Saudi-Arabien - Grupo H

Saudi-Arabien, zwischen WĂŒste und WeltbĂŒhne: ein Team, das nie stillsteht

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Von der Tor-Ökonomie in Asien bis zum WM-Triptychon gegen Uruguay, Spanien und Cabo Verde

EinfĂŒhrung

Manchmal wirkt Saudi-Arabien wie eine Mannschaft, die in zwei Geschwindigkeiten lebt: eine, wenn sie den Ball hat und den Rhythmus diktiert; eine andere, wenn das Spiel ihr entgleitet und jede Minute nach Arbeit riecht. In den Zahlen steckt keine Romantik, aber sehr viel Wahrheit: Dieses Team gewinnt selten laut, verliert aber auch nicht oft mit Krach. Und genau darin liegt sein Reiz – und sein Problem.

Die Qualifikation war kein geradliniger Ritt, eher eine Route mit SandbĂ€nken und plötzlichen Richtungswechseln. In der zweiten Runde gab es noch die klare, beinahe klassische ErzĂ€hlung: dominieren, abliefern, die Pflicht erledigen. SpĂ€ter, in der dritten Runde, wurde daraus eine Geschichte der knappen Resultate, der Nullnummern, der Spiele, die an einem einzigen Moment hĂ€ngen. Und in der vierten Runde steht Saudi-Arabien plötzlich wieder vorne – aber mit dem GefĂŒhl, dass die Tabelle nur die halbe Geschichte erzĂ€hlt.

Wer Saudi-Arabien ĂŒber diese Reise verstehen will, muss beides zusammenhalten: die Phasen, in denen es effizient wirkt wie ein Uhrwerk, und jene, in denen es wie ein Projekt klingt, das noch nicht ganz fertig montiert ist. Ein Blick auf die Bilanz unterstreicht das: In der dritten Runde der AFC-Qualifikation endete Saudi-Arabien auf Rang 3 im Gruppe-C-Tableau mit 13 Punkten aus 10 Spielen, bei 7:8 Toren und einer Differenz von -1. Das ist nicht der Lebenslauf einer Offensivmaschine – eher der eines Teams, das sich viele Partien so zurechtlegt, dass sie nicht explodieren.

Drei Knackpunkte markieren diese Quali-ErzĂ€hlung besonders deutlich. Erstens das Ausrufezeichen zu Beginn der zweiten Runde: am 16. November 2023 ein 4:0 gegen Pakistan in Dammam, mit zwei Treffern von Al‑Shehri und einem spĂ€ten Doppelschlag. Zweitens das Wegspiel in Amman am 21. November 2023: 2:0 in Jordanien, erneut Al‑Shehri doppelt – ein Statement, dass Saudi-Arabien auch auswĂ€rts Kontrolle herstellen kann. Und drittens die Partie, die wie ein Schatten ĂŒber der dritten Runde liegt: am 19. November 2024 das 0:2 in Jakarta gegen Indonesien, eine Niederlage ohne eigenes Tor, die das ganze „knapp, aber stabil“-Selbstbild plötzlich brĂŒchig machte.

Und doch: Diese Mannschaft hat etwas, das in langen Qualifikationen zĂ€hlt wie Wasser in der WĂŒste – sie bleibt im Spiel, selbst wenn sie nicht glĂ€nzt. 0:0 in Australien, 0:0 in Japan, 0:0 gegen Bahrain: Das sind Resultate, die nicht sexy sind, aber ihnen erlauben, den Laden nicht zu verlieren. Saudi-Arabien hat sich nicht ĂŒber Feuerwerke definiert, sondern ĂŒber Kontrolle im Kleinen. Die WM-Gruppe H wird prĂŒfen, ob das auch im Großen reicht.

Der Weg durch die Qualifikation

Die AFC-Qualifikation, so wie sie sich in den vorliegenden Runden abzeichnet, ist in Etappen organisiert: Saudi-Arabien spielte eine zweite Runde in einem Vierergruppe-Format, danach eine dritte Runde mit sechs Teams in der Gruppe, und anschließend eine vierte Runde mit einem kleineren Gruppensetting. Das Entscheidende fĂŒr die Leistungsdiagnose: Mit jeder Runde steigt die Dichte der Gegner, und Saudi-Arabien reagierte darauf nicht mit mehr Risiko, sondern mit mehr Ergebnis-Management.

In der zweiten Runde stand Saudi-Arabien im Gruppe-G-Tableau auf Rang 2 mit 13 Punkten aus 6 Spielen. 4 Siege, 1 Remis, 1 Niederlage – dazu 12:3 Tore und +9 Differenz. Bemerkenswert ist weniger die Punktzahl als die Defensivlinie: nur drei Gegentore in sechs Spielen, trotz eines direkten Duells gegen Jordanien, das die Gruppe am Ende auf Rang 1 abschloss (ebenfalls 13 Punkte, aber mit +12 Differenz). Saudi-Arabien war also nicht „weit weg“, sondern minimal hinter der Spitze – in einer Gruppe, die es insgesamt sauber kontrollierte.

Die dritte Runde war dann der harte RealitĂ€tstest. In Gruppe C landete Saudi-Arabien auf Rang 3 mit 13 Punkten aus 10 Partien. Der Kontext ist wichtig: Japan (23 Punkte) und Australien (19 Punkte) setzten sich ab, Saudi-Arabien blieb im Mittelfeld der oberen HĂ€lfte, aber ohne Torpolster. 7 erzielte Treffer in 10 Spielen: weniger als ein Tor pro Partie im Schnitt. Und trotzdem kassierte man nur 8 Gegentreffer – wieder dieses Muster: Spiele klein halten, kippen lassen, wenn sich ein Fenster öffnet.

Der Blick auf die direkte Nachbarschaft in der Tabelle zeigt die feine Linie: Indonesien kam auf 12 Punkte, Saudi-Arabien auf 13. Ein einziger Punkt – und Indonesien gewann das direkte Heimspiel am 19. November 2024 mit 2:0. Das sagt viel: Saudi-Arabien war nicht durchgehend dominanter, sondern eher minimal stabiler ĂŒber die Distanz. Gleichzeitig lag China bei 9 und Bahrain bei 6 Punkten – Saudi-Arabien hielt also Abstand nach unten, aber konnte nach oben nicht wirklich durchbrechen.

In der vierten Runde, Gruppe B, startet die Geschichte neu – klein, kurz, aber scharf. Saudi-Arabien fĂŒhrt nach zwei Spielen mit 4 Punkten, gleichauf mit Irak, aber mit mehr Toren (3:2 gegenĂŒber 1:0). Das 3:2 auswĂ€rts gegen Indonesien am 8. Oktober 2025 ist dabei wie ein Kontrapunkt zur Niederlage in Jakarta ein Jahr zuvor: diesmal nicht „weg null“, sondern „weg liefern“. Das 0:0 gegen Irak am 14. Oktober 2025 wirkt dagegen wie das gewohnte Sicherheitsnetz, das Saudi-Arabien so oft ausrollt, wenn ein Spiel droht, kompliziert zu werden.

Was auffĂ€llt: Diese Quali war keine lineare Kurve. Sie war eher eine Sammlung von Spieltypen. Es gibt Saudi-Arabien als dominanten Favoriten gegen Pakistan, als kontrollierten AuswĂ€rtssieger in Jordanien oder China, als zĂ€hen Nullnummer-Spieler gegen Australien und Japan, und als Team, das in Indonesien einmal abstĂŒrzt (0:2) und spĂ€ter wieder aufsteht (3:2). Genau daraus entsteht ein Profil: weniger „Form“, mehr „Funktionsweise“.

Taktisch im klassischen Sinn – Formation, Pressinghöhe, Spielerrollen – lĂ€sst sich aus den Daten nicht seriös ableiten. Aber man kann die Logik der Resultate lesen: Saudi-Arabien sucht oft das Spiel, das nicht kippt. Und wenn es kippt, dann lieber in Richtung 1:0, 2:1 oder 2:0 als in Richtung 3:3 oder 4:2. Das ist Ergebnis-Fußball im besten und im riskantesten Sinn: Er funktioniert, solange die eigene Effizienz stimmt.

Tabelle 1: Partien von Saudi-Arabien, alle Spiele aus MATCHES

Datum Runde oder Gruppe Spieltag Gegner Heim AuswĂ€rts Ergebnis TorschĂŒtzen Spielort
16. November 2023 Gruppe G Pakistan Heim 4:0 Al‑Shehri 6', 48' pen.; Ghareeb 90+1'; Radif 90+6' Stadion Príncipe Mohamed bin Fahd, Dammam
21. November 2023 Gruppe G Jordanien AuswĂ€rts 2:0 Al‑Shehri 8', 30' Stadion Internacional, AmĂĄn
21. MĂ€rz 2024 Gruppe G Tadschikistan Heim 1:0 S. Al‑Dawsari 23' Stadion KSU, Riad
26. MĂ€rz 2024 Gruppe G Tadschikistan AuswĂ€rts 1:1 Al‑Buraikan 46'; Soirov 80' Stadion Pamir, DusambĂ©
6. Juni 2024 Gruppe G Pakistan AuswĂ€rts 3:0 Al‑Buraikan 26', 41'; Al‑Juwayr 59' Stadion Jinnah Sports, Islamabad
11. Juni 2024 Gruppe G Jordanien Heim 1:2 Lajami 16'; Olwan 27'; Al‑Rawabdeh 45+2' Stadion KSU, Riad
5. September 2024 Gruppe C 1 Indonesien Heim 1-1 Al‑Juwayr 45+3'; Oratmangoen 19' Ciudad Deportiva del Rey Abdalá, Yeda
10. September 2024 Gruppe C 2 China AuswÀrts 1-2 Lajami 14' Eigentor; Kadesh 39', 90' Dalian Suoyuwan Football Stadium, Dalian
10. Oktober 2024 Gruppe C 3 Japan Heim 0-2 Kamada 14'; Ogawa 81' Ciudad Deportiva del Rey AbdalĂĄ, Yeda
15. Oktober 2024 Gruppe C 4 Bahrain Heim 0-0 Ciudad Deportiva del Rey AbdalĂĄ, Yeda
14. November 2024 Gruppe C 5 Australien AuswÀrts 0-0 Stadion Rectangular, Melbourne
19. November 2024 Gruppe C 6 Indonesien AuswÀrts 2-0 Ferdinan 32', 57' Stadion Gelora Bung Karno, Yakarta
20. MĂ€rz 2025 Gruppe C 7 China Heim 1-0 S. Al‑Dawsari 50' Stadion de la Universidad Rey SaĂșd, Riad
25. MÀrz 2025 Gruppe C 8 Japan AuswÀrts 0-0 Stadion Saitama 2002, Saitama
5. Juni 2025 Gruppe C 9 Bahrain AuswĂ€rts 0-2 Al‑Juwayr 16'; Al‑Aboud 78' Stadion Nacional, Riffa
10. Juni 2025 Gruppe C 10 Australien Heim 1-2 Al‑Aboud 19'; Metcalfe 42'; Duke 48' Ciudad Deportiva del Rey Abdalá, Yeda
8. Oktober 2025 Vierte Runde, Gruppe B Indonesien AuswĂ€rts 2:3 Kevin Diks 2'; Saleh Aboulshamat; Firas Al‑Buraikan 2
14. Oktober 2025 Vierte Runde, Gruppe B Irak Heim 0:0

Jetzt die Tabellen – und hier ist entscheidend: Die Daten enthalten mehrere Tabellen aus verschiedenen Runden. FĂŒr ein vollstĂ€ndiges Bild mĂŒssen sie alle gezeigt werden, in exakt der Reihenfolge, in der sie vorliegen. Anschließend lĂ€sst sich Saudi-Arabien je nach Runde verorten: in Runde zwei als „fast Erster“, in Runde drei als „solide, aber nicht durchschlagend“, in Runde vier als „wieder an der Spitze, aber knapp“.

Tabelle 2: Tabelle Zweite Runde, Gruppe G

Pos. Team Pts. PJ G E P GF GC Dif.
1 Jordanien 13 6 4 1 1 16 4 +12
2 Saudi-Arabien 13 6 4 1 1 12 3 +9
3 Tadschikistan 8 6 2 2 2 11 7 +4
4 Pakistan 0 6 0 0 6 1 26 -25

Tabelle 3: Tabelle Dritte Runde, Gruppe C

Pos. Team Pts. PJ G E P GF GC Dif.
1 Japan 23 10 7 2 1 30 3 +27
2 Australien 19 10 5 4 1 16 7 +9
3 Saudi-Arabien 13 10 3 4 3 7 8 -1
4 Indonesien 12 10 3 3 4 9 20 -11
5 China 9 10 3 0 7 7 20 -13
6 Bahrain 6 10 1 3 6 5 16 -11

Tabelle 4: Tabelle Vierte Runde, Gruppe B

Pos. Team Pts. PJ G E P GF GC Dif.
1 Saudi-Arabien 4 2 1 1 0 3 2 +1
2 Irak 4 2 1 1 0 1 0 +1
3 Indonesien 0 2 0 0 2 2 4 -2

Aus diesen Zahlen lĂ€sst sich eine nĂŒchterne Segmentierung ziehen, die im Fußball sehr konkret ist: Heim und AuswĂ€rts, knappe Spiele und offene Spiele, sowie die Frage, ob Saudi-Arabien eher ĂŒber Angriff oder ĂŒber StabilitĂ€t lebt.

Heimspiele in der dritten Runde: Indonesien 1:1, China 1:0, Japan 0:2, Bahrain 0:0, Australien 1:2. Das ergibt zuhause 3 erzielte Tore und 7 Gegentore – und vor allem: zwei Heimniederlagen gegen Japan und Australien. AuswĂ€rts dagegen: in China 2:1 gewonnen (mit dem kuriosen Eigentor als Startpunkt), in Japan 0:0, in Australien 0:0, in Bahrain 2:0 gewonnen – und in Indonesien 0:2 verloren. AuswĂ€rts also deutlich „funktionaler“: weniger Gegentore, mehr Spiele ohne Verlust der Kontrolle.

Auch die Knappheit ist auffĂ€llig. In der dritten Runde endeten 3 von 10 Spielen 0:0, dazu ein 1:0, ein 1:1, mehrere 1:2 oder 0:2. Saudi-Arabien war selten in Partien, die auseinanderfliegen. Das kann man als StĂ€rke lesen: Das Team hĂ€lt Spiele im eigenen Korridor. Man kann es aber auch als Warnsignal lesen: Wenn man selbst nur 7 Tore in 10 Spielen macht, darf man sich kaum erlauben, einmal frĂŒh den Faden zu verlieren – wie in Jakarta beim 0:2.

Wie sie spielen

Saudi-Arabien spielt, wenn man es rein aus Ergebnissen und Torprofilen liest, eine Fußballsprache der Kontrolle. Nicht Kontrolle als Dauerbesitz, sondern Kontrolle als Begrenzung des Risikos. Das zeigt sich schon in der dritten Runde brutal klar: 7:8 Tore in 10 Spielen – das sind viele Abende, an denen ein einziger Treffer ĂŒber Sieg, Remis oder Niederlage entscheidet.

Die Mannschaft wirkt wie ein Team, das lieber gewinnt, ohne die TĂŒr weit aufzumachen. Die 1:0-Siege gegen Tadschikistan (21. MĂ€rz 2024) und China (20. MĂ€rz 2025) sind prototypisch: ein Tor reicht, dann wird das Spiel so gefĂŒhrt, dass es nicht mehr hektisch wird. Ebenso die 2:0-AuswĂ€rtssiege in Jordanien (21. November 2023) und in Pakistan (6. Juni 2024) oder das 2:0 in Bahrain (5. Juni 2025): Das sind Resultate, die von einem stabilen GrundgerĂŒst erzĂ€hlen, selbst wenn die Offensivproduktion nicht explodiert.

Der Rhythmus der Partien ist dabei hĂ€ufig „eng“. Drei 0:0 in der dritten Runde – zuhause gegen Bahrain, auswĂ€rts in Australien, auswĂ€rts in Japan – deuten auf eine hohe Bereitschaft hin, Unentschieden zu akzeptieren, wenn das Spielbild keinen klaren Vorteil hergibt. Das ist in Qualifikationen oft klug, weil ein Punkt auswĂ€rts gegen direkte Konkurrenten psychologisch und tabellarisch wertvoll sein kann. Aber es hat einen Preis: Wer oft auf schmalem Grat spielt, wird irgendwann von einem einzigen Aussetzer erwischt.

Die Torverteilung gibt einen weiteren Hinweis auf das Profil. In den gelisteten Spielen tauchen mehrere Namen als entscheidend auf: Al‑Shehri mit einem Doppelpack gegen Pakistan und einem Doppelpack in Jordanien, Al‑Buraikan als Mehrfachscorer gegen Pakistan und mit einem Treffer in Duschanbe, S. Al‑Dawsari mit 1:0-Toren gegen Tadschikistan und China, Al‑Juwayr mit Treffern gegen Pakistan, Indonesien und Bahrain, Al‑Aboud als TorschĂŒtze gegen Bahrain und Australien. Das wirkt weniger wie eine Ein-Mann-AbhĂ€ngigkeit, eher wie ein Verteilen der Verantwortung – aber bei insgesamt wenigen Toren heißt das nicht automatisch „breiter Angriff“, sondern eher: einzelne Spiele werden von einzelnen Momenten entschieden, die sich auf mehrere Köpfe verteilen.

VulnerabilitĂ€ten lassen sich aus zwei Mustern herauslesen. Erstens: Wenn Saudi-Arabien zuerst einen Schlag bekommt oder wenn das Spiel in eine Phase gerĂ€t, in der es selbst nach vorne erzwingen muss, wird es anfĂ€lliger. Das zeigen die Heimniederlagen gegen Japan (0:2) und Australien (1:2) sowie die AuswĂ€rtsniederlage in Indonesien (0:2). Zweitens: Die Offensive ist in der dritten Runde nicht konstant genug, um RĂŒckstĂ€nde regelmĂ€ĂŸig zu drehen. Es gibt zwar das 2:1 in China, aber insgesamt ist das Profil nicht das eines Teams, das dreimal pro Spiel zwingend wird. Es ist eher das eines Teams, das das Spiel „unter Kontrolle“ braucht, um effizient zu sein.

Und dann ist da noch die vierte Runde als frischer Kontrast: das 3:2 auswĂ€rts gegen Indonesien am 8. Oktober 2025. Plötzlich fĂŒnf Tore im Spiel, Saudi-Arabien mit drei eigenen Treffern – darunter zwei von Al‑Buraikan. Das klingt nach einem Team, das im offenen Spiel ebenfalls liefern kann, wenn es muss. Aber das direkt folgende 0:0 gegen Irak zeigt die alte Signatur: Sobald ein Spiel nach Risiko riecht, geht Saudi-Arabien oft wieder in den Modus „erstmal nicht verlieren“.

Die Gruppe bei der WM

Gruppe H bei der WM bringt Saudi-Arabien drei Gegner, die in ihrer Spielidee und in ihrem Namen schon unterschiedliche Spielabende versprechen: Uruguay, Spanien und Cabo Verde. Das ist eine Kombination, in der jedes Spiel einen anderen Charakter annehmen kann – und fĂŒr Saudi-Arabien ist das fast wichtiger als die reine Gegnerliste. Denn dieses Team lebt stark davon, den Spieltyp zu bestimmen.

Die drei Partien sind klar terminiert und geografisch weit gestreut innerhalb der USA: Miami, Atlanta, Houston. Das allein ist ein kleiner HĂ€rtetest: Reisekilometer, unterschiedliche StadionatmosphĂ€ren, unterschiedliche klimatische Mikrobedingungen. FĂŒr Saudi-Arabien, das in der Quali oft ĂŒber „kontrollierte“ Spiele kam, wird die Logistik zur Nebensache, aber nicht zur Nullnummer: Jede WM-Gruppe ist auch ein Rhythmus-Thema, und Saudi-Arabien wirkt am stĂ€rksten, wenn es Rhythmus findet.

Hier die MatchĂŒbersicht der Gruppe H fĂŒr Saudi-Arabien:

Datum Stadion Stadt Gegner
15. Juni 2026 Hard Rock Stadium Miami Uruguay
21. Juni 2026 Mercedes-Benz Stadium Atlanta Spanien
26. Juni 2026 NRG Stadium Houston Cabo Verde

Spiel 1: Saudi-Arabien gegen Uruguay am 15. Juni 2026. Das erste Gruppenspiel ist fĂŒr Saudi-Arabien fast immer der SchlĂŒssel zur eigenen IdentitĂ€t im Turnier. Aus den Quali-Daten spricht: Wenn Saudi-Arabien ein Spiel auf „knapp und kontrolliert“ stellen kann, ist es unangenehm zu schlagen. Der Plan wird deshalb simpel sein: frĂŒhe Fehler vermeiden, das Spiel nicht öffnen, geduldig bleiben. Prognose in klarer Sprache: Unentschieden. Nicht, weil Uruguay „so oder so“ ist – ĂŒber den Gegner liegen hier keine Leistungsdaten vor –, sondern weil Saudi-Arabiens eigene Signatur stark auf knappen SpielausgĂ€ngen beruht.

Spiel 2: Spanien gegen Saudi-Arabien am 21. Juni 2026. Das ist das Spiel, in dem Saudi-Arabien am ehesten in die Rolle gedrĂŒckt werden könnte, die es in der dritten Runde manchmal nicht mochte: hinterherlaufen, ohne dass die eigene Offensivproduktion automatisch anspringt. Wenn Saudi-Arabien in solchen Spielen zu selten selbst trifft, wird die Aufgabe schwer. Gleichzeitig zeigen die 0:0 auswĂ€rts in Japan und Australien: Dieses Team kann gegen hochkarĂ€tige Aufgaben den Laden dicht bekommen. Prognose: Sieg Spanien – als vorsichtige Lesart der Konstellation, nicht als Urteil ĂŒber den Gegner.

Spiel 3: Cabo Verde gegen Saudi-Arabien am 26. Juni 2026. Ein drittes Gruppenspiel kann zum Nervenspiel werden, egal wie die ersten beiden ausgingen. Aus saudischer Sicht ist es ein Match, das man ĂŒber Struktur gewinnen kann: saubere Zonen, wenig Geschenke, ein Tor zur richtigen Zeit. In der Quali war Saudi-Arabien mehrfach in genau solchen DrehbĂŒchern erfolgreich – 1:0 gegen China, 2:0 in Bahrain, 1:0 gegen Tadschikistan. Prognose: Sieg Saudi-Arabien.

Der entscheidende Punkt: Saudi-Arabien braucht keine drei offenen Schlagabtausche, um zu punkten. Es braucht drei Spiele, die im eigenen Korridor bleiben. Wenn das gelingt, wird Gruppe H fĂŒr die Gegner zĂ€h, selbst wenn Saudi-Arabien nicht viele Tore schießt.

SchlĂŒssel zur Qualifikation aus der Gruppe in klaren Punkten:

  • Das erste Spiel ohne Niederlage ĂŒberstehen, weil Saudi-Arabien dann sein bevorzugtes Turnier-Tempo findet.
  • Die Zahl der Gegentore klein halten, weil die eigene Torproduktion in den Quali-Runden oft knapp war.
  • Standards und einzelne Momente maximal nutzen, weil viele Spiele ĂŒber ein Tor kippten.
  • Im dritten Spiel handlungsfĂ€hig bleiben, unabhĂ€ngig von der Tabellenlage: keine Panik, kein „All-in“ ohne Absicherung.

Leitartikel

Saudi-Arabien ist kein Team, das man nur ĂŒber Stars oder Schlagzeilen erklĂ€ren kann. Es ist eine Mannschaft, die sich in Ergebnissen ausdrĂŒckt: 0:0 als Werkzeug, 1:0 als Lebensversicherung, 2:0 als Idealzustand. Das ist nicht spektakulĂ€r, aber es ist seriös – und in einer WM-Gruppe kann SeriositĂ€t mehr wert sein als jedes hĂŒbsche Narrativ. Wer Saudi-Arabien unterschĂ€tzt, merkt oft erst spĂ€t, dass das Spiel lĂ€ngst in der saudischen Komfortzone gelandet ist.

Gleichzeitig ist genau dort die Gefahr versteckt. Wenn du dich daran gewöhnst, dass alles knapp ist, reicht ein einziges Spiel, das dir entgleitet, um einen ganzen Plan zu zerreißen. Das 0:2 in Indonesien am 19. November 2024 ist dafĂŒr das warnende Beispiel: kein eigenes Tor, zwei Gegentreffer, und plötzlich sieht StabilitĂ€t aus wie Stillstand. FĂŒr die WM heißt das: Saudi-Arabien muss seine Kontrolle aktiv spielen – nicht nur erleiden. Denn wer nur verwaltet, wird irgendwann verwaltet.

Am Ende bleibt das Bild einer Auswahl, die gelernt hat, Spiele zu ĂŒberleben – und manchmal auch zu gewinnen, ohne viel LĂ€rm. Aber die WM ist ein Turnier der Details. Wenn Saudi-Arabien die Lektion aus Jakarta mitnimmt, dann nicht als Drama, sondern als Handbuchseite: In einem Spiel, das kippt, brauchst du nicht nur Ordnung, sondern auch einen zweiten Plan. Und der beginnt oft mit einem einfachen, alten Fußballsatz: Das nĂ€chste Tor ist nicht nur ein Tor – es ist der ganze Abend.