Iran - Grupo G
đźđ· Irans Marsch nach Nordamerika: kĂŒhl im Kopf, scharf im Strafraum, bereit fĂŒr die groĂe BĂŒhne đ
Ein Team, das selten glĂ€nzt, aber fast immer gewinnt â und damit im richtigen Moment gefĂ€hrlich wird.
EinfĂŒhrung
Es gibt Nationalteams, die erzĂ€hlen ihre Geschichte mit Feuerwerk. Und es gibt Iran: eine Auswahl, die eher mit dem trockenen Klang eines prĂ€zisen Abschlusses berichtet, mit der Ruhe eines 0:0, das sich wie Kontrolle anfĂŒhlt, und mit einer Art praktischer HĂ€rte, die in Qualifikationen Gold wert ist. Wenn andere Mannschaften den Ballbesitz feiern, feiert Iran oft den nĂ€chsten sauberen Ăbergang in den Strafraum.
Der rote Faden dieser Kampagne ist kein romantischer â er ist effizient. Iran hat sich nicht durch ein einziges episches Spiel definiert, sondern durch eine Serie von Abenden, an denen die Dinge âeinfach passierenâ: frĂŒhe FĂŒhrung, stabile Ordnung, ein paar Nadelstiche, und am Ende steht wieder eine Zeile, die in der Tabelle schwer wiegt. Genau diese Art von FuĂball trĂ€gt Auswahlteams weit, weil sie nicht auf Tagesform allein angewiesen ist.
Die Zahlen aus den Qualifikationsrunden geben dem GefĂŒhl eine klare Kontur: In der dritten Runde der AFC-Qualifikation steht Iran mit 23 Punkten aus 10 Spielen da, bei 19:8 Toren und einer Differenz von +11. Das liest sich wie eine Mannschaft, die selten aus der Balance gerĂ€t â und wenn doch, dann nur kurz. In der zweiten Runde war das Bild Ă€hnlich: 14 Punkte, ungeschlagen, 16:4 Tore, +12. Zwei Phasen, ein Muster: wenig zulassen, vorne genug machen.
Und es gibt diese Scharniermomente, die eine Kampagne in Erinnerung behalten. Am 16. November 2023 beginnt alles mit einem klaren 4:0 gegen Hong Kong in Teheran â ein Spiel, das nicht nur Punkte bringt, sondern Ton und Anspruch setzt. Am 21. November 2023 folgt in Taschkent das 2:2 gegen Usbekistan, ein AuswĂ€rtsspiel, das zeigt: Iran kann auch dann bestehen, wenn der Gegner mitgeht und zurĂŒckschlĂ€gt. Und am 25. MĂ€rz 2025 steht in Teheran wieder ein 2:2 gegen Usbekistan â zweimal gefĂŒhrt, zweimal beantwortet, am Ende ein Ergebnis, das eher nach Charakter als nach Zufall riecht. Dazwischen liegt ein ganzer Korridor aus Pflichtsiegen, knappen AuswĂ€rtsspielen und einer HeimstĂ€rke, die als Fundament taugt.
Wer Iran in dieser Phase beobachtet, sieht keine Mannschaft, die alles dominiert. Man sieht eine, die fast immer den Teil des Spiels gewinnt, der am meisten zÀhlt: das Ergebnis.
Der Weg durch die Qualifikation
Der Weg ĂŒber Asien ist lang, verschachtelt und gnadenlos fĂŒr Teams, die sich auf âirgendwann wird es schon laufenâ verlassen. In der AFC-Qualifikation zur FIFA-Weltmeisterschaft 2026 gibt es mehrere Runden: In der dritten Runde werden 18 Teams in drei Sechsergruppen eingeteilt; die jeweils ersten zwei Teams jeder Gruppe qualifizieren sich direkt fĂŒr die Endrunde. Die Dritt- und Viertplatzierten gehen in eine vierte Runde, in der in zwei Dreiergruppen weitere Tickets ausgespielt werden; danach folgt noch eine fĂŒnfte Runde, die den AFC-Teilnehmer fĂŒr das interkontinentale Play-off-Turnier bestimmt. FĂŒr Iran war das Entscheidende: in der dritten Runde unter die Top 2 zu kommen â und genau das haben sie mit einer Mischung aus HeimautoritĂ€t und AuswĂ€rtspragmatismus erledigt.
Bevor die dritte Runde beginnt, setzt die zweite Runde den Rahmen: Gruppe E, sechs Spiele, eine klare Hierarchie. Iran und Usbekistan marschieren vorneweg, beide ungeschlagen mit jeweils 14 Punkten â der Unterschied liegt in den Details, und Iran hat die Nase vorn (16:4 Tore gegenĂŒber 13:4). Das ist typisch: Die Defensive steht bei beiden, Iran findet vorne ein paar Treffer mehr.
In dieser zweiten Runde gibt es Spiele, die als Blaupause dienen. Das 4:0 gegen Hong Kong am 16. November 2023: zwei frĂŒhe Treffer von Azmoun (12â, 15â) â Iran zwingt den Gegner sofort in eine Rolle, aus der es kaum zurĂŒck gibt. Das 5:0 gegen Turkmenistan am 21. MĂ€rz 2024 ist ein weiterer Beleg fĂŒr die FĂ€higkeit, Heimspiele zu âschlieĂenâ, bevor sie gefĂ€hrlich werden. Und das 0:0 gegen Usbekistan am 11. Juni 2024 ist das andere Gesicht: kein Spektakel, aber auch kein Risiko. Ein Punkt, der die TĂŒr offen lĂ€sst â und eine Null, die signalisiert, dass Iran nicht zwingend viele Chancen braucht, um ein Spiel zu âgewinnenâ, weil er es notfalls nicht verliert.
Die dritte Runde ist dann die Etappe, in der sich Qualifikation oder Umweg entscheidet. Gruppe A: Iran, Usbekistan, Vereinigte Arabische Emirate, Katar, Kirgisistan, Nordkorea. Zehn Spieltage, und Iran liefert 7 Siege, 2 Remis, 1 Niederlage. Die Statistik 19:8 Tore wirkt dabei fast wie ein Leistungsprofil: offensiv genug, defensiv robust. Und wenn man genauer hinsieht, erkennt man das Muster in den Ergebnissen: mehrere knappe Siege (1:0, 0:1, 2:3), zwei Remis gegen den Hauptkonkurrenten, und nur ein Ausrutscher â das 0:1 in Katar am 5. Juni 2025.
Wichtig ist auch die Tabellenperspektive: Iran beendet die dritte Runde als Erster mit 23 Punkten, Usbekistan folgt mit 21. Das ist kein Komfortpolster, das ist ein Rennen, in dem jeder AuswĂ€rtspunkt zĂ€hlt. Hinter den beiden klafft eine LĂŒcke: Die Emirate bei 15 Punkten, Katar bei 13. Das zeigt: Die Gruppe war oben zweigeteilt. Iran hat sich nicht durch ein einziges Statement abgesetzt, sondern durch konstantes Sammeln â und durch die FĂ€higkeit, direkte Duelle nicht zu verlieren.
Die Heimspiele sind der sichere Hafen dieser Kampagne. 1:0 gegen Kirgisistan, 4:1 gegen Katar, 2:0 gegen die Emirate, 3:0 gegen Nordkorea â und das 2:2 gegen Usbekistan. Man kann darĂŒber streiten, ob das 2:2 ein âverpasstes Heimspielâ war. Aus Leistungssicht vielleicht. Aus Qualifikationssicht ist es ein Punkt gegen den direkten Rivalen, der das Risiko minimiert. Genau diese AbwĂ€gung macht Iran in dieser Kampagne immer wieder: lieber die TĂŒr geschlossen halten, als sie fĂŒr das zweite Tor zu weit aufreiĂen.
AuswĂ€rts ist Iran nicht glamourös, aber effizient: 0:1 in den Emiraten, 2:3 in Nordkorea, 2:3 in Kirgisistan. Das sind Spiele, die kippen können â wegen Bedingungen, Reise, Dynamik, Heimdruck. Iran kippt sie in seine Richtung. Das spricht weniger fĂŒr eine permanente Dominanz, sondern fĂŒr eine Mannschaft, die in âschmutzigenâ Spielsituationen Lösungen hat: Standards, Momente, individuelle QualitĂ€t im Abschluss.
Und dann sind da die Gegnerprofile, die Iran in dieser Gruppe ausbalancieren muss. Gegen Nordkorea fallen fĂŒnf Gegentore in zwei Spielen (2:3 auswĂ€rts, 3:0 zuhause â aber inklusive eines Eigentors von Taremi im AuswĂ€rtsspiel). Gegen Katar gibt es die extreme Streuung: 4:1 zuhause, 0:1 auswĂ€rts. Das ist ein deutlicher Hinweis darauf, dass Iran durchaus Spiele hat, in denen ein einziger Moment â eine Unachtsamkeit, ein verlorener Zweikampf in einer Zone â den Unterschied macht. Gerade deshalb ist die Kampagne stark: Weil die Punkteausbeute auch dann hoch bleibt, wenn nicht alles glatt lĂ€uft.
Tore sind in dieser Datenlage nicht nur Zahlen, sondern ein Fingerabdruck. In der zweiten Runde verteilt Iran die Treffer auf Azmoun, Taremi, Rezaeian, Kanaani, Mohebi, Noorafkan, Ghayedi â ein Hinweis auf VariabilitĂ€t. In der dritten Runde tragen wieder Taremi, Azmoun, Mohebi und Ghayedi viele Momente â aber auch Namen wie Hardani, Hosseinzadeh tauchen auf. Das wirkt nach einem Team, das sein Spiel nicht ausschlieĂlich an einem einzigen AbschlusskĂŒnstler aufhĂ€ngt, sondern mehrere Wege hat, Spiele zu entscheiden.
Tabelle 1: Irans Spiele in den Qualifikationsrunden
| Datum | Runde oder Spieltag | Gegner | Bedingung | Ergebnis | TorschĂŒtzen | Spielort |
|---|---|---|---|---|---|---|
| 16. November 2023 | Runde 2 Gruppe E | Hong Kong | Heim | 4:0 | Azmoun 12â, 15â; Taremi 87â; Rezaeian 90+2â | Stadion Azadi, TeherĂĄn |
| 21. November 2023 | Runde 2 Gruppe E | Usbekistan | AuswĂ€rts | 2:2 | Rezaeian 14â; Taremi 38â | Stadion Milliy, Taskent |
| 21. MĂ€rz 2024 | Runde 2 Gruppe E | Turkmenistan | Heim | 5:0 | Kanaani 10â, 48â; Azmoun 13â; Mohebi 56â; Noorafkan 90+2â | Stadion Azadi, TeherĂĄn |
| 26. MĂ€rz 2024 | Runde 2 Gruppe E | Turkmenistan | AuswĂ€rts | 0:1 | Ghayedi 45+5â | Stadion Ashgabat, Asjabad |
| 6. Juni 2024 | Runde 2 Gruppe E | Hong Kong | AuswĂ€rts | 2:4 | Taremi 12â pen., 34â pen., 56â; Azmoun 65â | Stadion Hong Kong, Hong Kong |
| 11. Juni 2024 | Runde 2 Gruppe E | Usbekistan | Heim | 0:0 | Stadion Azadi, TeherĂĄn | |
| 5. September 2024 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 1 | Kirgisistan | Heim | 1-0 | Taremi 34â | Stadion Foolad Shahr, IsfahĂĄn |
| 10. September 2024 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 2 | Vereinigte Arabische Emirate | AuswĂ€rts | 0-1 | Ghayedi 45+3â | Stadion Hazza bin Zayed, Al Ain |
| 10. Oktober 2024 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 3 | Usbekistan | AuswÀrts | 0-0 | Stadion Milliy, Taskent | |
| 15. Oktober 2024 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 4 | Katar | Heim | 4-1 | Azmoun 42â, 48â; Mohebi 65â, 90+8â | Stadion Al-Rashid, DubĂĄi |
| 14. November 2024 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 5 | Nordkorea | AuswĂ€rts | 2-3 | Ghayedi 29â; Mohebi 41â, 45â | Nuevo Stadion Nacional, VientiĂĄn |
| 19. November 2024 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 6 | Kirgisistan | AuswĂ€rts | 2-3 | Taremi 12â; Hardani 33â; Azmoun 76â | Stadion Dolen Omurzakov, Biskek |
| 20. MĂ€rz 2025 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 7 | Vereinigte Arabische Emirate | Heim | 2-0 | Azmoun 45+27â; Mohebi 70â | Stadion Azadi, TeherĂĄn |
| 25. MĂ€rz 2025 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 8 | Usbekistan | Heim | 2-2 | Taremi 52â, 83â | Stadion Azadi, TeherĂĄn |
| 5. Juni 2025 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 9 | Katar | AuswÀrts | 1-0 | Stadion Jassim bin Hamad, Rayån | |
| 10. Juni 2025 | Runde 3 Gruppe A Spieltag 10 | Nordkorea | Heim | 3-0 | Mohebi 74â; Taremi 77â; Hosseinzadeh 90+3â | Stadion Azadi, TeherĂĄn |
Tabelle 2: Tabellenstand Runde 2 Gruppe E
| Pos. | Team | Pkt. | Sp. | S | U | N | Tore | Gegentore | Diff. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Iran | 14 | 6 | 4 | 2 | 0 | 16 | 4 | +12 |
| 2 | Usbekistan | 14 | 6 | 4 | 2 | 0 | 13 | 4 | +9 |
| 3 | Turkmenistan | 2 | 6 | 0 | 2 | 4 | 4 | 14 | -10 |
| 4 | Hong Kong | 2 | 6 | 0 | 2 | 4 | 4 | 15 | -11 |
Tabelle 3: Tabellenstand Runde 3 Gruppe A
| Pos. | Team | Pkt. | Sp. | S | U | N | Tore | Gegentore | Diff. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 1 | Iran | 23 | 10 | 7 | 2 | 1 | 19 | 8 | +11 |
| 2 | Usbekistan | 21 | 10 | 6 | 3 | 1 | 14 | 7 | +7 |
| 3 | Vereinigte Arabische Emirate | 15 | 10 | 4 | 3 | 3 | 15 | 8 | +7 |
| 4 | Katar | 13 | 10 | 4 | 1 | 5 | 17 | 24 | -7 |
| 5 | Kirgisistan | 8 | 10 | 2 | 2 | 6 | 12 | 18 | -6 |
| 6 | Nordkorea | 3 | 10 | 0 | 3 | 7 | 9 | 21 | -12 |
Wie sie spielen
Aus dieser Datenspur lĂ€sst sich Irans Spielidee nicht als starres System beschreiben, aber als klare PrioritĂ€tenliste. Erste PrioritĂ€t: StabilitĂ€t. 8 Gegentore in 10 Spielen der dritten Runde sind ein Wert, der in einer Gruppe mit Reisestrapazen und unterschiedlichen Spielrhythmen sehr viel ĂŒber Struktur aussagt. Und: Iran kann Spiele âaus der Nullâ heraus denken. Das 0:0 auswĂ€rts in Usbekistan (10. Oktober 2024) und das 0:0 zuhause in der zweiten Runde (11. Juni 2024) sind keine UnfĂ€lle, sondern Resultate, die man eher bei Teams findet, die den Punkt als taktische WĂ€hrung akzeptieren.
Zweite PrioritĂ€t: der kleine Vorsprung. Iran gewann in der dritten Runde zwei Spiele mit 1:0 (gegen Kirgisistan, bei den Emiraten) â und auch das sind Aussagen. Ein 1:0 ist im Nationalteam-FuĂball kein Makel, sondern oft ein QualitĂ€tsmerkmal: Es bedeutet, dass du ohne viele Wiederholungen im Angriff trotzdem eine Lösung findest und hinten nicht auseinanderfĂ€llst. Diese Mannschaft wirkt so, als könne sie sich in einem engen Spiel wohler fĂŒhlen als der Gegner.
Dritte PrioritĂ€t: Punch in Phasen. Schau auf die hohen Siege: 4:1 gegen Katar (15. Oktober 2024) und 3:0 gegen Nordkorea (10. Juni 2025) in der dritten Runde; dazu 5:0 gegen Turkmenistan und 4:0 gegen Hong Kong in der zweiten Runde. Das sind nicht nur âerwartbareâ Siege gegen schwĂ€chere Gegner, sondern auch Belege dafĂŒr, dass Iran, wenn er erst in FĂŒhrung ist, nicht zwingend in PassivitĂ€t kippt, sondern nachlegen kann. Vor allem zuhause entsteht daraus eine Dynamik: Wenn der Gegner einmal wankt, kommt Iran in Serien.
Die Torverteilung stĂŒtzt den Eindruck einer Mischung aus klaren Bezugspunkten und hilfreicher Breite. Taremi taucht als entscheidender Name immer wieder auf: 1:0 gegen Kirgisistan, zwei Tore beim 2:2 gegen Usbekistan, zudem Doppeltreffer inklusive Elfmeter gegen Hong Kong. Azmoun liefert ebenfalls wiederholt Mehrfachtreffer (unter anderem zwei Tore gegen Katar; zwei frĂŒhe Treffer gegen Hong Kong; ein Tor gegen Kirgisistan auswĂ€rts im 2:3). Mohebi ist der dritte Pfeiler, mit Treffern in Spielen, die entweder âabgeschlossenâ werden mussten (3:0 gegen Nordkorea) oder in denen ein zweites Tor die Kontrolle sichert (2:0 gegen die Emirate). Das bedeutet: Iran ist nicht einseitig, aber er hat klare Entscheidungsfiguren.
Und dann sind da die Sollbruchstellen, die ebenfalls aus den Ergebnissen sprechen. Iran kassierte in der dritten Runde insgesamt nur eine Niederlage, aber sie fĂ€llt in Katar (0:1). Das ist ein klassisches Warnsignal: Spiele, in denen das erste Tor nicht fĂ€llt, können kippen â weil Iran weniger oft als andere Teams mit einer âWir schieĂen garantiert dreiâ-MentalitĂ€t spielt. Dazu kommt die AuswĂ€rtsfahrt nach Nordkorea (2:3), ein Spiel, in dem Iran drei Tore erzielt und trotzdem wackelt. Das zeigt: Wenn das Spiel offener wird, wenn es zu mehr Umschaltmomenten kommt und der Gegner öfter in den Strafraum gelangt, ist Iran nicht unverwundbar. Seine gröĂte StĂ€rke ist die Kontrolle des Rahmens â nicht zwingend das Gewinnen eines chaotischen Schlagabtauschs.
In Summe wirkt Irans Profil wie ein Turnierprofil: wenige Gegentore, genug SiegermentalitĂ€t in knappen Spielen, und zuhause die FĂ€higkeit, einen Gegner auch deutlich zu schlagen. Genau das macht eine Mannschaft in einer WM-Gruppe unangenehm: Man weiĂ, dass man Chancen braucht â aber nicht, wie viele.
Die Gruppe bei der WM
Die Gruppenphase der Weltmeisterschaft bringt Iran in Gruppe G â und das ist eine Konstellation, die sich wie ein Test auf mehreren Ebenen liest: erst ein Spiel, in dem Iran als Favorit in die Verantwortung muss, dann ein Duell, das nach hoher IntensitĂ€t riecht, und am Ende ein Spiel, das je nach Tabellenlage entweder ein Endspiel oder ein taktisches Schachmatch werden kann.
Der Auftakt ist am 15. Juni 2026 im SoFi Stadium in Los Angeles gegen Neuseeland. Das ist so ein Spiel, das fĂŒr Iran gefĂ€hrlich wird, wenn man es wie einen Routineabend behandelt. Denn genau dort â in der Erwartungshaltung â passieren die kleinen Fehler: zu frĂŒhe Ungeduld, zu viel Risiko, ein Konter. Gleichzeitig ist es ein Match, das Irans Qualifikationsprofil eigentlich bevorzugt: Struktur, Kontrolle, und irgendwann ein Tor. Iran hat in den Qualifikationen gezeigt, dass ein 1:0 oder 2:0 fĂŒr ihn kein Problem ist, solange die Null steht.
Am 21. Juni 2026, wieder im SoFi Stadium, wartet Belgien. FĂŒr Iran ist das das Spiel, in dem die eigene Effizienz wirklich auf Weltklasseniveau geprĂŒft wird. Die interessanteste Frage ist dabei nicht âwie viel Ballbesitzâ, sondern: Wie gut hĂ€lt Iran das Spiel in einem Bereich, in dem ein Gegentor nicht automatisch den Plan zerstört? Die Qualifikationsdaten geben zumindest einen Ansatz: Iran kann mit Remis leben und hat gegen den stĂ€rksten Gruppengegner der Qualifikation, Usbekistan, mehrfach nicht verloren (0:0, 2:2). Das ist eine Erfahrung, die gegen Belgien nicht gleichwertig ist, aber psychologisch Ă€hnlich: Du musst die Phasen ĂŒberstehen, in denen der Gegner Druck macht, ohne selbst zu zerfallen.
Der Abschluss ist am 26. Juni 2026 im Lumen Field in Seattle gegen Ăgypten. Dieses Spiel hat das Potential, ein Rechenspiel zu werden â oder ein direkter Schlagabtausch um Platz zwei. FĂŒr Iran spricht, dass er in seiner Qualifikation mehrere Partien hatte, in denen spĂ€te Tore fielen (zum Beispiel Mohebi 90+8â gegen Katar; Hosseinzadeh 90+3â gegen Nordkorea). Das ist ein Turnier-Skill: nicht nur âgut startenâ, sondern auch âdranbleibenâ, bis die letzte Minute noch etwas hergibt.
Die drei Spielorte geben dem Ganzen zudem einen kleinen Dreh: zweimal Los Angeles, einmal Seattle. Das ist kein Detail fĂŒr Reisefans, sondern fĂŒr Rhythmus: zwei Spiele im gleichen Stadion können helfen, Routine zu bauen. Und dann ein Ortswechsel zum Finale â was immer ein Test fĂŒr Konzentration und Energie ist. Iran hat in der Qualifikation bewiesen, dass AuswĂ€rtsreisen ihn nicht brechen; aber eine WM-Endphase ist eine andere Belastungsskala.
Tabelle: Irans drei Gruppenspiele
| Datum | Stadion | Stadt | Gegner |
|---|---|---|---|
| 15. Juni 2026 | SoFi Stadium | Los Angeles | Neuseeland |
| 21. Juni 2026 | SoFi Stadium | Los Angeles | Belgien |
| 26. Juni 2026 | Lumen Field | Seattle | Ăgypten |
Spiel fĂŒr Spiel, mit einem bodenstĂ€ndigen Tipp â ohne Orakel, nur mit dem, was Irans Zahlen hergeben:
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Iran gegen Neuseeland Das ist ein Spiel, in dem Iran die Rolle ĂŒbernehmen muss: geduldig bleiben, keine Geschenke machen, die Defensive nicht auflösen, nur weil das erste Tor nicht sofort fĂ€llt. Wenn Iran in FĂŒhrung geht, kann er solche Partien sehr gut verwalten, oft sogar ausbauen. Prognose: gana IrĂĄn.
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Belgien gegen Iran Hier zĂ€hlt Irans FĂ€higkeit, in engen SpielstĂ€nden ruhig zu bleiben. Ein frĂŒhes Gegentor wĂ€re eine echte PrĂŒfung, weil Iran in den Daten eher selten âhinterherlaufenâ muss. Der beste Pfad ist ein Spiel, das lange offen bleibt â und in dem Iran seine Momente findet. Prognose: empate.
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Ăgypten gegen Iran Ein letztes Gruppenspiel ist hĂ€ufig weniger âschönâ als ânotwendigâ. Iran hat in der Qualifikation gezeigt, dass er unter Druck trotzdem treffen kann und dass er nicht zwingend viele Chancen braucht. Gleichzeitig ist es die Sorte Match, die kippt, wenn man zu viel will. Prognose: empate.
SchlĂŒssel zur Qualifikation, auf Irans Art â konkret und ohne Nebel:
- Die Null als Kompass: Wenn Iran in der Gruppe weniger als zwei Gegentore in den ersten zwei Spielen kassiert, bleibt alles im eigenen Drehbuch.
- Nicht vom ersten RĂŒckschlag entkoppeln: Die Qualifikation hatte kaum Niederlagen â ein WM-Spiel kann schneller kippen. Dann zĂ€hlt, ruhig zu bleiben.
- HeimgefĂŒhl im SoFi nutzen: Zwei Spiele am selben Ort sind eine Chance, AblĂ€ufe zu stabilisieren.
- Die knappen Spiele lieben: Iran hat mehrfach bewiesen, dass 1:0 und 2:1 keine âZitterspieleâ, sondern kontrollierte Ergebnisse sein können.
- Torgefahr aus mehreren Quellen: Wenn nicht nur ein Name trifft, sondern auch zweite Reihen (wie in der Qualifikation), steigt die Robustheit im Turnier.
Leitartikel
Iran ist nicht die Mannschaft, die man wegen ihrer Ăsthetik mit einem Textmarker anstreicht. Iran ist die Mannschaft, die man nach der Gruppenphase plötzlich im Achtelfinale wiederfindet und sich fragt, warum man eigentlich ĂŒberrascht ist. Die Qualifikation erzĂ€hlt das ohne Pathos: 23 Punkte aus 10 Spielen in der dritten Runde, 19:8 Tore, und ein Profil, das auf Turnierlogik geeicht ist. Das ist nicht âkleinâ, das ist professionell.
Aber genau darin liegt auch die Gefahr: Wenn du so stark ĂŒber StabilitĂ€t kommst, musst du im entscheidenden Moment den Mut behalten, das zweite Tor zu suchen, statt nur das erste zu schĂŒtzen. Iran kann Spiele verwalten â und er kann Spiele klar gewinnen â doch er hat auch gezeigt, dass ein einzelner AuswĂ€rtsmoment wie in Katar am 5. Juni 2025 (0:1) reicht, um die ganze ErzĂ€hlung zu drehen. Auf einer WM-BĂŒhne sind solche Momente keine Warnschilder mehr, sie sind Endergebnisse.
Der Schluss bleibt daher nĂŒchtern: Iran hat sich seinen Platz nicht erbettelt, sondern erarbeitet. Wer ihn unterschĂ€tzt, unterschĂ€tzt nicht Talent, sondern Wiederholbarkeit. Und im TurnierfuĂball gewinnt sehr oft genau das. Die eine konkrete Warnung steht trotzdem wie eine FuĂnote mit Ausrufezeichen: Das 0:1 in Katar am 5. Juni 2025 zeigt, wie dĂŒnn die Linie wird, wenn das Spiel nicht in Irans Rhythmus fĂ€llt. In Gruppe G wird es mindestens einmal genau um diese Linie gehen.