Team, das ĂŒber StabilitĂ€t kommt, ist das kein Nebensatz, sondern ein kleiner Vorteil in der praktischen Turnierlogistik.

Die Chronologie ist ebenfalls interessant: Erst der Auftakt gegen die USA am 12. Juni 2026, dann am 19. Juni das Spiel gegen den noch zu definierenden UEFA-Play-off-Gegner, und am 25. Juni das Abschlussmatch gegen Australien. In Turnieren ist der zweite Spieltag oft der Punkt, an dem Gruppen kippen – und Paraguay hat in den Eliminatorias mehrfach gezeigt, dass es Anpassung kann, auch nach schwierigen Anfangsphasen.

Hier ist der Kern: Paraguay kommt aus einer Qualifikation, in der es viele knappe Spiele ĂŒberlebt hat. In einer WM-Gruppe bedeutet das oft, dass ein 0:0 oder 1:0 nicht „zu wenig“ ist, sondern genau die WĂ€hrung, mit der man sich in die K.o.-Runde schiebt. Die Gefahr liegt eher darin, ein Spiel unnötig zu öffnen. Die Chance liegt darin, dass Paraguay mit einem Tor schon sehr weit kommt, weil die defensive Basis tragfĂ€hig ist.

Tabelle: Gruppenspiele Paraguay in Gruppe D

Datum Stadion Stadt Gegner
12. Juni 2026 SoFi Stadium Los Ángeles Vereinigte Staaten
19. Juni 2026 Levi's Stadium San Francisco Rival por definirse, saldrĂĄ del play-off UEFA Ruta C: Eslovaquia, Kosovo, TurquĂ­a o Rumania.
25. Juni 2026 Levi's Stadium San Francisco Australien

Partie 1: Vereinigte Staaten vs Paraguay Das Auftaktspiel ist immer ein Nerventest, und gegen einen Gastgeber wird daraus automatisch eine LautstĂ€rkeprĂŒfung. FĂŒr Paraguay ist die pragmatische Linie plausibel: Spiel beruhigen, lange im Ergebnis bleiben, die ersten 20 Minuten ohne Schaden ĂŒberstehen – das ist in den Daten ein wiederkehrendes Motiv, weil frĂŒhe Gegentore (wie in Buenos Aires) das Matchbild stark verĂ€ndern. Prognose: empate.

Partie 2: Rival por definirse, saldrĂĄ del play-off UEFA Ruta C: Eslovaquia, Kosovo, TurquĂ­a o Rumania vs Paraguay Dieses Spiel ist die taktische KernprĂŒfung der Gruppe, weil der Gegner erst spĂ€t endgĂŒltig feststeht. FĂŒr Paraguay heißt das: weniger „Gegner lesen“, mehr „eigene Prinzipien“ – Kompaktheit, Spielstandsmanagement, die Partie in die Zonen ziehen, in denen ein Standard oder ein zweiter Ball reicht. Prognose: gana Paraguay.

Partie 3: Paraguay vs Australien Ein drittes Gruppenspiel kann alles sein: Endspiel, Rechenspiel oder Befreiung. Paraguay hat in der Quali gezeigt, dass es spĂ€te Momente nutzen kann (Enciso, Galarza) und dass es zu Hause – in WM-Logik: auf neutralem Boden mit klarer Organisation – Spiele durchzieht. Wenn es bis dahin eng ist, wird Paraguay ein Ergebnis suchen, das nicht kippt. Prognose: empate.

SchlĂŒssel zur Qualifikation aus Gruppe D

  • Den Auftakt ohne frĂŒhes Gegentor ĂŒberstehen und das Spiel lange „im Gleichgewicht“ halten.
  • Im zweiten Spiel die eigene StabilitĂ€t als Werkzeug nutzen, statt auf ein spezifisches Gegnerprofil zu warten.
  • Standardsituationen als Match-Waffe pflegen: mehrere SchlĂŒsselspiele kippten ĂŒber einzelne Treffer und spĂ€te Aktionen.
  • Nerven behalten, wenn es eng wird: Paraguay hat in den Eliminatorias wiederholt spĂ€te Punkte geholt.
  • Heimspiel-Ă€hnliche Disziplin im Levi’s Stadium finden: zwei Partien am selben Ort sind eine Chance, Routinen aufzubauen.

Leitartikel

Paraguay bringt keine Illusionen mit zur WM, sondern etwas Wertvolleres: eine funktionierende Idee. 28 Punkte in einer CONMEBOL-Qualifikation, dazu nur 10 Gegentore – das ist nicht Glamour, das ist Substanz. Wer diese Mannschaft unterschĂ€tzt, verwechselt LautstĂ€rke mit Gefahr. Paraguay ist gefĂ€hrlich, weil es dich in ein Spiel zieht, in dem du plötzlich merkst: Du musst das Tor selbst öffnen, und jeder Fehltritt kann das eine Gegentor sein, das alles entscheidet.

Die Warnung ist aber ebenso klar: Dieses Profil lebt davon, dass die entscheidenden Momente sauber bleiben. Die Niederlage in MaturĂ­n am 12. September 2023 per Elfmeter in der 90+3 ist das Erinnerungsschild dieser Kampagne. Nicht, weil es „nur ein Spiel“ gewesen wĂ€re, sondern weil genau solche Sekunden in Turnieren ganze Gruppen kippen können. Paraguay kann sich in die K.o.-Runde arbeiten – aber nur, wenn es seine grĂ¶ĂŸte StĂ€rke bis zur letzten Szene schĂŒtzt: die Kontrolle ĂŒber das Chaos.

Am Ende passt die Albirroja in dieses Turnier wie ein Team, das nicht auf die perfekte Welle wartet, sondern das Meer ruhig macht. Und wenn Paraguay es schafft, aus dem 0:0 nicht nur ein Ergebnis, sondern ein Werkzeug zu machen, dann wird Gruppe D fĂŒr viele Gegner nicht zur BĂŒhne – sondern zur Geduldsprobe.