Kolumbien - Grupo K

Kolumbien im Stechschritt Richtung 2026: Barranquilla als Motor, AuswĂ€rts als ReifeprĂŒfung

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Ein Quali-Lauf zwischen Nadelstichen und NervenstĂ€rke, der Kolumbien ins WM-Gruppenfeuer mit Portugal, Usbekistan und einem noch offenen Gegner fĂŒhrt.

EinfĂŒhrung

Es gibt Nationalteams, die sich ĂŒber Glanz definieren, und andere, die sich ĂŒber Gewohnheiten erklĂ€ren: ĂŒber AblĂ€ufe, ĂŒber kleine Rituale, ĂŒber diese eine Spielminute, in der das Stadion plötzlich lauter wird als jeder Zweifel. Kolumbien hat in dieser Qualifikation immer wieder gezeigt, dass es genau dort zu Hause ist: im Moment, in dem ein Spiel kippt, nicht unbedingt in dem, in dem es glĂ€nzt.

Barranquilla ist dabei nicht bloß eine Adresse, sondern ein VerstĂ€rker. Im Metropolitano wirkt Kolumbiens Fußball wie ein System mit eigener Stromversorgung: frĂŒhe Balleroberungen, aggressivere zweite BĂ€lle, mehr PrĂ€senz in den StrafraumnĂ€hen. AuswĂ€rts dagegen ist es oft ein anderer Film: weniger Komfort, mehr Geduld, hĂ€ufiger das GefĂŒhl, dass ein Punkt nicht wenig ist, sondern ein Baustein.

Und doch: Die Zahlen erzĂ€hlen keine romantische Geschichte, sondern eine klare. Nach 18 Spieltagen steht Kolumbien auf Rang 3 mit 28 Punkten, 7 Siegen, 7 Remis und 4 Niederlagen. 28 Tore, 18 Gegentore, Tordifferenz +10. Das ist nicht die Statistik eines Teams, das durch GlĂŒck schliddert, sondern die eines Teams, das sich ĂŒber StabilitĂ€t und wiederkehrende Lösungen festbeißt.

Die Qualifikation hatte ihre Scharniermomente, und Kolumbien schrieb sie gerne selbst. 16. November 2023: Kolumbien dreht Brasilien zuhause von 0:1 zu 2:1, mit zwei Nadelstichen von Luis DĂ­az (75’, 79’) – ein Spiel, das wie eine öffentliche ErklĂ€rung wirkte. 10. September 2024: 2:1 gegen Argentinien in Barranquilla, wieder mit der Mischung aus Wucht und Pragmatismus. Und dann 9. September 2025: ein 6:3 in Venezuela, ein wildes, offenes Spiel, das gleichzeitig Angriffslust und defensive Verwundbarkeit in einem einzigen Abend bĂŒndelte.

Zwischen diesen Eckpfeilern liegt ein Weg, der selten linear war: fĂŒnf 0:0 oder 1:1 in der Summe, mehrere knappe Ergebnisse, spĂ€te Gegentore, spĂ€te eigene Treffer. Kolumbien hat nicht alles kontrolliert – aber es hat erstaunlich viel ĂŒberstanden. Und das ist im sĂŒdamerikanischen Langstreckenlauf oft mehr wert als jede kurze Hochglanzphase.

Der Weg durch die Qualifikation

In SĂŒdamerika ist die WM-Qualifikation kein Labyrinth aus Gruppen und RĂŒckspielen, sondern ein einziger langer Tisch, an dem jeder jeden zweimal trifft: zuhause und auswĂ€rts. Zehn Teams, 18 Spieltage, eine Liga, in der die Luft dĂŒnn wird, wenn du einmal zu oft stolperst. Der Lohn ist entsprechend groß: Die besten sechs qualifizieren sich direkt, der Siebte geht ins interkontinentale Play-off-Turnier.

Kolumbiens Endabrechnung wirkt auf den ersten Blick wie ein Teamprofil aus StabilitĂ€t: 18 Spiele, 28 Punkte. Aber im Detail zeigt sie eine Mannschaft, die auf mehreren Wegen punkten kann. Sie gewann siebenmal, spielte siebenmal unentschieden und verlor viermal. Sie erzielte 28 Tore – das ist ein Topwert im Feld – und kassierte 18. Der Abstand nach oben blieb ĂŒberschaubar, weil Argentinien vorne wegmarschierte, aber nach unten war es ein GedrĂ€nge: Uruguay, Brasilien und Paraguay endeten ebenfalls bei 28 Punkten. Kolumbiens Vorteil war die Tordifferenz: +10, gleichauf mit Uruguay und klar vor Brasilien (+7) und Paraguay (+4).

Diese Enge ist wichtig, weil sie Kolumbiens Quali wie eine Serie von Finals wirken lĂ€sst. Ein Unentschieden kann sich wie ein kleiner Sieg anfĂŒhlen, ein verlorenes Spiel wie ein Tritt gegen das Schienbein. In diesem Kontext erklĂ€rt sich auch, warum Kolumbien selten auseinanderfiel: Es musste in dieser Tabelle nicht schön sterben, sondern klug leben.

Der Start war vielversprechend, aber nicht euphorisch: 7. September 2023 ein 1:0 gegen Venezuela, danach ein 0:0 in Chile und ein 2:2 gegen Uruguay, bei dem Kolumbien zwei Mal fĂŒhrte und doch nicht gewann. FrĂŒh zeigte sich ein Muster: Kolumbien konnte Spiele öffnen, hatte aber auch Phasen, in denen der Deckel nicht draufblieb. Das 0:0 in Ecuador am 17. Oktober 2023 passte wiederum zur anderen IdentitĂ€t: Wenn es eng wird, kann Kolumbien ein Spiel einfrieren.

Dann kam dieser November 2023, der die Wahrnehmung drehte. Brasilien in Barranquilla schlagen ist keine normale Quali-Station, es ist ein Ereignis. Und fĂŒnf Tage spĂ€ter folgte in Paraguay ein 1:0 durch BorrĂ© (Elfmeter, 11’): zwei Siege, beide mit kontrollierter EmotionalitĂ€t, beide mit dem GefĂŒhl, dass Kolumbien nicht nur mithĂ€lt, sondern Spiele an sich reißen kann.

Die zweite Quali-HĂ€lfte war stĂ€rker von Reibung geprĂ€gt. In Peru ein 1:1, zuhause gegen Argentinien das 2:1 – und dann der DĂ€mpfer: 10. Oktober 2024 ein 0:1 in Bolivien in El Alto. Diese Niederlage sticht heraus, weil sie nicht nur Punkte kostete, sondern auch die Spielmechanik entblĂ¶ĂŸte: Wenn das Umfeld die Kontrolle stört, wenn das Spiel chaotisch wird, kann Kolumbien in Details verlieren.

Reaktion zeigte das Team zuhause mit dem 4:0 gegen Chile am 15. Oktober 2024: ein Ergebnis, das nicht bloß drei Punkte war, sondern eine klare Ansage an die eigene Wucht. Doch die Quali blieb eine PrĂŒfung im Umgang mit RĂŒckschlĂ€gen: 15. November 2024 das 2:3 in Uruguay, dabei spĂ€te Wendungen und ein bitteres Eigentor, vier Tage spĂ€ter zuhause ein 0:1 gegen Ecuador nach frĂŒhem Gegentor (7’). Kolumbien lernte: Nicht jedes Spiel lĂ€sst sich drehen, aber es lĂ€sst sich ĂŒberstehen.

In der Schlussphase stabilisierte sich das Punktekonto wieder ĂŒber Remis und einzelne Ausrufezeichen: 2:2 gegen Paraguay, 0:0 gegen Peru, 1:1 in Argentinien. Und dann die beiden letzten Spieltage im September 2025 als dramaturgischer Doppelpack: 3:0 gegen Bolivien zuhause, 6:3 in Venezuela. Das war nicht nur rechnerische Absicherung, sondern auch ein Hinweis auf Kolumbiens Komfortzone: Wenn RĂ€ume da sind und das Spiel in Phasen kippt, kann Kolumbien sehr schnell sehr viel Schaden anrichten.

Tabelle 1: Partidos de Colombia

Datum Spieltag Gegner Ort Ergebnis TorschĂŒtzen Spielort
7. September 2023 1 Venezuela Zuhause 1:0 Borré 46' Stadion Metropolitano, Barranquilla
12. September 2023 2 Chile AuswÀrts 0:0 Stadion Monumental, Santiago
12. Oktober 2023 3 Uruguay Zuhause 2:2 RodrĂ­guez 35', Uribe 52' Stadion Metropolitano, Barranquilla
17. Oktober 2023 4 Ecuador AuswÀrts 0:0 Stadion Rodrigo Paz Delgado, Quito
16. November 2023 5 Brasilien Zuhause 2:1 DĂ­az 75', 79' Stadion Metropolitano, Barranquilla
21. November 2023 6 Paraguay AuswÀrts 1:0 Borré 11' pen. Stadion Defensores del Chaco, Asunción
6. September 2024 7 Peru AuswÀrts 1:1 Díaz 82' Stadion Nacional, Lima
10. September 2024 8 Argentinien Zuhause 2:1 Mosquera 25', RodrĂ­guez 60' pen. Stadion Metropolitano, Barranquilla
10. Oktober 2024 9 Bolivien AuswÀrts 0:1 Stadion Municipal, El Alto
15. Oktober 2024 10 Chile Zuhause 4:0 D. SĂĄnchez 34', DĂ­az 52', DurĂĄn 82', Sinisterra 90+3' Stadion Metropolitano, Barranquilla
15. November 2024 11 Uruguay AuswÀrts 2:3 Quintero 31', Gómez 90+6' Stadion Centenario, Montevideo
19. November 2024 12 Ecuador Zuhause 0:1 Stadion Metropolitano, Barranquilla
20. MÀrz 2025 13 Brasilien AuswÀrts 1:2 Díaz 41' Stadion Mané Garrincha, Brasilia
25. MĂ€rz 2025 14 Paraguay Zuhause 2:2 DĂ­az 1', DurĂĄn 13' Stadion Metropolitano, Barranquilla
6. Juni 2025 15 Peru Zuhause 0:0 Stadion Metropolitano, Barranquilla
10. Juni 2025 16 Argentinien AuswÀrts 1:1 Díaz 24' Stadion Monumental, Buenos Aires
4. September 2025 17 Bolivien Zuhause 3:0 RodrĂ­guez 31', CĂłrdoba 74', Quintero 83' Stadion Metropolitano, Barranquilla
9. September 2025 18 Venezuela AuswÀrts 6:3 Mina 10', Suårez 42', 50', 59', 67', Córdoba 78' Stadion Monumental, Maturín

Tabelle 2: Abschlusstabelle

Pos. Team Pkt. Sp. S U N Tore Gegentore Diff.
1 Argentinien 38 18 12 2 4 31 10 21
2 Ecuador 29 18 8 8 2 14 5 9
3 Kolumbien 28 18 7 7 4 28 18 10
4 Uruguay 28 18 7 7 4 22 12 10
5 Brasilien 28 18 8 4 6 24 17 7
6 Paraguay 28 18 7 7 4 14 10 4
7 Bolivien 20 18 6 2 10 17 35 -18
8 Venezuela 18 18 4 6 8 18 28 -10
9 Peru 12 18 2 6 10 6 21 -15
10 Chile 11 18 2 5 11 9 27 -18

Aus dieser Tabelle kann Kolumbien zwei Dinge mitnehmen. Erstens: Der Abstand zur Spitze war real, aber nicht demĂŒtigend. Zweitens: Das Mittelfeld war ein Pulk, in dem Details entschieden. Kolumbiens 28 erzielte Tore sind ein Statement, besonders im Vergleich zu Paraguay (14) oder Ecuador (14). Gleichzeitig sind 18 Gegentore solide, aber nicht elitĂ€r: Argentinien ließ nur 10 zu, Uruguay 12, Ecuador sogar nur 5. Kolumbien war also eher das Team mit dem grĂ¶ĂŸeren Offensivmotor als das mit dem absolut dichtesten Sicherheitsgurt.

Die Segmentierung nach Heim und AuswĂ€rts verstĂ€rkt dieses Bild. Zuhause kassierte Kolumbien in neun Spielen nur 5 Gegentore (Brasilien 1, Uruguay 2, Ecuador 1, Paraguay 2; plus vier Spiele ohne Gegentor). AuswĂ€rts dagegen 13 Gegentore in neun Spielen, inklusive des 3:6 in Venezuela. Offensiv ist es umgekehrt fast symmetrisch: 14 Heimtore, 14 AuswĂ€rtstore. Die Balance beim Toreschießen war da, die Balance im Verteidigen nicht im selben Maß.

Ein weiteres auffĂ€lliges Merkmal: Kolumbien spielte fĂŒnf Remis (0:0 oder 1:1) in der Qualifikation – Chile 0:0, Ecuador 0:0, Peru 1:1, Peru 0:0, Argentinien 1:1 – und gewann mehrere Spiele mit nur einem Tor Unterschied (Venezuela 1:0, Brasilien 2:1, Paraguay 1:0, Argentinien 2:1). Das deutet auf eine Mannschaft hin, die in knappen Partien nicht panisch wird, aber auch nicht immer den finalen Punch findet, um frĂŒhzeitig Ruhe zu bekommen.

Und dann gibt es die Ausreißer: 4:0 gegen Chile, 3:0 gegen Bolivien, 6:3 in Venezuela. In solchen Spielen wirkt Kolumbien nicht wie ein Team, das „durchkommt“, sondern wie eines, das den Gegner ĂŒberrollt, wenn es die erste Ritze findet. Der Weg war also nicht nur solide, sondern in Spitzenphasen sogar brutal effizient.

Wie sie spielen

Kolumbiens Spielbild lĂ€sst sich aus den Ergebnissen wie eine Landkarte lesen: Es ist ein Team, das selten komplett vom Plan abweicht, aber sehr wohl seine IntensitĂ€t je nach Kontext verĂ€ndert. In Barranquilla ist Kolumbien ein Team, das Spiele gerne in Wellen aufzieht: Anlaufen, Druckphase, Tor – und dann die Partie in kontrolliertere Bahnen bringen. Der Heimschnitt unterstĂŒtzt das: 6 Siege, 2 Remis, 1 Niederlage; 14:5 Tore. Das ist keine Zufallsverteilung, sondern eine klare HeimidentitĂ€t.

AuffĂ€llig ist auch, wie Kolumbien mit RĂŒckstĂ€nden umgeht. Gegen Brasilien (16. November 2023) geriet es frĂŒh in RĂŒckstand (4’) und gewann dennoch 2:1. Gegen Argentinien (10. September 2024) fiel nach der Pause der Ausgleich (48’), Kolumbien antwortete mit einem Elfmeter (60’) und hielt durch. Gegen Paraguay (25. MĂ€rz 2025) fĂŒhrte Kolumbien nach 13 Minuten 2:0, ließ aber zwei Gegentore zu und kam „nur“ zu einem 2:2. Das zeichnet kein Team, das immer souverĂ€n verwaltet, aber eines, das im Spiel Lösungen hat: Tore können aus verschiedenen Spielsituationen kommen, und das Team bleibt handlungsfĂ€hig.

Numerisch spricht vieles fĂŒr eine Mannschaft, die eher ĂŒber Offensivproduktion als ĂŒber defensive Nullnummern definiert ist: 28 Tore in 18 Spielen sind 1,56 Tore pro Spiel. Die 18 Gegentore ergeben exakt 1,00 Gegentor pro Spiel. Kolumbien gewann nicht, weil es jeden Gegner bei 0 hielt, sondern weil es insgesamt mehr Treffer produziert als es zulĂ€sst – ein Profil, das im Turnierfußball Chancen und Risiken zugleich trĂ€gt.

Die TorschĂŒtzenliste aus den Spielberichten deutet außerdem auf mehrere Endpunkte hin. Luis DĂ­az taucht als wiederkehrender Name auf: Tore gegen Brasilien (doppelt), Peru, Chile, Brasilien auswĂ€rts, Paraguay, Argentinien auswĂ€rts. Dazu kommen RodrĂ­guez, Quintero, CĂłrdoba, Mosquera, Mina, Sinisterra, DurĂĄn, BorrĂ© – Kolumbien hat in dieser Qualifikation nicht nur einen einzigen „Monopolisten“ des Tores, sondern eine breite Palette an BeitrĂ€gen. Das ist gerade in engen Gruppenspielen wichtig: Wenn der Hauptweg blockiert ist, kann ein zweiter oder dritter greifen.

Gleichzeitig zeigen die Gegentore, wo es wehtut: In drei AuswĂ€rtsspielen kassierte Kolumbien drei oder mehr Gegentore (Uruguay 3, Venezuela 3; und Uruguay zuhause immerhin 2). Dazu kam das spĂ€te 1:2 in Brasilien durch ein Gegentor in der Nachspielzeit (90+9’). Solche Momente erzĂ€hlen von Konzentrationsfenstern und von Spielphasen, in denen Kolumbien nicht sauber genug verteidigt, wenn der Gegner die letzte Welle bringt oder das Spiel in Richtung Chaos kippt.

Der Rhythmus der Ergebnisse lĂ€sst daher eine plausible „Kolumbien-Formel“ zu, ohne Taktik zu erfinden: Kolumbien ist am stĂ€rksten, wenn es Spiele in kontrollierter IntensitĂ€t hĂ€lt und dann in klaren Phasen zuspitzt. Es ist verwundbar, wenn das Spiel dauerhaft offen bleibt und die Absicherung nicht greift. Das 6:3 in Venezuela ist dafĂŒr das perfekte BeweisstĂŒck: fantastische Offensivproduktion, aber auch drei Gegentore – ein Match, das im Turnier je nach Tagesform als Befreiung oder als Warnsirene gelten kann.

Wenn man es in Turnierlogik ĂŒbersetzt: Kolumbien wirkt gebaut fĂŒr Spiele, die ĂŒber 90 Minuten „arbeiten“. Es hat die Geduld fĂŒr 0:0-Phasen, es hat das Feuer fĂŒr 3:0-Phasen – die große Aufgabe wird sein, nicht zu oft in jene Minuten zu geraten, in denen das Spiel unkontrolliert wird. Denn dort, das zeigen die AuswĂ€rtsspiele, verliert Kolumbien eher seine RĂ€nder als seine Mitte.

Die Gruppe bei der WM

Die WM-Gruppenphase wartet mit einer Mischung, die sich gut erzĂ€hlen lĂ€sst, weil sie in drei Akten funktioniert. Gruppe K bringt Kolumbien zunĂ€chst gegen Usbekistan, dann gegen einen noch nicht endgĂŒltig feststehenden Gegner aus dem interkontinentalen Play-off-Pfad, und schließlich gegen Portugal. Das ist ein Set-up, in dem die Dramaturgie fast von selbst entsteht: erst ein Spiel, in dem es um seriöses Ankommen geht, dann eines, in dem Kolumbien „seine“ Punkte erzwingen muss, und zum Schluss ein Duell, das die Gruppe in eine klare Ordnung bringen kann.

Der zweite Gegner ist dabei klar umrissen, auch ohne Namen: Rival por definirse, saldrĂĄ del repechaje internacional Llave A: Nueva Caledonia, Jamaica o RepĂșblica DemocrĂĄtica del Congo. Das ist keine Einladung zu Etiketten wie „leicht“ oder „schwer“, sondern zu einem Plan: Kolumbien muss dieses Spiel so anlegen, dass es nicht auf ZufĂ€lle hinauslĂ€uft. Je weniger die Partie in hektische ÜbergĂ€nge rutscht, desto nĂ€her kommt Kolumbien seiner Quali-IdentitĂ€t: kontrollierte Phasen, dann die Zuspitzung.

Die Reihenfolge der Spiele spielt Kolumbien auch psychologisch in die Karten. Erst die Standortbestimmung gegen Usbekistan im Stadion Azteca: großes Stadion, viel BĂŒhne, aber gleichzeitig ein Auftaktspiel, in dem NervositĂ€t oft grĂ¶ĂŸer ist als jede fußballerische Differenz. Kolumbien hat in der Quali mehrfach gezeigt, dass es mit 0:0-Phasen umgehen kann (Chile, Ecuador, Peru) – das ist fĂŒr Auftaktspiele Gold.

Dann Guadalajara: Kolumbien gegen den noch offenen Gegner. Hier wird der SchlĂŒssel sein, nicht nur „zu gewinnen“, sondern die Art des Spiels zu bestimmen. Kolumbiens Quali zeigt, dass es zuhause in Barranquilla besonders stabil verteidigte, aber das WM-Spiel wird neutral sein. Umso wichtiger: die Balance zwischen Angriffslust (Kolumbien kann Tore in Serie schießen) und Absicherung (Kolumbien kann in offenen Spielen Gegentore sammeln).

Und dann Miami gegen Portugal: ein Spiel, das nach Fußball riecht, nach Tempo, nach Momenten. Hier sollte Kolumbien nicht so tun, als mĂŒsse es zwingend dominieren. Kolumbien war in der Quali dann am besten, wenn es nicht permanent „alles“ kontrollieren wollte, sondern wenn es klug dosierte: mal zustechen, mal beruhigen, mal warten. Das 2:1 gegen Brasilien und das 2:1 gegen Argentinien waren genau solche Partien: nicht perfekt, aber zielgerichtet.

Tabelle: Spielplan Kolumbien in Gruppe K

Datum Stadion Stadt Gegner
17. Juni 2026 Stadion Azteca Ciudad de México Usbekistan
23. Juni 2026 Stadion Chivas Guadalajara Rival por definirse, saldrĂĄ del repechaje internacional Llave A: Nueva Caledonia, Jamaica o RepĂșblica DemocrĂĄtica del Congo.
27. Juni 2026 Hard Rock Stadium Miami Portugal

Partido por partido, mit vorsichtigem Blick und ohne fremde Legenden zu erfinden:

Erstes Spiel: Usbekistan vs. Kolumbien. Das wird ein Spiel, in dem Kolumbien vor allem seine eigene Temperatur finden muss. In der Qualifikation war Kolumbien selten ein Team, das sofort alles niederbrannte; es tastete sich oft in Spiele hinein und blieb auch ohne frĂŒhe FĂŒhrung stabil. Das spricht fĂŒr einen pragmatischen Ansatz: weniger Risiko in den ersten 20 Minuten, dann schrittweise mehr PrĂ€senz. Prognose: gana Colombia.

Zweites Spiel: Kolumbien vs. Rival por definirse, saldrĂĄ del repechaje internacional Llave A: Nueva Caledonia, Jamaica o RepĂșblica DemocrĂĄtica del Congo. Hier ist das Ziel klarer als der Name: Kolumbien braucht ein Spiel, das nicht in eine Lotterie kippt. Die Quali lieferte zwei Bilder als Warnung und Blaupause zugleich: das 0:1 in Bolivien als Beispiel dafĂŒr, wie ein Spiel ĂŒber Details verloren gehen kann, und das 3:0 gegen Bolivien als Beispiel dafĂŒr, wie Kolumbien einen Gegner ĂŒber Phasen zerlegt, wenn es die Kontrolle hat. Prognose: gana Colombia.

Drittes Spiel: Kolumbien vs. Portugal. Das ist das Match, in dem die Gruppe ihre Überschrift bekommt. Kolumbien sollte sich dabei an seinen besten großen Abenden orientieren: Brasilien zuhause geschlagen, Argentinien zuhause geschlagen, in Argentinien ein Remis geholt. Die Botschaft lautet: Kolumbien kann gegen Topnamen bestehen, wenn es defensiv nicht zu viele offene TĂŒren lĂ€sst. Die Gefahr liegt in spĂ€ten Momenten, wie beim 1:2 in Brasilien durch ein Gegentor in der Nachspielzeit. Prognose: empate.

SchlĂŒssel zur Gruppen-Qualifikation, aus Kolumbiens Quali-DNA abgeleitet:

  • Die ersten 30 Minuten jedes Spiels kontrollieren: Kolumbien kann warten, aber es darf nicht in Unordnung geraten.
  • Standards und Strafraumszenen erzwingen: viele Kolumbianische Treffer fielen nach klaren Aktionen und Druckphasen, nicht aus zufĂ€lligem Fernschussrausch.
  • Das Spiel nicht dauerhaft offen lassen: Kolumbiens beste Resultate kamen, wenn es Rhythmuswechsel dosierte.
  • Konzentration bis zum Abpfiff: spĂ€te Gegentore waren in der Quali ein wiederkehrender Schmerzpunkt.
  • Breite im Toreschießen nutzen: mehrere TorschĂŒtzen sind ein Turnier-Vorteil, wenn ein Spiel mal nicht „fĂŒr“ den Hauptmann lĂ€uft.

Leitartikel

Kolumbien hat sich diese WM nicht mit einer perfekten Symphonie erspielt, sondern mit einem guten GespĂŒr fĂŒr den nĂ€chsten Ton. 28 Punkte in dieser sĂŒdamerikanischen Tabelle sind kein Zufallsprodukt, schon gar nicht mit 28 geschossenen Toren. Das ist ein Team, das Spiele lesen kann: wann es ziehen muss, wann es parken darf, wann es lieber den Punkt einsammelt statt in eine Falle zu laufen. Und genau deshalb ist Kolumbien im Turnierformat gefĂ€hrlich: weil es nicht auf Schönheit angewiesen ist, um Wirkung zu erzeugen.

Trotzdem liegt die eigentliche WM-Frage nicht im Angriff, sondern in den Minuten, in denen Kolumbien glaubt, das Spiel sei bereits „in der Tasche“. Das 6:3 in Venezuela zeigt die Wucht, aber auch die Verwundbarkeit in offenen Phasen. Und das 1:2 in Brasilien mit einem Gegentor in der Nachspielzeit ist die nĂŒchterne Erinnerung: Gegen starke Gegner werden NachlĂ€ssigkeiten nicht bestraft, sie werden kassiert.

Wenn ich einen konkreten Warnhinweis an einem Spiel festmachen muss, dann ist es das 2:3 in Uruguay am 15. November 2024. Nicht wegen der Niederlage selbst, sondern wegen der Art, wie ein Spiel ĂŒber spĂ€te Momente kippen kann. Turniere sind voll von solchen Partien: 70 Minuten lang ist alles im Plan, und dann entscheidet ein einziger unaufgerĂ€umter Moment ĂŒber Wochen Arbeit.

Die gute Nachricht: Kolumbien hat in dieser Qualifikation nicht nur gelernt, wie man gewinnt, sondern auch, wie man ĂŒberlebt. Und manchmal ist genau das der Unterschied zwischen einer Mannschaft, die „Teilnehmer“ ist, und einer, die im Turnier plötzlich eine Geschichte schreibt, die man nicht mehr wegwischen kann.