Haiti - Grupo C

HaitĂ­  Grenadiers im Sturm, das Ticket im Blick

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Haití hat sich mit Mut, Torhunger und NervenstÀrke durch die Runden gearbeitet und geht mit einem klaren Profil in eine WM-Gruppe, die keine Schonfrist kennt.

EinfĂŒhrung

Es gibt Nationalteams, die ihre Geschichte wie eine alte Fahne tragen: mit Flicken, mit Narben, aber auch mit einer Sturheit, die man nicht verhandeln kann. HaitĂ­ gehört dazu. Diese Mannschaft tritt nicht an, um dekorativ mitzuspielen. Sie tritt an, um zu ĂŒberleben, um RĂ€ume zu stehlen, um Spiele in Phasen zu zerlegen — und am Ende doch wieder im richtigen Moment zuzuschlagen.

Der Weg dorthin ist kein gerader Boulevard. Er fĂŒhlt sich eher an wie eine Serie kurzer, intensiver Etappen: mal ein Spiel, das sich frĂŒh öffnet, mal ein Abend, an dem der Ball nicht rein will, und dann wieder ein RĂŒckschlag, der alles infrage stellt. HaitĂ­ hat in diesen Qualifikationsfenstern beides erlebt: den Rausch der deutlichen AuswĂ€rtssiege und die KĂ€lte einer Niederlage, die den Puls des Projekts kurz einfriert.

Und trotzdem: Die Zahlen erzĂ€hlen eine Mannschaft, die gelernt hat, zu sammeln statt zu glĂ€nzen — ohne das GlĂ€nzen ganz zu verlieren. In der dritten Runde der Gruppe C steht HaitĂ­ mit 11 Punkten aus 6 Spielen oben: 3 Siege, 2 Remis, 1 Niederlage, dazu 9:6 Tore und eine Tordifferenz von +3. Das ist kein perfektes GemĂ€lde, aber ein sehr brauchbares Profil: schwer zu schlagen, in vielen Spielphasen stabil, vorne immer fĂŒr ein Tor gut.

Die zweite Runde war der Auftakt mit Tempo. Zwei Spiele im Juni 2024 wirken wie ein Startschuss: am 6. Juni 2024 ein 2:1 gegen Santa LucĂ­a in Bridgetown, drei Tage spĂ€ter ein 3:1-AuswĂ€rtssieg gegen Barbados, ebenfalls in Bridgetown. HaitĂ­ traf nicht nur, HaitĂ­ verteilte Treffer: Duverne, Nazon, Louicius, Lacroix, Labissiere — Namen, die in kurzen Fenstern schnell zu Markierungen werden.

Dann kam im Juni 2025 die Phase, in der sich alles beschleunigte. Am 7. Juni 2025 gewann HaitĂ­ 5:0 bei Aruba in Oranjestad — eine dieser Partien, die wie ein Testlauf fĂŒr SelbstverstĂ€ndnis wirken. Nur drei Tage spĂ€ter allerdings der harte Kontrast: am 10. Juni 2025 verlor HaitĂ­ 1:5 gegen Curazao. In vier Tagen vom Rausch zur RealitĂ€t: das ist Qualifikation in der Karibik und Mittelamerika, roh und ohne Filter.

In der dritten Runde schrieb HaitĂ­ seine wichtigsten Kapitel ĂŒber Widerstand und PrĂ€zision. Am 5. September 2025 ein 0:0 gegen Honduras in Willemstad: zĂ€h, kontrolliert, ein Spiel, das man nicht gewinnt, aber auch nicht verlieren darf. Am 9. September 2025 dann das 3:3 in San JosĂ© gegen Costa Rica: ein Schlagabtausch, in dem Duckens Nazon gleich dreifach traf und HaitĂ­ sich selbst bewies, dass es auch im offenen Spiel bestehen kann. SpĂ€ter folgte der nĂ€chste Kipppunkt: am 13. Oktober 2025 das 0:3 in Tegucigalpa gegen Honduras — ein Schnitt ins Momentum. HaitĂ­ reagierte wie ein Team, das nicht in Selbstmitleid ertrinkt: 1:0 gegen Costa Rica am 13. November 2025 und 2:0 gegen Nicaragua am 18. November 2025, beide Male in Willemstad. Zwei Siege, sechs Punkte, keine Gegentore: das ist die Art von Antwort, die TabellenplĂ€tze rettet.

Der Weg durch die Qualifikation

CONCACAF-Qualifikation ist in dieser ErzĂ€hlung weniger ein Marathon als ein System aus Stufen, in denen jeder Ausrutscher den Boden unter den FĂŒĂŸen verschiebt. FĂŒr HaitĂ­ lĂ€sst sich der Weg klar entlang der vorliegenden Daten lesen: eine zweite Runde in Gruppe C, danach eine dritte Runde in Gruppe C — und in beiden Phasen ein Team, das seine Bilanz mit Toren, aber auch mit Ergebnissinn gebaut hat.

Die zweite Runde war, nĂŒchtern betrachtet, ein solider Job mit einem schmerzhaften Ausrutscher zum falschen Zeitpunkt. In Gruppe C schloss HaitĂ­ mit 9 Punkten aus 4 Spielen ab: 3 Siege, 0 Remis, 1 Niederlage, 11:7 Tore, Differenz +4. Damit wurde HaitĂ­ Zweiter hinter Curazao, das makellos durchging (12 Punkte, 15:2 Tore). Der Abstand war nicht riesig in Punkten, aber deutlich im defensiven Abdruck: HaitĂ­ kassierte 7 Gegentore in 4 Spielen, Curazao nur 2. Genau dort liegt die erste statistische Narbe der Kampagne.

Das GefĂŒhl dieser Runde wurde ĂŒber zwei Extreme definiert. Auf der einen Seite: das 5:0 bei Aruba (7. Juni 2025) — ein Statement, fĂŒnf verschiedene TorschĂŒtzen, ein Spiel, das nach einer Stunde vermutlich nur noch Richtung Ergebnisverwaltung ging. Auf der anderen Seite: das 1:5 gegen Curazao (10. Juni 2025). Ein 1:5 ist nicht einfach eine Niederlage, es ist eine komplette Spielgeschichte gegen dich: Gegentore in Serie, die eigene StabilitĂ€t bricht, und jedes kleine Risiko wird bestraft. Dass HaitĂ­ diese Runde trotzdem als Gruppenzweiter abschloss, spricht fĂŒr die Arbeit in den anderen drei Spielen, aber auch dafĂŒr, wie wichtig klare Siege im System sind.

Die dritte Runde zeigt HaitĂ­ in einem anderen Licht: weniger wild, mehr reif. 11 Punkte aus 6 Spielen bedeuten: HaitĂ­ hat nicht jedes Spiel dominiert, aber in Summe die besten Antworten gefunden. Der Vergleich mit den direkten Verfolgern ist dabei der SchlĂŒssel. Honduras steht mit 9 Punkten knapp dahinter und hat eine identische Tordifferenz von +3, aber eine andere Torstatik (5:2). Costa Rica folgt mit 7 Punkten, dafĂŒr 8:6 Tore und +2. Nicaragua ist mit 4 Punkten und 4:12 Toren deutlich abgerutscht. Diese Zahlen sagen: HaitĂ­ gewinnt nicht, weil es jedes Spiel „kontrolliert“ — HaitĂ­ gewinnt, weil es in mehr Spieltypen Punkte holt: im 0:0, im 1:0, im 3:3, im 3:0 auswĂ€rts.

Ein zweiter Blick auf die dritte Runde zeigt die Kante dieser Mannschaft. In sechs Spielen gab es nur eine Niederlage, aber die war maximal klar: 0:3 in Honduras am 13. Oktober 2025. Das ist wichtig, weil es eine Art Warnschild setzt: Wenn HaitĂ­ in RĂŒckstand gerĂ€t und das Spiel geöffnet wird, kann die Partie wegkippen. Im Gegenzug beweisen die beiden Siege im November 2025 (1:0 gegen Costa Rica, 2:0 gegen Nicaragua) eine andere FĂ€higkeit: das Spiel in die eigene Komfortzone zu ziehen, minimalistisch zu bleiben und trotzdem effizient zu sein.

Was auch auffÀllt: Haití hat in der dritten Runde 9 Tore erzielt und 6 kassiert. Das ist weder ein Offensiv-Orkan noch ein Defensiv-Bollwerk, eher ein Team mit funktionalem Gleichgewicht. Und doch gibt es einen klaren Fokuspunkt: Duckens Nazon. Das 3:3 in San José ist nicht nur ein Remis, es ist eine Visitenkarte: drei Treffer eines Spielers in einem AuswÀrtsspiel gegen einen direkten Gruppenrivalen. Wenn ein Team in dieser Art von Qualifikation einen solchen Abend produziert, verÀndert das die Psychologie der Gruppe.

Damit die Geschichte nicht abstrakt bleibt, folgen die kompletten Spiele von Haití aus den vorliegenden Daten — und danach die kompletten Tabellen der beiden Runden, in exakt der Reihenfolge, in der sie vorliegen.

Tabelle 1: Spiele von HaitĂ­

Datum Runde Gruppe Gegner Heim oder AuswĂ€rts Ergebnis TorschĂŒtzen Stadion Stadt
6. Juni 2024 Zweite Runde C Santa Lucía Heim 2:1 Jean-Kévin Duverne, Duckens Nazon; Caniggia Elva Bridgetown
9. Juni 2024 Zweite Runde C Barbados AuswÀrts 3:1 Deedson Louicius, Markhus Lacroix, Bryan Labissiere; Niall Reid-Stephen Bridgetown
7. Juni 2025 Zweite Runde C Aruba AuswÀrts 5:0 Danley Jean Jacques, Frantzdy Pierrot, Ruben Providence, Duckens Nazon, Mondy Prunier Oranjestad
10. Juni 2025 Zweite Runde C Curazao Heim 1:5 Deedson Louicius; Gervane Kastaneer, Kenji Gorré, Jearl Margaritha, Kevin Felida, Jeremy Antonisse Oranjestad
5. September 2025 Dritte Runde C Honduras Heim 0:0 Sin goles Stadion Ergilio Hato Willemstad (Curazao)
9. September 2025 Dritte Runde C Costa Rica AuswÀrts 3:3 Nazon; K. Vargas, Al. Martínez, J. Vargas Stadion Nacional San José
9. Oktober 2025 Dritte Runde C Nicaragua AuswÀrts 3:0 Nazon, Danley Jean Jacques, Deedson Stadion Nacional Managua
13. Oktober 2025 Dritte Runde C Honduras AuswÀrts 0:3 Stadion Chelato Uclés Tegucigalpa
13. November 2025 Dritte Runde C Costa Rica Heim 1:0 Frantzdy Pierrot Stadion Ergilio Hato Willemstad (Curazao)
18. November 2025 Dritte Runde C Nicaragua Heim 2:0 Deedson, Ruben Providence Stadion Ergilio Hato Willemstad (Curazao)

Die Auswertung dieser Liste liefert schon ohne Taktiktafel mehrere harte Fakten. HaitĂ­ hat in 10 Partien 6 Siege, 2 Remis und 2 Niederlagen geholt. Tore: 20 geschossen, 15 kassiert. Und wenn man die Kampagne in zwei HĂ€lften trennt, sieht man die Entwicklung: In der zweiten Runde war die Offensive ĂŒppig (11 Tore in 4 Spielen), aber die Defensive anfĂ€llig (7 Gegentore). In der dritten Runde ist HaitĂ­ defensiv ruhiger geworden (6 Gegentore in 6 Spielen), ohne vorne komplett auszutrocknen (9 Tore).

Tabelle 2: Tabelle der zweiten Runde

Position Team Punkte Spiele Siege Remis Niederlagen Tore Gegentore Differenz
1 Curazao 12 4 4 0 0 15 2 +13
2 HaitĂ­ 9 4 3 0 1 11 7 +4
3 Santa Lucía 4 4 1 1 2 5 9 −4
4 Aruba 2 4 0 2 2 3 10 −7
5 Barbados 1 4 0 1 3 4 10 −6

Tabelle 3: Tabelle der dritten Runde

Position Team Punkte Spiele Siege Remis Niederlagen Tore Gegentore Differenz
1 HaitĂ­ 11 6 3 2 1 9 6 +3
2 Honduras 9 6 2 3 1 5 2 +3
3 Costa Rica 7 6 1 4 1 8 6 +2
4 Nicaragua 4 6 1 1 4 4 12 −8

Aus diesen Tabellen lassen sich drei Leistungssegmente ableiten, die fĂŒr die Selektionsanalyse wichtig sind:

Erstens: HaitĂ­ hat sich den Gruppenkopf in der dritten Runde ĂŒber die Punktebreite erarbeitet. Zwei Remis wirken auf den ersten Blick wie „verpasste Siege“, sind in einer Vierergruppe aber oft genau die Puffer, die dich vor einem spĂ€ten Einbruch schĂŒtzen — vor allem, wenn du die direkten Duelle zu Hause gewinnst.

Zweitens: Die Gegentorzahl ist der heimliche Gewinn. Sechs Gegentore in sechs Spielen in einer Gruppe mit Honduras und Costa Rica ist kein Zufallswert, sondern ein Hinweis darauf, dass Haití Wege gefunden hat, Spiele zu schließen: 0:0, 1:0, 2:0 sind keine Ausrutscher, sondern Bausteine.

Drittens: Die AuswĂ€rtssiege sind nicht nur Punkte, sondern IdentitĂ€t. 3:1 gegen Barbados, 5:0 gegen Aruba, 3:0 gegen Nicaragua — alles AuswĂ€rtsauftritte. Das sind Ergebnisse, die fĂŒr ein Team aus der Region nicht selbstverstĂ€ndlich sind, weil Reisen, Klima, Platzbedingungen und Rhythmus die Spiele schnell in Zufall kippen lassen. HaitĂ­ hat diese ZufĂ€lle mehrfach zu eigenen Gunsten gedreht.

Wie sie spielen

HaitĂ­ spielt in diesen Daten wie eine Mannschaft mit zwei Gesichtern — und genau darin liegt ihre StĂ€rke, aber auch ihr Risiko. In Spielen, die sich frĂŒh in eine klare Richtung entwickeln, kann HaitĂ­ gnadenlos werden: 5:0 bei Aruba, 3:0 bei Nicaragua. Das sind Ergebnisse, die darauf hindeuten, dass das Team Phasen hat, in denen es Gegner ĂŒberrollt: nicht unbedingt dauerhaft, aber in Wellen. FĂŒnf verschiedene TorschĂŒtzen beim 5:0 sind dabei ein besonders wertvoller Hinweis: Wenn Tore aus mehreren Rollen kommen, ist der Matchplan schwerer zu „entwaffnen“.

Gleichzeitig zeigt die Kampagne, dass HaitĂ­ ein Team fĂŒr knappe, reife Resultate geworden ist. In der dritten Runde endeten drei Spiele mit maximal einem Tor Differenz: 0:0 gegen Honduras, 1:0 gegen Costa Rica, 2:0 gegen Nicaragua. Das sind nicht die Scores eines Teams, das nur ĂŒber Chaos kommt. Das sind die Scores eines Teams, das weiß, wann ein Spiel „nicht hĂŒbsch“ sein muss. FĂŒr die Leistungsanalyse ist das ein starkes Signal: Punkteverwaltung ist eine eigene FĂ€higkeit, besonders in Gruppenkonstellationen, in denen ein Gegentor ein ganzes Fenster kippen kann.

Der Motor der Offensive ist klar erkennbar: Duckens Nazon taucht in den SchlĂŒsselmomenten immer wieder auf. Drei Tore beim 3:3 gegen Costa Rica (9. September 2025) sind nicht nur ein Ausreißer, sie sind ein MusterverstĂ€rker: Wenn HaitĂ­ in offene Spiele gerĂ€t, braucht es eine Figur, die Chancen in Tore verwandelt. Nazon liefert diese AbkĂŒrzung. Gleichzeitig zeigt das Material, dass HaitĂ­ nicht vollstĂ€ndig von einem Namen lebt: Louicius, Jean Jacques, Pierrot, Providence, Prunier, Duverne — sie alle stehen als TorschĂŒtzen in der Liste. Diese Streuung ist entscheidend, weil sie erlaubt, unterschiedliche SpielverlĂ€ufe zu ĂŒberstehen.

Das grĂ¶ĂŸte Warnsignal ist die Art der Niederlagen. HaitĂ­ hat zweimal klar verloren: 1:5 gegen Curazao und 0:3 in Honduras. Beide Spiele erzĂ€hlen die gleiche Gefahr: Wenn das GefĂŒge reißt, wird es nicht nur eine knappe Niederlage, sondern ein deutlicher Bruch. Das kann mehrere Ursachen haben, die man ohne zusĂ€tzliche Daten nicht taktisch festnageln sollte — aber die Wirkung ist messbar. In den zwei Niederlagen kassierte HaitĂ­ zusammen 8 Gegentore; in den ĂŒbrigen acht Spielen zusammen nur 7. Die Streuung ist extrem: HaitĂ­ ist hĂ€ufig stabil, aber nicht immer „bruchfest“.

Ein weiterer SchlĂŒssel ist die AuswĂ€rtsstatik in der dritten Runde. HaitĂ­ holte in San JosĂ© ein 3:3, gewann 3:0 in Managua, verlor 0:3 in Tegucigalpa. Das ist eine Bilanz, die weniger von „AuswĂ€rtsangst“ spricht als von Match-Up-SensitivitĂ€t: Manche Gegner und Stadien lassen HaitĂ­ in den Rhythmus kommen, andere drĂŒcken HaitĂ­ in ein Spiel, in dem ein frĂŒhes Gegentor schnell zur Lawine wird. Wer HaitĂ­ analysiert, sollte deshalb weniger nach einem einzigen Stil suchen, sondern nach Auslösern: Was passiert nach dem 0:1? Was passiert, wenn die Partie 0:0 in die Schlussphase geht? Die vorhandenen Resultate geben Antworten: Bei 0:0 kann HaitĂ­ leben und es notfalls mitnehmen; bei frĂŒhem RĂŒckstand kann es gefĂ€hrlich werden.

Die Gruppe bei der WM

Die WM-Gruppe C gibt HaitĂ­ drei völlig unterschiedliche PrĂŒfungen — eine Mischung aus Prestige, Physis und Pragmatismus. Die Ansetzung ist klar und die Dramaturgie fast zu sauber: erst ein Spiel, in dem HaitĂ­ sich auf Augenhöhe organisieren muss, dann ein Duell, das automatisch WeltbĂŒhne bedeutet, und zum Schluss eine Partie, die potenziell schon ĂŒber Weiterkommen oder Heimreise entscheidet.

Was dabei auffĂ€llt: HaitĂ­ spielt zweimal in großen Arenen in den USA, mit kurzen AbstĂ€nden, die Rotationen und Belastungssteuerung wichtig machen. FĂŒr ein Team, das in der Qualifikation sowohl sehr enge Spiele (0:0, 1:0) als auch wilde Offensivabende (3:3) hatte, wird das Turnierformat zur VergrĂ¶ĂŸerungsglas-Frage: Kann HaitĂ­ sein Spiel auf „Turniermodus“ umstellen, also Fehlerarmut ĂŒber 90 Minuten priorisieren, ohne vorne komplett die ZĂ€hne zu verlieren?

Die Gegner heißen Escocia, Brasil und Marruecos. Ohne zusĂ€tzliche Gegnerdaten bleibt der Fokus bewusst bei HaitĂ­: Was kann diese Mannschaft aus ihren eigenen Mustern in diese drei Spiele mitnehmen? Die Antwort liegt in zwei Dingen: Effizienz und Schadensbegrenzung. HaitĂ­ hat bewiesen, dass es Spiele ohne Gegentor gestalten kann (0:0 gegen Honduras, 1:0 gegen Costa Rica, 2:0 gegen Nicaragua). Diese FĂ€higkeit ist im Turnierfußball Gold wert, weil sie dir mindestens einen Punkt offen hĂ€lt, manchmal sogar drei.

Gleichzeitig muss HaitĂ­ die „Bruch-Spiele“ vermeiden. In der Qualifikation waren die klaren Niederlagen nicht nur Niederlagen, sondern Resultate, die das TorverhĂ€ltnis in einer Gruppe ruinieren. Bei einer WM, in der Details und Differenzen oft zĂ€hlen, ist genau diese StabilitĂ€t in schlechten Phasen das zentrale Thema. Es geht nicht darum, jedes Spiel zu gewinnen. Es geht darum, nicht auseinanderzufallen.

Ein entscheidender Faktor wird die Art sein, wie HaitĂ­ seine Offensivmomente setzt. Die Daten zeigen: HaitĂ­ kann auswĂ€rts hoch gewinnen, aber auch auswĂ€rts schwer einbrechen. FĂŒr die Gruppenphase heißt das: HaitĂ­ braucht eine klare Spielökonomie. Nicht jede Umschaltsituation muss ein offener Schlagabtausch werden. Das 3:3 gegen Costa Rica zeigt die Waffen, aber auch die Kosten eines offenen Spiels: Drei eigene Tore reichen nicht zwingend zum Sieg.

Hier die drei Gruppenspiele in einer sauberen Übersicht.

Datum Stadion Stadt Gegner
13. Juni 2026 Gillette Stadium Boston Schottland
19. Juni 2026 Lincoln Financial Field Philadelphia Brasilien
24. Juni 2026 Mercedes-Benz Stadium Atlanta Marokko

Spiel 1: HaitĂ­ gegen Schottland, 13. Juni 2026, Boston Das Auftaktspiel ist fĂŒr HaitĂ­ der Moment, in dem das Turnier beginnt — nicht erst emotional, sondern rechnerisch. Ein erster Punkt verĂ€ndert alles, weil er den Druck aus den folgenden Aufgaben nimmt. HaitĂ­ wird in dieser Partie gut beraten sein, die Quali-Variante „zĂ€h und klar“ anzubieten: keine wilden Ballverluste, nicht zu frĂŒh aufmachen, und vorne die Momente konsequent zu Ende spielen. Prognose: empate.

Spiel 2: Brasilien gegen HaitĂ­, 19. Juni 2026, Philadelphia Dieses Spiel ist das Schaufenster, aber auch das grĂ¶ĂŸte Risiko. FĂŒr HaitĂ­ zĂ€hlt hier vor allem die Disziplin ĂŒber die gesamte Spieldauer. Die Quali-Niederlagen waren dann besonders schmerzhaft, wenn das Spiel kippte und HaitĂ­ den Zugriff verlor. Genau das darf in einem WM-Spiel nicht passieren, weil dann aus einem knappen RĂŒckstand ein Ergebnis wird, das die Gruppe vergiftet. HaitĂ­ wird seine Offensivmomente wĂ€hlen mĂŒssen — nicht suchen, sondern erkennen. Prognose: gana Brasilien.

Spiel 3: Marokko gegen HaitĂ­, 24. Juni 2026, Atlanta Der letzte Spieltag ist oft das Spiel der Rechnungen: ein Spiel, in dem ein Remis zu wenig oder genau richtig sein kann. FĂŒr HaitĂ­ ist es die ideale BĂŒhne fĂŒr die Quali-Tugenden: ein Spiel, das nicht zwingend schön sein muss, aber klar im Kopf. HaitĂ­ hat in der Kampagne gezeigt, dass es Partien mit kleinem Score auf seine Seite ziehen kann (1:0, 2:0). Der SchlĂŒssel wird sein, das Spiel nicht in eine Abfolge von offenen Schlagabtauschen kippen zu lassen. Prognose: empate.

SchlĂŒssel zur möglichen Qualifikation aus der Gruppe, aus HaitĂ­-Perspektive:

  • Den Auftakt in Boston punktend ĂŒberstehen, weil er die restliche Gruppenlogik verschiebt.
  • In Philadelphia das Spiel „kurz“ halten: nicht ins Bruch-Ergebnis rutschen, egal wie lange es 0:0 oder 0:1 steht.
  • Vor dem letzten Spieltag eine klare Torbilanz sichern: jedes vermiedene Gegentor erhöht die Optionen.
  • Die Offensivlast nicht nur auf einen Abend setzen: mehrere TorschĂŒtzen waren in der Qualifikation ein Vorteil, der auch im Turnier helfen kann.
  • Mentale Reaktion als Waffe: Nach dem 0:3 in Honduras kam die Antwort mit zwei Siegen ohne Gegentor — genau diese FĂ€higkeit ist im Turnierformat ĂŒberlebenswichtig.

Leitartikel

HaitĂ­ hat sich diese Geschichte nicht ĂŒber Glamour geschrieben, sondern ĂŒber den harten, oft unsichtbaren Teil des Fußballs: Punkte sammeln, wenn der Ball schwer wird. Die Tabellen in der dritten Runde sagen alles: 11 Punkte, nur eine Niederlage, und in den entscheidenden Momenten zwei Heimsiege ohne Gegentor. Das ist nicht romantisch — das ist professionell. Und manchmal ist ProfessionalitĂ€t die schönste Form von Hoffnung, weil sie wiederholbar ist.

Gleichzeitig darf man sich nicht blenden lassen: Die Kampagne trĂ€gt zwei Warnlampen, die nicht ignoriert werden dĂŒrfen. Das 1:5 gegen Curazao und das 0:3 in Tegucigalpa sind keine kleinen Ausrutscher, sondern Hinweise auf eine Sollbruchstelle. Wenn HaitĂ­ den Zugriff verliert, verliert es nicht „knapp“, sondern rutscht. Eine WM-Gruppenphase verzeiht solche Minuten nicht; sie multipliziert sie.

Der Schluss bleibt deshalb klar und ehrlich: HaitĂ­ hat genug Struktur, um Spiele zu drehen oder zu schließen — aber es braucht eine eiserne Kontrolle ĂŒber die Phase, in der ein Spiel kippen will. Wer diesen Kader nur ĂŒber den Torrausch von Oranjestad definiert, versteht ihn nicht. Das Fundament liegt in Willemstad: 0:0 gegen Honduras, 1:0 gegen Costa Rica, 2:0 gegen Nicaragua — drei verschiedene Abende, ein gemeinsamer Nenner: kein Geschenk.

Und die konkrete Warnung hĂ€ngt an einem Datum, das in jeder internen Analyse rot markiert sein sollte: 13. Oktober 2025, Tegucigalpa, 0:3. Nicht wegen der Niederlage an sich, sondern wegen der Art, wie schnell ein Spiel aus der Hand rutschen kann. HaitĂ­ kann Großes erreichen, wenn es den Moment erkennt, in dem es nicht „mehr“ machen muss — sondern weniger Fehler.