Saudi-Arabien - Grupo H
đžđŠđ„ Saudi-Arabien, zwischen WĂŒste und WeltbĂŒhne: ein Team, das nie stillsteht
Von der Tor-Ăkonomie in Asien bis zum WM-Triptychon gegen Uruguay, Spanien und Cabo Verde
EinfĂŒhrung
Manchmal wirkt Saudi-Arabien wie eine Mannschaft, die in zwei Geschwindigkeiten lebt: eine, wenn sie den Ball hat und den Rhythmus diktiert; eine andere, wenn das Spiel ihr entgleitet und jede Minute nach Arbeit riecht. In den Zahlen steckt keine Romantik, aber sehr viel Wahrheit: Dieses Team gewinnt selten laut, verliert aber auch nicht oft mit Krach. Und genau darin liegt sein Reiz â und sein Problem.
Die Qualifikation war kein geradliniger Ritt, eher eine Route mit SandbĂ€nken und plötzlichen Richtungswechseln. In der zweiten Runde gab es noch die klare, beinahe klassische ErzĂ€hlung: dominieren, abliefern, die Pflicht erledigen. SpĂ€ter, in der dritten Runde, wurde daraus eine Geschichte der knappen Resultate, der Nullnummern, der Spiele, die an einem einzigen Moment hĂ€ngen. Und in der vierten Runde steht Saudi-Arabien plötzlich wieder vorne â aber mit dem GefĂŒhl, dass die Tabelle nur die halbe Geschichte erzĂ€hlt.
Wer Saudi-Arabien ĂŒber diese Reise verstehen will, muss beides zusammenhalten: die Phasen, in denen es effizient wirkt wie ein Uhrwerk, und jene, in denen es wie ein Projekt klingt, das noch nicht ganz fertig montiert ist. Ein Blick auf die Bilanz unterstreicht das: In der dritten Runde der AFC-Qualifikation endete Saudi-Arabien auf Rang 3 im Gruppe-C-Tableau mit 13 Punkten aus 10 Spielen, bei 7:8 Toren und einer Differenz von -1. Das ist nicht der Lebenslauf einer Offensivmaschine â eher der eines Teams, das sich viele Partien so zurechtlegt, dass sie nicht explodieren.
Drei Knackpunkte markieren diese Quali-ErzĂ€hlung besonders deutlich. Erstens das Ausrufezeichen zu Beginn der zweiten Runde: am 16. November 2023 ein 4:0 gegen Pakistan in Dammam, mit zwei Treffern von AlâShehri und einem spĂ€ten Doppelschlag. Zweitens das Wegspiel in Amman am 21. November 2023: 2:0 in Jordanien, erneut AlâShehri doppelt â ein Statement, dass Saudi-Arabien auch auswĂ€rts Kontrolle herstellen kann. Und drittens die Partie, die wie ein Schatten ĂŒber der dritten Runde liegt: am 19. November 2024 das 0:2 in Jakarta gegen Indonesien, eine Niederlage ohne eigenes Tor, die das ganze âknapp, aber stabilâ-Selbstbild plötzlich brĂŒchig machte.
Und doch: Diese Mannschaft hat etwas, das in langen Qualifikationen zĂ€hlt wie Wasser in der WĂŒste â sie bleibt im Spiel, selbst wenn sie nicht glĂ€nzt. 0:0 in Australien, 0:0 in Japan, 0:0 gegen Bahrain: Das sind Resultate, die nicht sexy sind, aber ihnen erlauben, den Laden nicht zu verlieren. Saudi-Arabien hat sich nicht ĂŒber Feuerwerke definiert, sondern ĂŒber Kontrolle im Kleinen. Die WM-Gruppe H wird prĂŒfen, ob das auch im GroĂen reicht.
Der Weg durch die Qualifikation
Die AFC-Qualifikation, so wie sie sich in den vorliegenden Runden abzeichnet, ist in Etappen organisiert: Saudi-Arabien spielte eine zweite Runde in einem Vierergruppe-Format, danach eine dritte Runde mit sechs Teams in der Gruppe, und anschlieĂend eine vierte Runde mit einem kleineren Gruppensetting. Das Entscheidende fĂŒr die Leistungsdiagnose: Mit jeder Runde steigt die Dichte der Gegner, und Saudi-Arabien reagierte darauf nicht mit mehr Risiko, sondern mit mehr Ergebnis-Management.
In der zweiten Runde stand Saudi-Arabien im Gruppe-G-Tableau auf Rang 2 mit 13 Punkten aus 6 Spielen. 4 Siege, 1 Remis, 1 Niederlage â dazu 12:3 Tore und +9 Differenz. Bemerkenswert ist weniger die Punktzahl als die Defensivlinie: nur drei Gegentore in sechs Spielen, trotz eines direkten Duells gegen Jordanien, das die Gruppe am Ende auf Rang 1 abschloss (ebenfalls 13 Punkte, aber mit +12 Differenz). Saudi-Arabien war also nicht âweit wegâ, sondern minimal hinter der Spitze â in einer Gruppe, die es insgesamt sauber kontrollierte.
Die dritte Runde war dann der harte RealitĂ€tstest. In Gruppe C landete Saudi-Arabien auf Rang 3 mit 13 Punkten aus 10 Partien. Der Kontext ist wichtig: Japan (23 Punkte) und Australien (19 Punkte) setzten sich ab, Saudi-Arabien blieb im Mittelfeld der oberen HĂ€lfte, aber ohne Torpolster. 7 erzielte Treffer in 10 Spielen: weniger als ein Tor pro Partie im Schnitt. Und trotzdem kassierte man nur 8 Gegentreffer â wieder dieses Muster: Spiele klein halten, kippen lassen, wenn sich ein Fenster öffnet.
Der Blick auf die direkte Nachbarschaft in der Tabelle zeigt die feine Linie: Indonesien kam auf 12 Punkte, Saudi-Arabien auf 13. Ein einziger Punkt â und Indonesien gewann das direkte Heimspiel am 19. November 2024 mit 2:0. Das sagt viel: Saudi-Arabien war nicht durchgehend dominanter, sondern eher minimal stabiler ĂŒber die Distanz. Gleichzeitig lag China bei 9 und Bahrain bei 6 Punkten â Saudi-Arabien hielt also Abstand nach unten, aber konnte nach oben nicht wirklich durchbrechen.
In der vierten Runde, Gruppe B, startet die Geschichte neu â klein, kurz, aber scharf. Saudi-Arabien fĂŒhrt nach zwei Spielen mit 4 Punkten, gleichauf mit Irak, aber mit mehr Toren (3:2 gegenĂŒber 1:0). Das 3:2 auswĂ€rts gegen Indonesien am 8. Oktober 2025 ist dabei wie ein Kontrapunkt zur Niederlage in Jakarta ein Jahr zuvor: diesmal nicht âweg nullâ, sondern âweg liefernâ. Das 0:0 gegen Irak am 14. Oktober 2025 wirkt dagegen wie das gewohnte Sicherheitsnetz, das Saudi-Arabien so oft ausrollt, wenn ein Spiel droht, kompliziert zu werden.
Was auffĂ€llt: Diese Quali war keine lineare Kurve. Sie war eher eine Sammlung von Spieltypen. Es gibt Saudi-Arabien als dominanten Favoriten gegen Pakistan, als kontrollierten AuswĂ€rtssieger in Jordanien oder China, als zĂ€hen Nullnummer-Spieler gegen Australien und Japan, und als Team, das in Indonesien einmal abstĂŒrzt (0:2) und spĂ€ter wieder aufsteht (3:2). Genau daraus entsteht ein Profil: weniger âFormâ, mehr âFunktionsweiseâ.
Taktisch im klassischen Sinn â Formation, Pressinghöhe, Spielerrollen â lĂ€sst sich aus den Daten nicht seriös ableiten. Aber man kann die Logik der Resultate lesen: Saudi-Arabien sucht oft das Spiel, das nicht kippt. Und wenn es kippt, dann lieber in Richtung 1:0, 2:1 oder 2:0 als in Richtung 3:3 oder 4:2. Das ist Ergebnis-FuĂball im besten und im riskantesten Sinn: Er funktioniert, solange die eigene Effizienz stimmt.
Tabelle 1: Partien von Saudi-Arabien, alle Spiele aus MATCHES
| Datum | Runde oder Gruppe | Spieltag | Gegner | Heim AuswĂ€rts | Ergebnis | TorschĂŒtzen | Spielort |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 16. November 2023 | Gruppe G | Pakistan | Heim | 4:0 | AlâShehri 6', 48' pen.; Ghareeb 90+1'; Radif 90+6' | Stadion PrĂncipe Mohamed bin Fahd, Dammam | |
| 21. November 2023 | Gruppe G | Jordanien | AuswĂ€rts | 2:0 | AlâShehri 8', 30' | Stadion Internacional, AmĂĄn | |
| 21. MĂ€rz 2024 | Gruppe G | Tadschikistan | Heim | 1:0 | S. AlâDawsari 23' | Stadion KSU, Riad | |
| 26. MĂ€rz 2024 | Gruppe G | Tadschikistan | AuswĂ€rts | 1:1 | AlâBuraikan 46'; Soirov 80' | Stadion Pamir, DusambĂ© | |
| 6. Juni 2024 | Gruppe G | Pakistan | AuswĂ€rts | 3:0 | AlâBuraikan 26', 41'; AlâJuwayr 59' | Stadion Jinnah Sports, Islamabad | |
| 11. Juni 2024 | Gruppe G | Jordanien | Heim | 1:2 | Lajami 16'; Olwan 27'; AlâRawabdeh 45+2' | Stadion KSU, Riad | |
| 5. September 2024 | Gruppe C | 1 | Indonesien | Heim | 1-1 | AlâJuwayr 45+3'; Oratmangoen 19' | Ciudad Deportiva del Rey AbdalĂĄ, Yeda |
| 10. September 2024 | Gruppe C | 2 | China | AuswÀrts | 1-2 | Lajami 14' Eigentor; Kadesh 39', 90' | Dalian Suoyuwan Football Stadium, Dalian |
| 10. Oktober 2024 | Gruppe C | 3 | Japan | Heim | 0-2 | Kamada 14'; Ogawa 81' | Ciudad Deportiva del Rey AbdalĂĄ, Yeda |
| 15. Oktober 2024 | Gruppe C | 4 | Bahrain | Heim | 0-0 | Ciudad Deportiva del Rey AbdalĂĄ, Yeda | |
| 14. November 2024 | Gruppe C | 5 | Australien | AuswÀrts | 0-0 | Stadion Rectangular, Melbourne | |
| 19. November 2024 | Gruppe C | 6 | Indonesien | AuswÀrts | 2-0 | Ferdinan 32', 57' | Stadion Gelora Bung Karno, Yakarta |
| 20. MĂ€rz 2025 | Gruppe C | 7 | China | Heim | 1-0 | S. AlâDawsari 50' | Stadion de la Universidad Rey SaĂșd, Riad |
| 25. MÀrz 2025 | Gruppe C | 8 | Japan | AuswÀrts | 0-0 | Stadion Saitama 2002, Saitama | |
| 5. Juni 2025 | Gruppe C | 9 | Bahrain | AuswĂ€rts | 0-2 | AlâJuwayr 16'; AlâAboud 78' | Stadion Nacional, Riffa |
| 10. Juni 2025 | Gruppe C | 10 | Australien | Heim | 1-2 | AlâAboud 19'; Metcalfe 42'; Duke 48' | Ciudad Deportiva del Rey AbdalĂĄ, Yeda |
| 8. Oktober 2025 | Vierte Runde, Gruppe B | Indonesien | AuswĂ€rts | 2:3 | Kevin Diks 2'; Saleh Aboulshamat; Firas AlâBuraikan 2 | ||
| 14. Oktober 2025 | Vierte Runde, Gruppe B | Irak | Heim | 0:0 |
Jetzt die Tabellen â und hier ist entscheidend: Die Daten enthalten mehrere Tabellen aus verschiedenen Runden. FĂŒr ein vollstĂ€ndiges Bild mĂŒssen sie alle gezeigt werden, in exakt der Reihenfolge, in der sie vorliegen. AnschlieĂend lĂ€sst sich Saudi-Arabien je nach Runde verorten: in Runde zwei als âfast Ersterâ, in Runde drei als âsolide, aber nicht durchschlagendâ, in Runde vier als âwieder an der Spitze, aber knappâ.
Tabelle 2: Tabelle Zweite Runde, Gruppe G
| Pos. | Team | Pts. | PJ | G | E | P | GF | GC | Dif. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Jordanien | 13 | 6 | 4 | 1 | 1 | 16 | 4 | +12 |
| 2 | Saudi-Arabien | 13 | 6 | 4 | 1 | 1 | 12 | 3 | +9 |
| 3 | Tadschikistan | 8 | 6 | 2 | 2 | 2 | 11 | 7 | +4 |
| 4 | Pakistan | 0 | 6 | 0 | 0 | 6 | 1 | 26 | -25 |
Tabelle 3: Tabelle Dritte Runde, Gruppe C
| Pos. | Team | Pts. | PJ | G | E | P | GF | GC | Dif. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Japan | 23 | 10 | 7 | 2 | 1 | 30 | 3 | +27 |
| 2 | Australien | 19 | 10 | 5 | 4 | 1 | 16 | 7 | +9 |
| 3 | Saudi-Arabien | 13 | 10 | 3 | 4 | 3 | 7 | 8 | -1 |
| 4 | Indonesien | 12 | 10 | 3 | 3 | 4 | 9 | 20 | -11 |
| 5 | China | 9 | 10 | 3 | 0 | 7 | 7 | 20 | -13 |
| 6 | Bahrain | 6 | 10 | 1 | 3 | 6 | 5 | 16 | -11 |
Tabelle 4: Tabelle Vierte Runde, Gruppe B
| Pos. | Team | Pts. | PJ | G | E | P | GF | GC | Dif. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Saudi-Arabien | 4 | 2 | 1 | 1 | 0 | 3 | 2 | +1 |
| 2 | Irak | 4 | 2 | 1 | 1 | 0 | 1 | 0 | +1 |
| 3 | Indonesien | 0 | 2 | 0 | 0 | 2 | 2 | 4 | -2 |
Aus diesen Zahlen lĂ€sst sich eine nĂŒchterne Segmentierung ziehen, die im FuĂball sehr konkret ist: Heim und AuswĂ€rts, knappe Spiele und offene Spiele, sowie die Frage, ob Saudi-Arabien eher ĂŒber Angriff oder ĂŒber StabilitĂ€t lebt.
Heimspiele in der dritten Runde: Indonesien 1:1, China 1:0, Japan 0:2, Bahrain 0:0, Australien 1:2. Das ergibt zuhause 3 erzielte Tore und 7 Gegentore â und vor allem: zwei Heimniederlagen gegen Japan und Australien. AuswĂ€rts dagegen: in China 2:1 gewonnen (mit dem kuriosen Eigentor als Startpunkt), in Japan 0:0, in Australien 0:0, in Bahrain 2:0 gewonnen â und in Indonesien 0:2 verloren. AuswĂ€rts also deutlich âfunktionalerâ: weniger Gegentore, mehr Spiele ohne Verlust der Kontrolle.
Auch die Knappheit ist auffĂ€llig. In der dritten Runde endeten 3 von 10 Spielen 0:0, dazu ein 1:0, ein 1:1, mehrere 1:2 oder 0:2. Saudi-Arabien war selten in Partien, die auseinanderfliegen. Das kann man als StĂ€rke lesen: Das Team hĂ€lt Spiele im eigenen Korridor. Man kann es aber auch als Warnsignal lesen: Wenn man selbst nur 7 Tore in 10 Spielen macht, darf man sich kaum erlauben, einmal frĂŒh den Faden zu verlieren â wie in Jakarta beim 0:2.
Wie sie spielen
Saudi-Arabien spielt, wenn man es rein aus Ergebnissen und Torprofilen liest, eine FuĂballsprache der Kontrolle. Nicht Kontrolle als Dauerbesitz, sondern Kontrolle als Begrenzung des Risikos. Das zeigt sich schon in der dritten Runde brutal klar: 7:8 Tore in 10 Spielen â das sind viele Abende, an denen ein einziger Treffer ĂŒber Sieg, Remis oder Niederlage entscheidet.
Die Mannschaft wirkt wie ein Team, das lieber gewinnt, ohne die TĂŒr weit aufzumachen. Die 1:0-Siege gegen Tadschikistan (21. MĂ€rz 2024) und China (20. MĂ€rz 2025) sind prototypisch: ein Tor reicht, dann wird das Spiel so gefĂŒhrt, dass es nicht mehr hektisch wird. Ebenso die 2:0-AuswĂ€rtssiege in Jordanien (21. November 2023) und in Pakistan (6. Juni 2024) oder das 2:0 in Bahrain (5. Juni 2025): Das sind Resultate, die von einem stabilen GrundgerĂŒst erzĂ€hlen, selbst wenn die Offensivproduktion nicht explodiert.
Der Rhythmus der Partien ist dabei hĂ€ufig âengâ. Drei 0:0 in der dritten Runde â zuhause gegen Bahrain, auswĂ€rts in Australien, auswĂ€rts in Japan â deuten auf eine hohe Bereitschaft hin, Unentschieden zu akzeptieren, wenn das Spielbild keinen klaren Vorteil hergibt. Das ist in Qualifikationen oft klug, weil ein Punkt auswĂ€rts gegen direkte Konkurrenten psychologisch und tabellarisch wertvoll sein kann. Aber es hat einen Preis: Wer oft auf schmalem Grat spielt, wird irgendwann von einem einzigen Aussetzer erwischt.
Die Torverteilung gibt einen weiteren Hinweis auf das Profil. In den gelisteten Spielen tauchen mehrere Namen als entscheidend auf: AlâShehri mit einem Doppelpack gegen Pakistan und einem Doppelpack in Jordanien, AlâBuraikan als Mehrfachscorer gegen Pakistan und mit einem Treffer in Duschanbe, S. AlâDawsari mit 1:0-Toren gegen Tadschikistan und China, AlâJuwayr mit Treffern gegen Pakistan, Indonesien und Bahrain, AlâAboud als TorschĂŒtze gegen Bahrain und Australien. Das wirkt weniger wie eine Ein-Mann-AbhĂ€ngigkeit, eher wie ein Verteilen der Verantwortung â aber bei insgesamt wenigen Toren heiĂt das nicht automatisch âbreiter Angriffâ, sondern eher: einzelne Spiele werden von einzelnen Momenten entschieden, die sich auf mehrere Köpfe verteilen.
VulnerabilitĂ€ten lassen sich aus zwei Mustern herauslesen. Erstens: Wenn Saudi-Arabien zuerst einen Schlag bekommt oder wenn das Spiel in eine Phase gerĂ€t, in der es selbst nach vorne erzwingen muss, wird es anfĂ€lliger. Das zeigen die Heimniederlagen gegen Japan (0:2) und Australien (1:2) sowie die AuswĂ€rtsniederlage in Indonesien (0:2). Zweitens: Die Offensive ist in der dritten Runde nicht konstant genug, um RĂŒckstĂ€nde regelmĂ€Ăig zu drehen. Es gibt zwar das 2:1 in China, aber insgesamt ist das Profil nicht das eines Teams, das dreimal pro Spiel zwingend wird. Es ist eher das eines Teams, das das Spiel âunter Kontrolleâ braucht, um effizient zu sein.
Und dann ist da noch die vierte Runde als frischer Kontrast: das 3:2 auswĂ€rts gegen Indonesien am 8. Oktober 2025. Plötzlich fĂŒnf Tore im Spiel, Saudi-Arabien mit drei eigenen Treffern â darunter zwei von AlâBuraikan. Das klingt nach einem Team, das im offenen Spiel ebenfalls liefern kann, wenn es muss. Aber das direkt folgende 0:0 gegen Irak zeigt die alte Signatur: Sobald ein Spiel nach Risiko riecht, geht Saudi-Arabien oft wieder in den Modus âerstmal nicht verlierenâ.
Die Gruppe bei der WM
Gruppe H bei der WM bringt Saudi-Arabien drei Gegner, die in ihrer Spielidee und in ihrem Namen schon unterschiedliche Spielabende versprechen: Uruguay, Spanien und Cabo Verde. Das ist eine Kombination, in der jedes Spiel einen anderen Charakter annehmen kann â und fĂŒr Saudi-Arabien ist das fast wichtiger als die reine Gegnerliste. Denn dieses Team lebt stark davon, den Spieltyp zu bestimmen.
Die drei Partien sind klar terminiert und geografisch weit gestreut innerhalb der USA: Miami, Atlanta, Houston. Das allein ist ein kleiner HĂ€rtetest: Reisekilometer, unterschiedliche StadionatmosphĂ€ren, unterschiedliche klimatische Mikrobedingungen. FĂŒr Saudi-Arabien, das in der Quali oft ĂŒber âkontrollierteâ Spiele kam, wird die Logistik zur Nebensache, aber nicht zur Nullnummer: Jede WM-Gruppe ist auch ein Rhythmus-Thema, und Saudi-Arabien wirkt am stĂ€rksten, wenn es Rhythmus findet.
Hier die MatchĂŒbersicht der Gruppe H fĂŒr Saudi-Arabien:
| Datum | Stadion | Stadt | Gegner |
|---|---|---|---|
| 15. Juni 2026 | Hard Rock Stadium | Miami | Uruguay |
| 21. Juni 2026 | Mercedes-Benz Stadium | Atlanta | Spanien |
| 26. Juni 2026 | NRG Stadium | Houston | Cabo Verde |
Spiel 1: Saudi-Arabien gegen Uruguay am 15. Juni 2026. Das erste Gruppenspiel ist fĂŒr Saudi-Arabien fast immer der SchlĂŒssel zur eigenen IdentitĂ€t im Turnier. Aus den Quali-Daten spricht: Wenn Saudi-Arabien ein Spiel auf âknapp und kontrolliertâ stellen kann, ist es unangenehm zu schlagen. Der Plan wird deshalb simpel sein: frĂŒhe Fehler vermeiden, das Spiel nicht öffnen, geduldig bleiben. Prognose in klarer Sprache: Unentschieden. Nicht, weil Uruguay âso oder soâ ist â ĂŒber den Gegner liegen hier keine Leistungsdaten vor â, sondern weil Saudi-Arabiens eigene Signatur stark auf knappen SpielausgĂ€ngen beruht.
Spiel 2: Spanien gegen Saudi-Arabien am 21. Juni 2026. Das ist das Spiel, in dem Saudi-Arabien am ehesten in die Rolle gedrĂŒckt werden könnte, die es in der dritten Runde manchmal nicht mochte: hinterherlaufen, ohne dass die eigene Offensivproduktion automatisch anspringt. Wenn Saudi-Arabien in solchen Spielen zu selten selbst trifft, wird die Aufgabe schwer. Gleichzeitig zeigen die 0:0 auswĂ€rts in Japan und Australien: Dieses Team kann gegen hochkarĂ€tige Aufgaben den Laden dicht bekommen. Prognose: Sieg Spanien â als vorsichtige Lesart der Konstellation, nicht als Urteil ĂŒber den Gegner.
Spiel 3: Cabo Verde gegen Saudi-Arabien am 26. Juni 2026. Ein drittes Gruppenspiel kann zum Nervenspiel werden, egal wie die ersten beiden ausgingen. Aus saudischer Sicht ist es ein Match, das man ĂŒber Struktur gewinnen kann: saubere Zonen, wenig Geschenke, ein Tor zur richtigen Zeit. In der Quali war Saudi-Arabien mehrfach in genau solchen DrehbĂŒchern erfolgreich â 1:0 gegen China, 2:0 in Bahrain, 1:0 gegen Tadschikistan. Prognose: Sieg Saudi-Arabien.
Der entscheidende Punkt: Saudi-Arabien braucht keine drei offenen Schlagabtausche, um zu punkten. Es braucht drei Spiele, die im eigenen Korridor bleiben. Wenn das gelingt, wird Gruppe H fĂŒr die Gegner zĂ€h, selbst wenn Saudi-Arabien nicht viele Tore schieĂt.
SchlĂŒssel zur Qualifikation aus der Gruppe in klaren Punkten:
- Das erste Spiel ohne Niederlage ĂŒberstehen, weil Saudi-Arabien dann sein bevorzugtes Turnier-Tempo findet.
- Die Zahl der Gegentore klein halten, weil die eigene Torproduktion in den Quali-Runden oft knapp war.
- Standards und einzelne Momente maximal nutzen, weil viele Spiele ĂŒber ein Tor kippten.
- Im dritten Spiel handlungsfĂ€hig bleiben, unabhĂ€ngig von der Tabellenlage: keine Panik, kein âAll-inâ ohne Absicherung.
Leitartikel
Saudi-Arabien ist kein Team, das man nur ĂŒber Stars oder Schlagzeilen erklĂ€ren kann. Es ist eine Mannschaft, die sich in Ergebnissen ausdrĂŒckt: 0:0 als Werkzeug, 1:0 als Lebensversicherung, 2:0 als Idealzustand. Das ist nicht spektakulĂ€r, aber es ist seriös â und in einer WM-Gruppe kann SeriositĂ€t mehr wert sein als jedes hĂŒbsche Narrativ. Wer Saudi-Arabien unterschĂ€tzt, merkt oft erst spĂ€t, dass das Spiel lĂ€ngst in der saudischen Komfortzone gelandet ist.
Gleichzeitig ist genau dort die Gefahr versteckt. Wenn du dich daran gewöhnst, dass alles knapp ist, reicht ein einziges Spiel, das dir entgleitet, um einen ganzen Plan zu zerreiĂen. Das 0:2 in Indonesien am 19. November 2024 ist dafĂŒr das warnende Beispiel: kein eigenes Tor, zwei Gegentreffer, und plötzlich sieht StabilitĂ€t aus wie Stillstand. FĂŒr die WM heiĂt das: Saudi-Arabien muss seine Kontrolle aktiv spielen â nicht nur erleiden. Denn wer nur verwaltet, wird irgendwann verwaltet.
Am Ende bleibt das Bild einer Auswahl, die gelernt hat, Spiele zu ĂŒberleben â und manchmal auch zu gewinnen, ohne viel LĂ€rm. Aber die WM ist ein Turnier der Details. Wenn Saudi-Arabien die Lektion aus Jakarta mitnimmt, dann nicht als Drama, sondern als Handbuchseite: In einem Spiel, das kippt, brauchst du nicht nur Ordnung, sondern auch einen zweiten Plan. Und der beginnt oft mit einem einfachen, alten FuĂballsatz: Das nĂ€chste Tor ist nicht nur ein Tor â es ist der ganze Abend.