Katar - Grupo B
🇶🇦 Katar, der lange Atem bis Seattle
Von der 8:1-Ekstase zur Playoff-Reife: Katars Quali als Achterbahn mit klarer Lehre
Einführung
Es gibt Qualifikationen, die sich anfühlen wie eine schnurgerade Autobahn. Und es gibt diese Sorte Weg, die eher nach Wüstenpiste aussieht: mal fest, mal rutschig, mal mit einem plötzlichen Schlagloch, das dir die ganze Achse verstellt. Katars Kampagne Richtung Weltmeisterschaft 2026 gehört eindeutig in die zweite Kategorie. Nicht, weil der Kader grundsätzlich zu schwach wäre. Sondern weil die Resultate ein Team zeichnen, das extrem hoch fahren kann – und genauso heftig aus der Kurve getragen wird, wenn die Balance kippt.
Der Auftakt in der zweiten Runde hatte etwas von einer Ansage, die man in Asien nicht überhören konnte: Am 16. November 2023 ein 8:1 gegen Afghanistan, ein Spiel, das früh explodierte und bis in die Nachspielzeit weiter brannte. Tore im Minutentakt, Strafstoß-Klarheit, mehrere Namen auf dem Spielbericht – es war das Bild einer Mannschaft, die in ihrem Rhythmus Gegner zerlegt. Fünf Tage später folgte ein 3:0 in Indien. Zwei Auswärtsspiele, elf Tore, ein dominanter Tonfall: Katar wirkte wie ein Team, das sich über den Ball und über Tempo gleichzeitig definiert.
Doch diese Geschichte ist keine lineare Heldensaga. Sie ist eher ein Protokoll darüber, wie schnell sich Kontrolle in Unruhe verwandeln kann. Schon in der dritten Runde – dort, wo die Luft dünner wird – kamen die Brüche. Der 0:5-Schock in den Vereinigten Arabischen Emiraten am 19. November 2024 war nicht nur eine Niederlage, sondern ein Schnitt: ein Abend, an dem Katar keinen Zugriff fand und das Spiel nach vorne praktisch nicht mehr atmen durfte. Und als wäre das nicht genug, gab es mit dem 0:3 in Usbekistan am 10. Juni 2025 den nächsten Tiefpunkt: wieder auswärts, wieder ohne Tor, wieder ohne das Gegengewicht, das man in engen Qualifikationsspielen braucht.
Wenn man Katars Zahlen über die Runden hinweg nebeneinander legt, entsteht ein präzises Bild. In der zweiten Runde: Platz 1, 16 Punkte aus 6 Spielen, 18:3 Tore, Differenz +15 – das war Souveränität. In der dritten Runde: Platz 4, 13 Punkte aus 10 Spielen, 17:24 Tore, Differenz -7 – das war Instabilität, teils spektakulär, teils schmerzhaft. Und in der vierten Runde, dem kompakten Dreiergruppen-Playoff, steht nach zwei Partien wieder ein kleines Fundament: 4 Punkte aus 2 Spielen, 2:1 Tore, Differenz +1, inklusive eines 2:1 gegen die Emirate als direktes Wiederaufstehen nach früheren Rückschlägen.
Diese Qualifikation hatte mehrere Kipppunkte, und sie tragen konkrete Daten und Ergebnisse. 16. November 2023: das 8:1 als Startsignal. 19. November 2024: das 0:5 als Warnsirene, dass Katars Spiel in manchen Auswärtsszenarien auseinanderfällt. 5. Juni 2025: das 1:0 gegen Iran – ein Sieg, der nicht nur Punkte, sondern auch Glauben zurückbrachte, weil er gegen den stärksten Gegner der Gruppe gelang. Und schließlich 14. Oktober 2025: das 2:1 gegen die Emirate in Runde vier – als Moment, in dem Katar die Erzählung umdreht: nicht mehr Opfer eines Auswärtssturms, sondern Sieger in einem Spiel, das zwingend gewonnen werden musste.
Der Weg durch die Qualifikation
Der asiatische Qualifikationsweg ist ein mehrstufiges System, in dem die Belastung nicht nur über die Spielanzahl kommt, sondern über die Qualitätssprünge von Runde zu Runde. In der dritten Runde – drei Gruppen mit jeweils sechs Teams – gehen die Top zwei direkt zur Weltmeisterschaft. Die Teams auf den Plätzen drei und vier erhalten eine zweite Chance in der vierten Runde: zwei Dreiergruppen im zentralisierten Modus. Dort qualifizieren sich die jeweiligen Gruppensieger direkt, die Zweitplatzierten gehen weiter in eine zusätzliche Entscheidungsschicht. Für Katar bedeutete das: Nach Platz 4 in der dritten Runde war die Tür nicht zu, aber sie ging nur noch über die enge Seitenpforte auf.
Die zweite Runde war für Katar der Bereich, in dem die Mechanik stimmte: Pressing, Tempo, genügend Spielkontrolle, dazu Effizienz. Die Abschlusstabelle ist eindeutig: Katar steht mit 16 Punkten auf Platz 1. 5 Siege, 1 Remis, keine Niederlage, 18 Tore, nur 3 Gegentreffer. Selbst das 0:0 gegen Afghanistan am 6. Juni 2024 sticht eher als Ausrutscher heraus – eine dieser Partien, in denen der Favorit den Gegner nicht knackt, obwohl der Unterschied auf dem Papier groß ist. Entscheidend war: Über sechs Spiele hinweg ließ Katar kaum etwas zu und traf im Schnitt dreimal pro Partie.
Mit dem Übergang in die dritte Runde änderte sich die Statik. Die Gegner wurden härter, das Tempo der Spiele höher, und jede Phase ohne Zugriff wurde sofort bestraft. Katar beendet diese Runde auf Platz 4: 13 Punkte aus 10 Spielen, 4 Siege, 1 Remis, 5 Niederlagen. Die Torbilanz 17:24 sagt mehr als jeder Kommentar: Katar konnte Spiele weiterhin öffnen und Tore schießen, kassierte aber zu viel – und vor allem: die Gegentreffer kamen in Wellen, die Partien zerreißen. In einer Gruppe, in der Iran (23 Punkte) und Usbekistan (21 Punkte) vorneweg marschierten, war jedes Gegentor doppelt teuer, weil die direkten Duelle ohnehin knapp kalkuliert sind.
Die Tabelle der dritten Runde zeigt den Abstand zu den direkten Konkurrenten klar. Die Emirate landen mit 15 Punkten auf Platz 3, Katar mit 13 Punkten dahinter. Zwei Zähler Differenz – das klingt nach einem kleinen Spalt. Aber der Weg dahin war für Katar brutal ungleichmäßig: ein 5:1 gegen Nordkorea am 20. März 2025 als Beweis, dass das Offensivpaket explosiv ist; gleichzeitig ein 0:5 bei den Emiraten am 19. November 2024 als Beweis, dass die Defensive in manchen Spielbildern nicht standhält. Diese Form der Varianz ist in Gruppenphasen tödlich.
Und dann kam Runde vier: kurze Bühne, maximaler Druck. Drei Teams, jeder Punkt ein Goldstück, weil du nicht mehr über zehn Spieltage korrigieren kannst. Katar startet dort am 8. Oktober 2025 mit einem 0:0 gegen Oman – ein Spiel, das nach Zahlen unspektakulär wirkt, aber in einem Dreierformat manchmal genau das ist: ein Sicherheitsanker, der dich im Rennen hält. Sechs Tage später folgt das 2:1 gegen die Emirate. Das ist nicht nur ein Sieg, sondern auch ein mentaler Marker: Katar kann in der entscheidenden Phase ein enges Spiel ziehen, statt daran zu zerbrechen.
Damit man das Gesamtbild sauber einordnen kann, lohnt der Blick auf alle Katar-Spiele, die in den Daten enthalten sind – und auf die Tabellen, in denen sich Katars Weg jeweils abbildet.
Tabelle 1: Katars Spiele in der Qualifikation
| Datum | Runde oder Spieltag | Gegner | Heim Auswärts | Ergebnis | Torschützen | Spielort |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 16. November 2023 | Gruppe A | Afghanistan | Heim | 8:1 | Al-Haidos 11', Ali 15', 26', 33' pen., 45+3' pen., Meshaal 18', Alaaeldin 53' pen., Al-Abdullah 90+4'; Sharifi 13' | Stadion Internacional Jalifa, Rayán |
| 21. November 2023 | Gruppe A | Indien | Auswärts | 0:3 | Meshaal 4', Ali 47', Abdurisag 88' | Stadion Kalinga, Bhubaneshwar |
| 21. März 2024 | Gruppe A | Kuwait | Heim | 3:0 | Afif 47', 68', Al-Rawi 51' | Stadion Jassim bin Hamad, Rayán |
| 26. März 2024 | Gruppe A | Kuwait | Auswärts | 1:2 | Daham 79'; Ali 77', 80' | Stadion Ali Al-Salem Al-Sabah, Al-Farwaniya |
| 6. Juni 2024 | Gruppe A | Afghanistan | Auswärts | 0:0 | Ciudad Deportiva del Príncipe Abdalá bin Jalawi, Al-Hasa | |
| 11. Juni 2024 | Gruppe A | Indien | Heim | 2:1 | Aymen 73', Al-Rawi 85'; Chhangte 37' | Stadion Jassim bin Hamad, Rayán |
| 5. September 2024 | Spieltag 1 | Vereinigte Arabische Emirate | Heim | 1-3 | Al-Hassan 38'; Abdalla 68', Ibrahim 80', Saleh 94' | Stadion Áhmad bin Ali, Rayán |
| 10. September 2024 | Spieltag 2 | Nordkorea | Auswärts | 2-2 | Afif 31' pen., Ali 44'; Ri Il-song 19', Kang Kuk-chol 51' | Nuevo Stadion Nacional, Vientián |
| 10. Oktober 2024 | Spieltag 3 | Kirgisistan | Heim | 3-1 | Ali 39', Kozubaev 63' Eigentor, Al-Hassan 81'; Shukurov 76' | Stadion Al Thumama, Doha |
| 15. Oktober 2024 | Spieltag 4 | Iran | Auswärts | 4-1 | Ali 17'; Azmoun 42', 48', Mohebi 65', 90+8' | Stadion Al-Rashid, Dubái |
| 14. November 2024 | Spieltag 5 | Usbekistan | Heim | 3-2 | Ali 25', 41', Mendes 90+12'; Fayzullaev 75', 80' | Stadion Jassim bin Hamad, Rayán |
| 19. November 2024 | Spieltag 6 | Vereinigte Arabische Emirate | Auswärts | 5-0 | Fábio Lima 4', 45' pen., 45+5', 56' pen., Al-Ghassani 73' | Stadion Al-Nahyan, Abu Dabi |
| 20. März 2025 | Spieltag 7 | Nordkorea | Heim | 5-1 | Afif 17', Al Ganehi 23', Kim Yu-Song 34' Eigentor, Al-Rawi 56', Alaaeldin 66'; Pak Kwang-hun 86' | Stadion Jassim bin Hamad, Rayán |
| 25. März 2025 | Spieltag 8 | Kirgisistan | Auswärts | 3-1 | Lucas Mendes 52'; Kichin 45+1', Mishchenko 82', Shukurov 90+3' | Stadion Dolen Omurzakov, Biskek |
| 5. Juni 2025 | Spieltag 9 | Iran | Heim | 1-0 | Ró-Ró 41' | Stadion Jassim bin Hamad, Rayán |
| 10. Juni 2025 | Spieltag 10 | Usbekistan | Auswärts | 3-0 | ; Turgunboev 28', Shomurodov 86', Sergeev 90+2' | Stadion Milliy, Taskent |
| 8. Oktober 2025 | Vierte Runde | Oman | Auswärts | 0:0 | ||
| 14. Oktober 2025 | Vierte Runde | Vereinigte Arabische Emirate | Heim | 2:1 | Boualem Khoukhi, Ró-Ró; Sultan Adil |
Was springt aus dieser Spiel-Liste heraus? Erstens: Katar kann Gegner überfahren, wenn es einen frühen Rhythmus findet (8:1, 5:1). Zweitens: Die Niederlagen sind häufig nicht knapp, sondern deftig (1:4, 0:5, 0:3, 1:3). Drittens: Es gibt eine klare Heim-Ader: Die großen Stabilitätsmomente sitzen fast alle in Rayán/Doha – 3:0 gegen Kuwait, 3:2 gegen Usbekistan, 1:0 gegen Iran, 2:1 gegen Indien, 2:1 gegen die Emirate in Runde vier. Auswärts dagegen: Punktgewinne ja (3:0 in Indien, 2:2 gegen Nordkorea, 0:0 in Afghanistan, 0:0 in Oman), aber auch die Kontrollverluste.
Jetzt die Tabellen, vollständig und in der Reihenfolge der Daten.
Tabelle 1
| Ronda | Grupo | Pos. | Equipo | Pts. | PJ | G | E | P | GF | GC | Dif. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Segunda | A | 1 | Catar | 16 | 6 | 5 | 1 | 0 | 18 | 3 | +15 |
| Segunda | A | 2 | Kuwait | 7 | 6 | 2 | 1 | 3 | 6 | 6 | 0 |
| Segunda | A | 3 | India | 5 | 6 | 1 | 2 | 3 | 3 | 7 | -4 |
| Segunda | A | 4 | Afganistán | 5 | 6 | 1 | 2 | 3 | 3 | 14 | -11 |
Tabelle 2
| Ronda | Grupo | Pos. | Equipo | Pts. | PJ | G | E | P | GF | GC | Dif. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Tercera | A | 1 | Irán | 23 | 10 | 7 | 2 | 1 | 19 | 8 | +11 |
| Tercera | A | 2 | Uzbekistán | 21 | 10 | 6 | 3 | 1 | 14 | 7 | +7 |
| Tercera | A | 3 | Emiratos Árabes Unidos | 15 | 10 | 4 | 3 | 3 | 15 | 8 | +7 |
| Tercera | A | 4 | Catar | 13 | 10 | 4 | 1 | 5 | 17 | 24 | -7 |
| Tercera | A | 5 | Kirguistán | 8 | 10 | 2 | 2 | 6 | 12 | 18 | -6 |
| Tercera | A | 6 | Corea del Norte | 3 | 10 | 0 | 3 | 7 | 9 | 21 | -12 |
Tabelle 3
| Ronda | Grupo | Pos. | Equipo | Pts. | PJ | G | E | P | GF | GC | Dif. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Cuarta | A | 1 | Catar | 4 | 2 | 1 | 1 | 0 | 2 | 1 | +1 |
| Cuarta | A | 2 | Emiratos Árabes Unidos | 3 | 2 | 1 | 0 | 1 | 3 | 3 | 0 |
| Cuarta | A | 3 | Omán | 1 | 2 | 0 | 1 | 1 | 1 | 2 | -1 |
Aus der dritten Runde lassen sich auch kleine, harte Teilwahrheiten ziehen: Katar hat zehn Spiele, aber nur eines endet unentschieden (2:2 in Nordkorea). Das ist eine Mannschaft, die selten in der neutralen Zone bleibt. Entweder sie kippt den Gegner – oder sie kippt selbst. Dazu kommt: 24 Gegentore in zehn Spielen sind 2,4 pro Partie. Das ist nicht „einmal Pech“, das ist eine strukturelle Baustelle, besonders in Auswärtsspielen gegen Gegner, die schnell nachlegen können.
Ein weiterer Blickwinkel ist die Frage nach Ein-Tor-Spielen und Wendepunkten. Katar gewinnt in der dritten Runde zwei enge Partien daheim (3:2 gegen Usbekistan, 1:0 gegen Iran) und verliert mehrere Spiele deutlich. Das spricht dafür, dass Katar in knappen Heimspielen einen Weg findet, die entscheidende Szene zu erzwingen – aber in offenen, wilden Auswärtsphasen nicht stabil genug ist, um den Schaden zu begrenzen.
In der vierten Runde wird diese Schadensbegrenzung zum Schlüssel. Das 0:0 gegen Oman ist kein Feuerwerk, aber es verhindert, dass man nach einem Spieltag schon im Rückspiegel hängt. Und das 2:1 gegen die Emirate ist die Art Sieg, die Qualifikationen entscheidet: nicht schön, sondern richtig.
Wie sie spielen
Aus den Ergebnissen lässt sich Katars Spielidee ohne Taktik-Fantasie klar umreißen: Dieses Team sucht den Zugriff über Tore, nicht über Verwaltungsfußball. Wenn Katar in Führung kommt und die Partie in seine bevorzugte Dynamik zieht, dann werden Spiele schnell groß. 8:1, 5:1, auch das 3:0 gegen Kuwait – das sind keine Zufallsprodukte. Das sind Resultate, die auf konsequentes Nachgehen, auf wiederholte Abschlüsse und auf eine gewisse Kälte im Strafraum hindeuten. Allein in der zweiten Runde schießt Katar 18 Tore in 6 Spielen, kassiert nur 3 – das ist die Statistik einer Mannschaft, die sowohl vorne zupackt als auch hinten wenig anbrennen lässt, zumindest gegen dieses Gegnerprofil.
Gleichzeitig zeigt die dritte Runde, was passiert, wenn die Partie länger „offen“ bleibt. Katar erzielt dort 17 Treffer in 10 Spielen – das ist nicht wenig. Aber es kassiert 24. Und diese Gegentore kommen häufig in Paketen: 1:4 in Iran, 0:5 in Abu Dhabi, 0:3 in Taschkent, 1:3 daheim gegen die Emirate, 1:3 in Bischkek. Das Muster ist typisch für Teams, die auf Intensität und Umschaltmomente angewiesen sind: Wenn die erste Welle nicht trägt oder wenn der Gegner die Umschaltmomente kontrolliert, wird aus Angriffslust schnell Verwundbarkeit.
Auch das Timing der Tore in den Daten erzählt etwas. In mehreren Spielen fällt Katars erstes Tor früh oder zur Halbzeitnähe (zum Beispiel das 3:0 in Indien mit einem Treffer in Minute 4, das 2:2 gegen Nordkorea mit Toren in 31 und 44). Das wirkt wie ein Team, das gut in Spiele reinkommt und in Phasen Druck aufbauen kann. Aber das Problem liegt im „zweiten Teil“ vieler Partien: gegen Iran kippt es nach der Pause, gegen die Emirate wird es am Ende sogar in eine Demütigung (vier Gegentore bis Minute 56 plus Nachschlag), gegen Kirgisistan fällt die Entscheidung erst spät (82 und 90+3). Katar hat also nicht nur ein Defensivthema, sondern auch ein Management-Thema: Was passiert, wenn das Spiel nicht nach Plan läuft, wenn es lange unentschieden steht, wenn ein Gegentor fällt und die Ordnung wackelt?
Der Blick auf die Torschützen liefert eine weitere Spur: Ali taucht immer wieder als Name auf – als Mehrfachschütze gegen Afghanistan, mit einem Doppelpack in Kuwait, als Torjäger gegen Kirgisistan, als Trefferlieferant gegen Iran und Usbekistan. Afif ist in Schlüsselspielen präsent (Doppelpack gegen Kuwait, Elfmeter und Spieltor gegen Nordkorea, Tor gegen Nordkorea beim 5:1). Das deutet auf ein relativ klares Offensivzentrum hin, aber nicht auf Monokultur: Es gibt auch Beiträge von Al-Rawi, Al-Hassan, Ró-Ró, Lucas Mendes und anderen. Katar kann Tore über mehrere Quellen verteilen – doch in den Spielen, in denen es unter Druck gerät, reicht diese Vielfalt nicht, wenn die Gegentore schneller fallen als die eigenen Abschlüsse.
Eine praktische Übersetzung: Katar wirkt am stärksten, wenn es das Spiel nach vorne beschleunigen darf und dabei nicht permanent in Rückwärtsläufe gezwungen wird. Es wirkt am verwundbarsten, wenn der Gegner Katar in lange Verteidigungsphasen drückt oder wenn das Spiel zu einem offenen Schlagabtausch wird, in dem jede verlorene Aktion sofort einen Gegenstoß nach sich zieht. Das ist kein Urteil über „Mut“ oder „Angst“, sondern eine reine Lesart der Zahlen: 17:24 in Runde drei ist eine Bilanz, die viel Risiko und zu wenig Absicherung spiegelt.
In Runde vier sieht man deshalb eine kleine, aber wichtige Korrektur: 0:0 gegen Oman, 2:1 gegen die Emirate – zwei Spiele, insgesamt nur ein Gegentor. Das ist kein Beweis, dass alles gelöst ist, aber es ist ein Hinweis auf Prioritäten: In kurzen Finalformaten gewinnt nicht die Mannschaft mit dem schönsten Angriff, sondern die, die die Gegentore abwürgt und den einen Moment erzwingt.
Die Gruppe bei der WM
Katars WM-Gruppe ist Gruppe B, und sie hat einen klaren Kontur: ein Auftakt gegen die Schweiz, dann Kanada, dann ein dritter Gegner, der über den UEFA-Playoff-Weg ermittelt wird. Für Katar ist das eine Konstellation, die Spannung verspricht, weil die Spiele sehr unterschiedliche Anforderungen stellen: ein klassischer Eröffnungstest gegen einen europäischen Gegner, ein zweites Spiel gegen den Gastgeber Kanada mit eigener Dynamik, und zum Schluss ein Gegner, der bis kurz vor dem Turnier aus einem Playoff-Prozess hervorgeht.
Wichtig ist die Übersetzung des Platzhalters im dritten Spiel. In den Daten steht „B2 vs. Catar“. Das wird hier nicht als Code stehen bleiben, sondern als klare, verständliche Beschreibung: Rival por definirse, saldrá del play-off UEFA Ruta A: Gales, Bosnia y Herzegovina, Italia o Irlanda del Norte. So wird aus einer Abkürzung ein konkretes Bild: Katar bereitet sich auf ein drittes Gruppenspiel vor, in dem das Profil des Gegners erst später feststeht, die Bandbreite aber eindeutig europäisch und wettkampfhart ist.
Hier die drei Gruppenspiele in Tabellenform.
| Datum | Stadion | Stadt | Gegner |
|---|---|---|---|
| 13. Juni 2026 | Levi's Stadium | San Francisco | Schweiz |
| 18. Juni 2026 | Stadion BC Place | Vancouver | Kanada |
| 24. Juni 2026 | Lumen Field | Seattle | Rival por definirse, saldrá del play-off UEFA Ruta A: Gales, Bosnia y Herzegovina, Italia o Irlanda del Norte. |
Spiel 1: Katar gegen die Schweiz am 13. Juni 2026 in San Francisco. Das ist das Spiel, in dem Katar die Frage beantworten muss, die seine Qualifikation ständig stellt: Kann es ein Spiel über 90 Minuten kontrollieren, ohne dass es auseinanderfliegt? Gegen die Schweiz wird es nicht reichen, nur an guten Minuten zu hängen. Katars beste Blaupause ist dabei nicht das 8:1, sondern eher das 1:0 gegen Iran vom 5. Juni 2025: ein Spiel, in dem ein Moment reicht und die Defensive den Rest „aushält“. Prognose in einfacher Sprache: empate. Weil Katar genug Offensivqualität hat, um zu treffen, aber die Zahlen aus der dritten Runde zeigen, dass es gegen starke Gegner selten komplett sauber bleibt.
Spiel 2: Kanada gegen Katar am 18. Juni 2026 in Vancouver. Dieses Spiel hat eine besondere Textur, weil es gegen einen Gastgeber geht und weil es im Gruppenverlauf oft die Partie ist, die die Richtung vorgibt: entweder du stellst die Füße auf „Weiterkommen“, oder du musst ins dritte Spiel hinein retten. Über Kanada selbst dürfen hier keine Details behauptet werden, die nicht in den Daten stehen. Also bleibt der Fokus auf Katar: Es muss die Auswärts-Komponente aus der Qualifikation ernst nehmen. Katar hat auswärts Punkte geholt, ja – aber auch sehr deutliche Niederlagen kassiert. Genau deshalb ist die Kernaufgabe: Schadensbegrenzung, Geduld, kein offenes Messer. Prognose: empate. Ein Punkt wäre aus Katars Perspektive ein stabiler Baustein, ohne das Risiko zu maximieren.
Spiel 3: Rival por definirse, saldrá del play-off UEFA Ruta A: Gales, Bosnia y Herzegovina, Italia o Irlanda del Norte gegen Katar am 24. Juni 2026 in Seattle. Das kann am Ende ein klassisches „Rechenspiel“-Match werden, aber selbst ohne Tabellenrechnen ist die Logik klar: Drittspiele sind oft Endspiele. Für Katar ist das Spielbild besonders heikel, weil europäische Gegner in der Regel gut darin sind, Fehler zu bestrafen – und genau das war in Runde drei Katars Achillesferse. Gleichzeitig kann Katar in K.o.-ähnlichen Situationen einen späten Punch setzen, das zeigt das 3:2 gegen Usbekistan mit dem Treffer in 90+12 am 14. November 2024. Prognose: gana Rival por definirse, saldrá del play-off UEFA Ruta A: Gales, Bosnia y Herzegovina, Italia o Irlanda del Norte. Nicht, weil Katar chancenlos wäre, sondern weil die Daten nahelegen, dass gegen Top-Gegner die Defensive unter Druck gerät und Katar selten „zu Null“ durchkommt.
Was wären für Katar die praktischen Schlüssel, um in Gruppe B zu bestehen?
- Das erste Spiel nicht verlieren: Ein Start ohne Niederlage nimmt Druck und passt zu Katars Bedarf an Stabilität.
- Gegentore in Serien vermeiden: Die klaren Niederlagen in der Quali kamen, wenn das Spiel nach einem Gegentor kippte.
- Heim-Gefühl erzeugen, auch auswärts: Katars beste Resultate sitzen im eigenen Stadion; auf WM-Bühne muss diese Sicherheit über Abläufe kommen, nicht über Umgebung.
- Späte Phasen managen: Tore in Nachspielzeiten und späte Gegentore tauchen in den Daten auf; die letzten 15 Minuten werden für Katar ein Prüfstein.
Leitartikel
Katar ist in dieser Qualifikation kein Rätsel, sondern eine klare Figur: ein Team, das Fußball spielen will, das Tore machen kann, das Spiele anzünden kann. Aber es ist auch ein Team, das zu oft so spielt, als würde jede Partie von selbst in seine Richtung kippen. Das tut sie nicht. Nicht in Asien, nicht in einer WM-Gruppe, nicht gegen Gegner, die Fehler als Einladung verstehen. Katars Qualität ist sichtbar, die Fragilität auch – und beides ist eng miteinander verbunden.
Die gute Nachricht für Katar: Man muss nicht „alles“ ändern, um konkurrenzfähig zu sein. Man muss das Extreme aus dem Spiel nehmen. Weniger Achterbahn, mehr Handlauf. Die vierte Runde mit 0:0 gegen Oman und 2:1 gegen die Emirate ist ein kleiner Hinweis, dass Katar genau das verstanden hat: Erst die Null in Reichweite halten, dann das eigene Tor finden. Es ist nicht romantisch, aber es ist WM-tauglich.
Und am Ende bleibt eine Warnung, die man nicht philosophisch formulieren muss, weil sie ein Datum und ein Ergebnis hat: 19. November 2024, Emirate gegen Katar 5:0. Solche Abende sind in einem WM-Gruppenspiel nicht nur eine Niederlage, sie sind ein Turnierbruch. Wenn Katar verhindern will, dass eine gute Offensive in einem schlechten 15-Minuten-Fenster ertrinkt, muss es die Partie lesen können, wenn sie kippt: tiefer stehen, das Risiko dosieren, das nächste Gegentor verhindern. Das klingt simpel – ist aber die Grenze zwischen „spannend dabei“ und „wirklich im Rennen“.
Katar hat in dieser Kampagne gezeigt, dass es die großen Zahlen kann. Jetzt muss es zeigen, dass es die kleinen Details kann. In San Francisco, Vancouver und Seattle wird nicht die Lautstärke zählen, sondern die Stabilität zwischen zwei Szenen.