Belgien - Grupo G

Belgien, die Roten Teufel auf dem Drahtseil

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Ein Qualifikationslauf mit Torlawinen, zwei Stolpersteinen und einem WM-Gruppenplan, der PrÀzision verlangt

EinfĂŒhrung

Manchmal erzĂ€hlt eine Qualifikation mehr ĂŒber den Charakter einer Mannschaft als ein ganzes Turnier. Belgien hat sich in dieser Kampagne nicht als makellose Maschine prĂ€sentiert, sondern als Team mit ZĂŒndschnur: mal ein kontrolliertes Feuer, mal ein kurzes Aufflackern, das fast ins Gesicht zurĂŒckschlĂ€gt. Die Roten Teufel sind durch die Spiele gegangen wie durch wechselndes Wetter: klare Sicht gegen die Kleinen, Gegenwind gegen die Unbequemen – und genau daraus entsteht diese Geschichte.

Das Bild, das bleibt, ist das einer Mannschaft, die Tore nicht nur schießt, sondern stapelt. 29 Treffer in acht Spielen sind ein Wert, der nach Dominanz riecht. Gleichzeitig hat Belgien sich drei Remis geleistet – eine kleine, aber wichtige Unsauberkeit, die in der Summe wie ein Warnhinweis wirkt: Es gibt Spiele, in denen die Kontrolle nicht sauber durchgezogen wird, in denen das Drehmoment der Offensive kurz nicht greift.

Am Ende steht dennoch ein geradliniger Befund: Platz 1 in Gruppe J, 18 Punkte aus 8 Partien, ungeschlagen. Dazu ein TorverhĂ€ltnis von 29:7 und eine Differenz von +22. Es ist die klassische Mischung aus AutoritĂ€t und kleinen Rissen: fĂŒnf Siege, drei Unentschieden, keine Niederlage. Die Zahlen sagen: Belgien war das beste Team der Gruppe. Die Details sagen: Belgien musste sich das manchmal hĂ€rter erarbeiten, als es die großen Ergebnisse vermuten lassen.

Die ersten Momente, an denen die Kampagne ihren Ton setzte, kamen frĂŒh. Am 6. Juni 2025 holte Belgien auswĂ€rts in Skopje nur ein 1:1 gegen Nordmazedonien, ein Spiel, das lange ruhig schien und dann spĂ€t noch einmal brannte: De Cuyper traf in der 28. Minute, Alioski glich in der 86. aus. Drei Tage spĂ€ter, am 9. Juni 2025, folgte in BrĂŒssel das spektakulĂ€re 4:3 gegen Wales – ein Spiel, das sich wie ein Kurzfilm ĂŒber Momentum anfĂŒhlte: Belgien fĂŒhrte, Wales kam zurĂŒck, Belgien rettete es spĂ€t durch De Bruyne in der 88. Minute.

Der dritte Kipppunkt war weniger spektakulĂ€r, dafĂŒr aussagekrĂ€ftig. Am 10. Oktober 2025 endete das RĂŒckspiel gegen Nordmazedonien in Gent 0:0. Wer nur das Resultat sieht, sieht Stillstand. Wer die Kampagne als Ganzes liest, erkennt: Belgien kann Spiele zerlegen – und Belgien kann sich auch in Spiele verstricken, die nach Geduld, Struktur und dem einen sauberen Moment verlangen.

Und dann ist da noch diese brutale Seite, die Belgien wie ein Markenzeichen ausstellt: die Torfestivals. 0:6 in Vaduz, 6:0 gegen Kasachstan, 7:0 gegen Liechtenstein. Das ist nicht nur QualitĂ€t – das ist auch das konsequente Erledigen der Pflicht, ohne sich in Halbherzigkeit zu verlieren. FĂŒr eine Mannschaft, die große Ziele trĂ€gt, ist genau diese ProfessionalitĂ€t der Treibstoff.

Der Weg durch die Qualifikation

Der Weg ĂŒber die UEFA-Qualifikation war in dieser Gruppe J auf den ersten Blick klar gezeichnet: Belgien und Wales als Favoriten, Nordmazedonien als Störer, Kasachstan als unangenehmer Außenseiter, Liechtenstein als Team, bei dem es um Schadensbegrenzung ging. Der Tabellenstand bestĂ€tigt genau diese Ordnung, nur mit belgischer Wucht an der Spitze.

Belgien schloss die Gruppe als Erster ab: 18 Punkte, 8 Spiele, 5 Siege, 3 Remis, 0 Niederlagen. 29 Tore geschossen, 7 kassiert. Wales folgte mit 16 Punkten, jedoch mit zwei Niederlagen. Nordmazedonien war mit 13 Punkten und nur einer Niederlage das Team, das am hĂ€ufigsten „drin blieb“ – vier Unentschieden als Signatur. Kasachstan kam auf 8 Punkte, Liechtenstein blieb bei 0. In der Summe war Belgien nicht nur effizient – es war das Team mit dem deutlichsten Abstand zwischen eigener Klasse und dem Rest.

Was den Verlauf fĂŒr Belgien interessant macht, ist die Dramaturgie der Gegentore und der Remis. Drei Unentschieden in acht Spielen: zweimal 1:1 auswĂ€rts (Nordmazedonien, Kasachstan) und einmal 0:0 zuhause (Nordmazedonien). Das Muster ist auffĂ€llig: Wenn Belgien nicht frĂŒh das Spiel aufbricht, entsteht ein Raum, in dem der Gegner sich an einem Punkt festklammert. Es ist kein Drama – aber es ist eine RealitĂ€t, die auf WM-Niveau hĂ€rter bestraft wird.

Die stĂ€rksten Aussagen kamen in den beiden Wales-Spielen. Das 4:3 am 9. Juni 2025 in BrĂŒssel war ein Offensiv-Manifest mit einem Warnhinweis in der Fußnote: drei Gegentore sind drei zu viel, wenn man von Kontrolle spricht. Belgien schoss vier, aber es brauchte den spĂ€ten De-Bruyne-Treffer, um den Abend nicht in eine Selbstanklage kippen zu lassen. Das RĂŒckspiel am 13. Oktober 2025 in Cardiff war dann reifer: Belgien gewann 4:2, erneut mit De Bruyne als SchlĂŒsselfigur, diesmal sogar doppelt vom Punkt (18. und 76. Minute). Dazu Meunier und Trossard – ein Sieg, der in der Tabelle den Unterschied zwischen „bestes Team“ und „Team mit AutoritĂ€t“ markierte.

Gegen die unteren beiden Teams der Gruppe war Belgien nicht nur ĂŒberlegen, sondern gnadenlos. 0:6 in Liechtenstein am 4. September 2025, danach 7:0 im RĂŒckspiel am 18. November 2025. Insgesamt 13:0 gegen Liechtenstein, ohne Gegentor, mit breiter TorschĂŒtzenliste und klarer Botschaft: Belgien nutzt diese Spiele, um Rhythmus, Selbstvertrauen und Torbilanz aufzubauen. Auch gegen Kasachstan gab es zuhause ein 6:0 am 7. September 2025 – derart deutlich, dass man es als Trainingsspiel mit Wettbewerbsstempel lesen könnte. Und doch: auswĂ€rts in Astana reichte es am 15. November 2025 nur zu einem 1:1. Dieses Kontrastpaar ist ein SchlĂŒssel fĂŒr das Leistungsprofil: Belgien kann Teams ĂŒberrollen, aber es muss seine SchĂ€rfe auch in weniger komfortablen Umgebungen konservieren.

In Summe lĂ€sst sich die Kampagne numerisch sauber segmentieren. Acht Spiele, 29 Tore: im Schnitt 3,63 Treffer pro Partie. Sieben Gegentore: 0,88 pro Partie. Das ist ein Spitzenprofil. Aber die Verteilung ist extrem: In drei Spielen erzielte Belgien 6 oder mehr Tore (0:6, 6:0, 7:0). In drei Spielen kam Belgien nur auf ein Tor oder keines (1:1, 0:0, 1:1). Genau dort liegt die sportliche Frage: Wie stabil ist der Offensivplan, wenn das Spiel nicht frĂŒh in Belgiens Richtung kippt?

Die letzten beiden AuswĂ€rtsspiele liefern dafĂŒr eine Art Mini-Diagnose. In Cardiff gewann Belgien 4:2 – ein AuswĂ€rtssieg gegen einen direkten Rivalen, mit Reife und Punch. In Astana gab es ein 1:1 – ein Spiel, in dem Belgien frĂŒh einem RĂŒckstand hinterherlief (Satpaev 9.) und erst nach der Pause ausgleichen konnte (Vanaken 48.). Das sind unterschiedliche Szenarien, aber beide sind WM-relevant: AuswĂ€rts bestehen, wenn das Stadion gegen dich arbeitet, und zugleich vermeiden, dass du dir das Spiel durch einen frĂŒhen Treffer gegen dich verkomplizierst.

Tabelle 1: Belgien – alle Spiele in der UEFA-Qualifikation Gruppe J

Datum Gruppe Gegner Bedingung Ergebnis TorschĂŒtzen Spielort
6. Juni 2025 Gruppe J Nordmazedonien AuswÀrts 1:1 Nordmazedonien: Alioski 86'; Belgien: De Cuyper 28' Toƥe Proeski Arena, Skopie
9. Juni 2025 Gruppe J Wales Heim 4:3 Belgien: Lukaku 15' pen., Tielemans 19', Doku 27', De Bruyne 88'; Wales: Wilson 45+7' pen., Thomas 51', Johnson 69' Stadion Rey Balduino, BrĂŒssel
4. September 2025 Gruppe J Liechtenstein AuswÀrts 0:6 De Cuyper 29', Tielemans 46', 70' pen., Theate 60', De Bruyne 62', Fofana 90+1' Rheinpark Stadion, Vaduz
7. September 2025 Gruppe J Kasachstan Heim 6:0 De Bruyne 42', 84', Doku 44', 60', Raskin 51', Meunier 87' Lotto Park, Anderlecht
10. Oktober 2025 Gruppe J Nordmazedonien Heim 0:0 Planet Group Arena, Gent
13. Oktober 2025 Gruppe J Wales AuswÀrts 2:4 Wales: Rodon 8', Broadhead 89'; Belgien: De Bruyne 18' pen., 76' pen., Meunier 24', Trossard 90' Cardiff City Stadium, Cardiff
15. November 2025 Gruppe J Kasachstan AuswÀrts 1:1 Kasachstan: Satpaev 9'; Belgien: Vanaken 48' Astana Arena, Astana
18. November 2025 Gruppe J Liechtenstein Heim 7:0 Vanaken 3', Doku 34', 41', Mechele 52', Saelemaekers 55', De Ketelaere 57', 59' Stadion Maurice Dufrasne, LĂŒttich

Tabelle 2: Tabelle Gruppe J

Pos. Team Pts. Sp. S U N Tore Gegentore Diff. Status
1 Belgien 18 8 5 3 0 29 7 +22 WM 2026
2 Wales 16 8 5 1 2 21 11 +10 Play-offs
3 Nordmazedonien 13 8 3 4 1 13 10 +3 Play-offs ĂŒber Nations League
4 Kasachstan 8 8 2 2 4 9 13 −4 Nicht qualifiziert
5 Liechtenstein 0 8 0 0 8 0 31 −31 Nicht qualifiziert

Ein kurzer Blick auf die Nachbarschaft in der Tabelle hilft, Belgiens Vorsprung zu erden. Belgien hatte zwei Punkte mehr als Wales, obwohl Wales fĂŒnf Siege holte und Belgien ebenfalls fĂŒnf. Der Unterschied liegt in der StabilitĂ€t: Belgien verlor kein Spiel, Wales zwei. Und noch deutlicher ist der Abstand in der Differenz: +22 gegen +10. Das ist keine Kosmetik, das ist eine Aussage ĂŒber SpielverlĂ€ufe: Belgien gewann oft hoch, Wales gewann oft knapp oder kassierte mehr.

FĂŒr die Leistungsanalyse ist auch die „Ein-Tor-Welt“ interessant. Belgien hatte mindestens zwei Partien, in denen es sehr eng war: 1:1 in Skopje, 1:1 in Astana, plus das 0:0 in Gent. Drei Spiele, in denen Belgien maximal ein Tor erzielte. Gleichzeitig gab es fĂŒnf Spiele mit vier oder mehr Treffern auf belgischer Seite. Das ist ein Profil mit hohen Spitzen. FĂŒr Turniere ist die Frage: Können die Spitzen auch in den engen NĂ€chten ausgelöst werden?

Wie sie spielen

Belgien spielt in dieser Qualifikationsgeschichte wie ein Team, das stÀndig nach dem ersten Schnitt sucht: dem Tor, das den Gegner zwingt, seine Ordnung zu verlassen. Wenn dieser Schnitt gelingt, wird es oft sehr deutlich. Das zeigen die Ergebnisse gegen Liechtenstein (6:0 auswÀrts, 7:0 zuhause) und gegen Kasachstan zuhause (6:0). In diesen Spielen wirkt Belgien wie eine Mannschaft, die nach dem 1:0 nicht verwaltet, sondern beschleunigt.

Die Zahlen untermauern das. 29 Tore in acht Partien, aber nur sieben Gegentreffer: Belgien produziert nicht nur, es lĂ€sst auch relativ wenig zu. Der große Hebel ist die FĂ€higkeit, in Phasen zu treffen, in denen andere Teams „noch sortieren“. Gegen Wales zuhause fiel das 1:0 schon in der 15. Minute (Lukaku per Elfmeter), danach folgten Treffer in der 19. und 27. Minute – Belgien stellte das Spiel frĂŒh auf seine Schiene. Gegen Kasachstan zuhause kamen die ersten Tore zwar spĂ€ter (42. Minute), doch dann folgte der typische Effekt: Sobald das Spiel offen wird, ist Belgien in der Lage, in Wellen nachzulegen.

AuffĂ€llig ist die Rolle der Spielentscheider in den großen Momenten, ohne dass die Mannschaft vom einen Namen abhĂ€ngig wirkt. De Bruyne steht als Taktgeber und Vollstrecker im Zentrum vieler SchlĂŒsselszenen: Treffer gegen Wales (spĂ€t zum 4:3), zwei Elfmeter in Cardiff, zwei Tore gegen Kasachstan, ein Tor in Vaduz. Doch daneben ist die Liste breit: Doku mit mehreren Doppelpacks (gegen Kasachstan, gegen Liechtenstein), Tielemans mit Toren und sogar einem Elfmeter, dazu BeitrĂ€ge von Meunier, Trossard, Vanaken, De Ketelaere, Theate, Raskin, Mechele, Saelemaekers, Fofana, De Cuyper. Das ist wichtig: Belgien hat viele Wege zum Tor, und der Gegner kann nicht nur einen Kopf abschneiden und hoffen, dass der Körper stehen bleibt.

Das Tempo der Spiele variiert stark, und darin liegt ein zweites Merkmal. Belgien kann wilde Partien ĂŒberstehen, aber es lebt nicht davon. Das 4:3 gegen Wales war offen, fast chaotisch, ein Spiel, in dem die Defensive mehrfach ĂŒberprĂŒft wurde. Das RĂŒckspiel (4:2) war ebenfalls torreich, aber es fĂŒhlte sich kontrollierter an, auch weil Belgien auf RĂŒckschlĂ€ge reagierte und selbst spĂ€t noch zuschlug (Trossard 90.). Belgien scheint in dieser Serie gelernt zu haben: Wenn das Spiel in eine offene Phase kippt, musst du nicht nur besser sein – du musst auch diszipliniert bleiben, damit der Gegner nicht wieder Luft bekommt.

Die Verwundbarkeiten sind klarer zu benennen als die StĂ€rken, weil sie in drei Ergebnissen stecken, die aus belgischer Sicht „zu klein“ sind: 1:1 in Skopje, 0:0 in Gent, 1:1 in Astana. In diesen Spielen ist Belgien entweder spĂ€t erwischt worden (Skopje) oder kam trotz Heimspiel nicht durch (Gent) oder musste einem frĂŒhen Gegentor hinterherlaufen (Astana). Es ist nicht zwingend ein Problem der ChancenqualitĂ€t, das lĂ€sst sich aus den Daten nicht sicher ablesen. Aber es ist ein Problem des Spielflusses: Wenn Belgien nicht in FĂŒhrung geht oder wenn der Gegner frĂŒh sticht, wird das Spiel zĂ€her, und das Ergebnis nĂ€hert sich der Grauzone.

Ein weiterer Hinweis steckt in der Gegentor-Verteilung. Belgien kassierte sieben Gegentore in acht Spielen, aber drei davon allein im Heimspiel gegen Wales. Das deutet darauf hin, dass Belgien in wenigen Partien anfĂ€llig fĂŒr „Serien“ ist – nicht dauerhaft, sondern in kurzen Phasen. FĂŒr Turniere ist genau das heikel: Du kannst 70 Minuten sauber sein und in 10 Minuten den Abend verlieren. Belgien hat diesen Abend gegen Wales noch gewonnen. Gegen stĂ€rkere Gegner kann derselbe Film anders enden.

Die Gruppe bei der WM

Die WM-Gruppenphase bringt Belgien in Gruppe G, und der Spielplan ist bemerkenswert „amerikanisch“ in seiner Geografie: Seattle, Los Angeles, Vancouver. Drei StĂ€dte, drei Stadien, drei unterschiedliche Reise- und Rhythmus-Setups. Das wirkt wie ein Detail, ist aber in Turnieren ein Faktor: nicht wegen der Kilometer an sich, sondern wegen der Routinen, der Regeneration, des mentalen Umschaltens zwischen Orten.

Sportlich ist das Bild zunĂ€chst klar: Belgien trifft in den drei Gruppenspielen auf Ägypten, Iran und Neuseeland. Das sind drei Gegner mit unterschiedlicher Art, Spiele zu gestalten – ĂŒber deren konkrete QualitĂ€t und Form lĂ€sst sich hier nicht spekulieren, weil dazu keine Turnierdaten vorliegen. FĂŒr Belgien zĂ€hlt daher vor allem die eigene Baseline: die FĂ€higkeit, Spiele zu öffnen, und die Konzentration, in den zĂ€hen Partien nicht in die „1:1/0:0“-Zone abzurutschen.

Die Abfolge der Spiele ist ebenfalls interessant. Belgien startet am 15. Juni 2026 gegen Ägypten. Ein Auftaktspiel ist nie nur 90 Minuten; es ist die Übersetzung der Qualifikationsenergie in TurnierrealitĂ€t. Belgien hat in der Qualifikation gezeigt, dass es in frĂŒhen Spielphasen zuschlagen kann (Wales zuhause, mehrere schnelle Trefferfolgen). Gelingt ein frĂŒhes Tor, kann Belgien den Ton des Spiels bestimmen. Bleibt es lange 0:0, braucht es die Geduld, die in Gent nicht zum Ergebnis fĂŒhrte.

Das zweite Spiel am 21. Juni 2026 gegen Iran in Los Angeles ist oft der heimliche SchlĂŒssel einer Gruppe: Nach dem Auftakt kommt die erste echte Positionsbestimmung. Belgien hat in dieser Qualifikation eine große Spannweite gezeigt: von 6:0 bis 0:0. In Turnierlogik ist das zweite Spiel hĂ€ufig der Moment, in dem eine Mannschaft entweder auf Kurs kommt oder in Rechnerei abrutscht. FĂŒr Belgien wird es darum gehen, nicht nur Tore zu haben, sondern auch ein sauberes Spiel ohne hektische Gegenphasen.

Das dritte Spiel am 26. Juni 2026 gegen Neuseeland in Vancouver kann je nach Ausgangslage ein Finalspiel oder ein Verwaltungsakt werden. Belgien hat die QualitĂ€t, Spiele mit einem Torfestival zu entscheiden, aber die Gruppe verlangt nicht zwingend Spektakel. Sie verlangt Punkte. Und Punkte bedeuten manchmal: ein nĂŒchternes 2:0 statt ein riskantes 4:3.

Tabelle: Belgiens Spiele in Gruppe G

Datum Stadion Stadt Gegner
15. Juni 2026 Lumen Field Seattle Ägypten
21. Juni 2026 SoFi Stadium Los Angeles Iran
26. Juni 2026 Stadion BC Place Vancouver Neuseeland

Partie fĂŒr Partie, mit einem vorsichtigen, klaren Blick:

Erstes Spiel: Belgien gegen Ägypten, 15. Juni 2026. Der Auftakt verlangt Struktur. Belgien hat die Waffen, um frĂŒh in FĂŒhrung zu gehen, und es hat die TorschĂŒtzen, um nicht auf eine einzige Lösung reduziert zu werden. Prognose: gana BĂ©lgica. Nicht, weil es „muss“, sondern weil die Qualifikation gezeigt hat, dass Belgien Spiele gegen Teams, die es spielerisch dominieren kann, in der Regel nicht knapp hĂ€lt, sondern zĂŒgig zu seinen Gunsten kippt.

Zweites Spiel: Belgien gegen Iran, 21. Juni 2026. Das ist das Spiel, in dem Belgien die Balance braucht: nicht ĂŒberdrehen, aber auch nicht in PassivitĂ€t verfallen. Die Quali lieferte zwei Warnlichter: 0:0 zuhause gegen Nordmazedonien und 1:1 in Astana nach frĂŒhem Gegentor. Wenn Belgien in dieser Partie sauber bleibt und nicht in RĂŒckstand gerĂ€t, erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass die individuelle QualitĂ€t den Ausschlag gibt. Prognose: gana BĂ©lgica.

Drittes Spiel: Neuseeland gegen Belgien, 26. Juni 2026. Das dritte Spiel hat oft ein eigenes Gesicht: Rotation, Ergebnisverwaltung, Nerven, Tabellenkonstellation. Belgien kann solche Spiele klar gewinnen, wenn es die IntensitĂ€t hochhĂ€lt. Gleichzeitig ist es das Spiel, in dem sich eine Unachtsamkeit am ehesten einschleicht, weil der Kopf schon rechnet. Belgien muss also das tun, was es gegen Liechtenstein und Kasachstan zuhause getan hat: professionell bleiben, auch wenn es „ein Spiel mehr“ zu sein scheint. Prognose: gana BĂ©lgica.

Zum Abschluss die SchlĂŒssel, die Belgien durch die Gruppe tragen sollten:

  • FrĂŒhe FĂŒhrung suchen, um die „zĂ€he Spielzone“ zu vermeiden, die in Gent (0:0) sichtbar wurde.
  • Gegentorphasen kontrollieren: Das Wales-Spiel in BrĂŒssel (4:3) zeigt, wie schnell ein komfortabler Abend wackeln kann.
  • Breite im Toreschießen nutzen: Die Qualifikation lieferte Treffer von vielen Namen, das ist ein Turnier-Vorteil.
  • AuswĂ€rtsspiel-Disziplin konservieren: In Cardiff (4:2) war Belgien reif, in Astana (1:1) fehlte der zweite Schlag.

Leitartikel

Belgien hat diese Qualifikation nicht gewonnen, weil es immer glĂ€nzte, sondern weil es in Summe die beste Mischung aus Punch und StabilitĂ€t fand. 29:7 Tore und ungeschlagen – das ist der harte Kern. Aber die drei Remis erzĂ€hlen, dass Belgien nicht automatisch gewinnt, nur weil es Belgien ist. Es braucht die FĂŒhrung, es braucht den Rhythmus, und es braucht diesen einen Moment, in dem das Spiel kippt. Turniere sind voll von Abenden, an denen genau dieser Moment nicht kommt.

Die Roten Teufel wirken dabei wie eine Mannschaft, die zwei Gesichter in der Tasche trĂ€gt: das gnadenlose, das 6:0 und 7:0 schreibt, und das geduldige, das manchmal ins GrĂŒbeln gerĂ€t, wenn der Gegner die Mitte dichtmacht und Zeit aus dem Spiel nimmt. Beides ist normal. Entscheidend ist, welches Gesicht sie im falschen Moment herausziehen.

Der Schlussakkord dieser Geschichte ist deshalb keine Hymne, sondern ein Hinweis. Belgien hat in dieser Kampagne bewiesen, wie hoch die Decke ist. Aber es hat auch gezeigt, wo der Boden wackelt. Wer die WM lesen will, sollte sich nicht zuerst an den Torlawinen festhalten, sondern an der kleinen Szene, die leise war und doch laut nachhallt: 10. Oktober 2025, Belgien gegen Nordmazedonien, 0:0 in Gent. Ein Heimspiel, ein Gegner, den Belgien grundsĂ€tzlich dominieren kann – und trotzdem blieb der Durchbruch aus.

In einem Turnier ist genau so ein Abend der Moment, an dem du entweder nervös wirst oder erwachsen bleibst. Belgien hat die Spieler, um das Spiel zu lösen. Die Frage ist weniger, ob sie es können – sondern ob sie die Geduld haben, es zu erzwingen, ohne sich selbst zu verlieren. Wenn die Roten Teufel das schaffen, wird Gruppe G nicht zur PrĂŒfung, sondern zum Startschuss.