Algerien - Grupo J

Argelien, die WĂŒste brennt und die Uhr tickt 🌍

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Ein Quali-Lauf mit klarer Handschrift: viele Tore, wenig ZugestÀndnisse und ein WM-Gruppe-J-Dreiklang, der prÀzise Vorbereitung verlangt.

EinfĂŒhrung

Argelien hat diese Qualifikation nicht „gespielt“, sondern erzĂ€hlt: als Abfolge kurzer, scharf geschnittener Szenen. Ein frĂŒhes Eigentor als TĂŒröffner, ein AuswĂ€rtssieg als Statement, ein RĂŒckschlag, der die Stimmung kurz kippen ließ – und dann, Spiel fĂŒr Spiel, das GefĂŒhl, dass diese Mannschaft gelernt hat, wie man in Afrika Punkte sammelt, ohne sich im Staub zu verlieren. Es ist der Stoff, aus dem solide Endrunden-Teams gemacht sind: weniger Glamour, mehr Kontrolle ĂŒber die entscheidenden Momente.

Wer die zehn Spiele nebeneinanderlegt, sieht keine perfekte Gerade, aber eine sehr klare Richtung. Argelien gewinnt nicht nur hĂ€ufig, es gewinnt in unterschiedlichen Kontexten: Zuhause dominant, auswĂ€rts pragmatisch; mal frĂŒh, mal spĂ€t; mal durch breite TorschĂŒtzenlisten, mal ĂŒber einen Mann, der in den richtigen Wochen plötzlich alles trifft. Das ist kein Zufall, sondern ein Muster, das sich ĂŒber Runden und Phasen hinweg wiederholt.

Der Blick auf die Zahlen erdet die ErzĂ€hlung: Platz 1 in Gruppe G mit 25 Punkten aus 10 Spielen, bei 8 Siegen, 1 Remis und 1 Niederlage. 24 Tore erzielt, 8 kassiert, Tordifferenz +16. Das ist nicht nur „gut“, das ist in einer Quali-Gruppe ein klares Machtwort: im Schnitt 2,4 Treffer pro Partie, bei 0,8 Gegentoren. Dazu kommt ein wichtiger psychologischer Wert: Argelien hat sich von seinem einzigen Stolperstein nicht verschlucken lassen, sondern ihn verdaut.

Es gab dabei mehrere Scharnierspiele, an denen die Kampagne hing. Am 16. November 2023 beginnt alles mit einem 3:1 gegen Somalia: ein Eigentor in Minute 2 als Startsignal, danach Bounedjah und Slimani, ein typischer Auftakt mit „Pflicht erfĂŒllt, aber nicht ohne Warnlampe“, weil Somalia immerhin einmal trifft. Drei Tage spĂ€ter, am 19. November 2023, folgt das erste Ausrufezeichen auswĂ€rts: 2:0 in Mosambik, ChaĂŻbi und Zerrouki treffen spĂ€t – ein Spiel, das den Ton setzt, wie Argelien auf Reisen Punkte einsammelt.

Das eigentliche Drehbuch bekommt seinen Spannungsbogen aber am 6. Juni 2024, als zuhause gegen Guinea eine 1:2-Niederlage steht – der einzige Nuller. Und genau dort zeigt sich, ob eine Mannschaft nur Talent hat oder auch Richtung: Vier Tage spĂ€ter, am 10. Juni 2024, gewinnt Argelien 2:1 in Uganda, dreht nach frĂŒhem Gegentor durch Aouar und Benrahma. SpĂ€ter, am 14. Oktober 2025, schreibt das Team sein dramatischstes Kapitel: 2:1 gegen Uganda mit zwei Elfmetern in der 81. und 90+9. Minute. Wer so gewinnt, hat nicht nur QualitĂ€t – sondern auch die Nerven, die man in einem Turnier braucht.

Der Weg durch die Qualifikation

Die Rahmenhandlung ist klar benennbar, auch ohne große Theorie: Es ging in der CAF-Qualifikation ĂŒber eine Gruppenphase in Gruppe G, in der Argelien zehn Spieltage absolvierte. Der Tabellenplatz entscheidet ĂŒber die Endabrechnung dieser Runde, und Argelien steht ganz oben. Die Mannschaft hat sich im Verlauf der Spieltage eine Mischung aus Angriffswucht und Schadensbegrenzung aufgebaut, die in Zahlen sichtbar wird: 25 Punkte, acht Siege, nur eine Niederlage.

Die Tabelle zeigt zudem, wie eng die Verfolger zeitweise im RĂŒckspiegel standen: Uganda und Mosambik kommen beide auf 18 Punkte, Guinea auf 15. Das Entscheidende ist nicht nur der Vorsprung in Punkten, sondern die Art, wie Argelien ihn verteidigt: 24:8 Tore sind ein Paket aus Offensivproduktion und relativ sauberer Defensive. Uganda (14:9) und Mosambik (14:17) markieren dabei die Konturen: Uganda ist solide und vergleichsweise stabil, Mosambik offensiv ordentlich, defensiv aber deutlich offener. Guinea (11:8) wiederum wirkt in den Zahlen wie das Team der knappen Spiele – und war ausgerechnet gegen Argelien der Spielverderber.

Ein Blick auf den Weg in Etappen hilft, das Ganze zu verstehen. Phase eins: der Start im November 2023. Argelien gewinnt zweimal, einmal mit Pflichtcharakter (3:1 gegen Somalia), einmal mit Reifecharakter (2:0 auswĂ€rts in Mosambik). Phase zwei: Juni 2024, der Bruch und die Antwort. Das 1:2 gegen Guinea zuhause ist ein Warnsignal: ein Eigentor bringt Argelien zwar in FĂŒhrung, aber Guinea dreht das Spiel. Vier Tage spĂ€ter die Reparatur auswĂ€rts: 2:1 in Uganda, ein Ergebnis, das in Afrika oft mehr wert ist als eine schöne Ballbesitzgrafik.

Phase drei: MĂ€rz 2025, der Moment, in dem aus einer guten Quali eine sehr gute wird. Erst ein 3:1 in Botsuana am 21. MĂ€rz 2025, dann am 25. MĂ€rz 2025 ein 5:1 gegen Mosambik. Dieses 5:1 ist nicht nur ein hoher Sieg, es ist ein Signal an die Gruppe: Wenn Argelien zu Hause ins Rollen kommt, kann es schnell kippen. Besonders auffĂ€llig: Amoura trifft dreifach (8', 30', 80'), dazu Mandi und Hadjam. Das liest sich wie ein Spiel, in dem Standards, zweite BĂ€lle und StrafraumprĂ€senz zusammengefallen sind – ohne dass man dafĂŒr eine Taktiktafel bemĂŒhen muss.

Phase vier: Herbst 2025, die professionelle Abwicklung. 3:1 gegen Botsuana, 0:0 in Guinea, 3:0 „auswĂ€rts“ gegen Somalia (Sede: Miloud Hadefi), dann das bereits erwĂ€hnte 2:1 gegen Uganda mit spĂ€tem Drama. Hier sieht man zwei QualitĂ€ten, die selten gleichzeitig auftreten: Argelien kann Spiele kontrollieren, ohne sie zu verlieren (0:0 in Guinea), und es kann Spiele gewinnen, wenn sie zĂ€h und nervös werden (Uganda zuhause mit zwei spĂ€ten Elfmetern).

Tabelle 1: Argelien Spiele in der Qualifikation

Datum Gruppe Spieltag Gegner Spielort Ergebnis TorschĂŒtzen Stadion
16. November 2023 G 1 Somalia Heim 3:1 Abdi 2' (ET), Bounedjah 31', Slimani 80'; Ahmed 65' Stadion Nelson Mandela
19. November 2023 G 2 Mosambik AuswÀrts 0:2 Chaïbi 69', Zerrouki 80' Stadion do Zimpeto
6. Juni 2024 G 3 Guinea Heim 1:2 Baldé 52' (ET); M. Sylla 50', A. Camara 63' Stadion Nelson Mandela
10. Juni 2024 G 4 Uganda AuswÀrts 1:2 Mutyaba 10'; Aouar 46', Benrahma 58' Stadion Nacional Nelson Mandela
21. MÀrz 2025 G 5 Botsuana AuswÀrts 1:3 Kopelang 70'; Gouiri 44', Amoura 52', 74' Stadion Obed Itani Chilume
25. MĂ€rz 2025 G 6 Mosambik Heim 5:1 Amoura 8', 30', 80', Mandi 24', Hadjam 65'; Catamo 40' Stadion Hocine-AĂŻt-Ahmed
4. September 2025 G 7 Botsuana Heim 3:1 Amoura 33', Bounedjah 71', 90+6'; Kopelang 43' Stadion Hocine-AĂŻt-Ahmed
8. September 2025 G 8 Guinea AuswÀrts 0:0 Stadion Mohammed V (Casablanca)
9. Oktober 2025 G 9 Somalia AuswÀrts 0:3 Amoura 7', 57', Mahrez 19' Stadion Miloud Hadefi
14. Oktober 2025 G 10 Uganda Heim 2:1 Amoura 81' (Elfm.), 90+9' (Elfm.); Mukwala 6' Stadion Hocine-AĂŻt-Ahmed

Aus dieser Liste lassen sich mehrere belastbare Kennzahlen ableiten. Erstens: HeimstĂ€rke. In den fĂŒnf Heimspielen (Somalia, Guinea, Mosambik, Botsuana, Uganda) holt Argelien vier Siege bei einer Niederlage, mit 16:6 Toren. Das ist ein Schnitt von 3,2 eigenen Toren pro Heimspiel – eine Zahl, die Gegner zu defensiven MatchplĂ€nen zwingt, bevor der Ball ĂŒberhaupt rollt.

Zweitens: AuswĂ€rtsreife. In fĂŒnf AuswĂ€rtsspielen (Mosambik, Uganda, Botsuana, Guinea, Somalia) bleibt Argelien ungeschlagen: vier Siege, ein Remis. Tore: 8:2. Das ist nicht spektakulĂ€r, aber es ist genau die Art Bilanz, die Qualifikationen entscheidet. Besonders auffĂ€llig: In diesen fĂŒnf Partien fĂ€llt nur einmal mehr als ein Gegentor – nĂ€mlich nie. AuswĂ€rts kassiert Argelien maximal ein Tor, und das auch nur in Uganda und Botsuana. Das ist das Profil eines Teams, das seine „Mindestleistung“ im Griff hat.

Drittens: Der Sieg mit einem Tor Abstand ist bei Argelien eher die Ausnahme als die Regel, aber er kommt zu den richtigen Zeiten. Drei Siege enden 2:1 (in Uganda), 3:1 ist zwar zwei Tore Abstand, aber spielerisch oft die Kategorie „kontrolliert mit Gegentor“. Das wirklich knappe Spiel ist das 2:1 gegen Uganda zuhause, das erst durch spĂ€te Elfmeter gedreht wird. Dass Argelien dieses Spiel nicht wegwirft, ist ein Punkt fĂŒr die mentale StabilitĂ€t.

Tabelle 2: Tabelle Gruppe G

Pos. Team Pkt. Sp. S U N Tore Gegentore Diff.
1 Argelien 25 10 8 1 1 24 8 +16
2 Uganda 18 10 6 0 4 14 9 +5
3 Mosambik 18 10 6 0 4 14 17 −3
4 Guinea 15 10 4 3 3 11 8 +3
5 Botsuana 10 10 3 1 6 12 16 −4
6 Somalia 1 10 0 1 9 3 20 −17

Der Abstand nach unten erklĂ€rt sich nicht nur ĂŒber Punkte, sondern ĂŒber Torprofile. Uganda und Mosambik haben jeweils 14 Tore, Argelien 24: ein Plus von zehn Treffern gegenĂŒber den direkten Verfolgern. Und wĂ€hrend Uganda eine positive Differenz (+5) hĂ€lt, geht Mosambik trotz gleicher Punktzahl mit −3 aus der Gruppe. Das ist ein indirekter Hinweis darauf, dass Mosambik Spiele „offen“ hĂ€lt – und Argelien genau solche Teams bestrafen kann, wie das 5:1 zeigt.

Gegen Guinea wiederum entsteht ein interessantes Bild: Guinea hat mit 8 Gegentoren die zweitbeste Defensive der Gruppe, sogar gleichauf mit Argelien. Und genau gegen diese Mannschaft kommt Argelien einmal nicht durch (0:0 auswĂ€rts) und einmal sogar unter die RĂ€der (1:2 zuhause). Das wirkt wie ein stilistischer Reibungspunkt: Teams, die kompakt bleiben und ihre Momente sauber ausspielen, können Argelien wehtun – nicht regelmĂ€ĂŸig, aber spĂŒrbar.

Wie sie spielen

Argelien spielt in dieser Qualifikation vor allem „ergebnislogisch“. Das meint nicht: defensiv oder langweilig. Es meint: Das Team produziert Tore, aber es verliert selten die Kontrolle ĂŒber den Spielzustand. Die 24 erzielten Treffer verteilen sich auf Spiele mit klaren AusschlĂ€gen (5:1 gegen Mosambik) und auf Spiele, in denen zwei Tore reichen (2:0 in Mosambik, 2:1 in Uganda). Diese Bandbreite ist ein Indikator dafĂŒr, dass Argelien nicht an einen einzigen Spielplan gekettet ist, sondern aus dem Spiel heraus Lösungen findet.

Die defensiven Zahlen sind dabei der stabile Unterbau. 8 Gegentore in 10 Partien: Das sind nicht nur „wenige“, sondern eine bemerkenswerte Konstanz ĂŒber Heim- und AuswĂ€rtsspiele. AuswĂ€rts sind es sogar nur 2 Gegentore in fĂŒnf Spielen. Und das Remis in Guinea (0:0) zeigt eine weitere FĂ€higkeit: Wenn das Spiel nicht „aufgeht“, kann Argelien es einfrieren, ohne nervös zu werden. Ein 0:0 ist in Quali-Kontext oft eine Niederlage mit besserem PR – hier ist es ein kontrollierter Punkt.

Das Tempo der Spiele lĂ€sst sich ebenfalls aus den Ergebnissen lesen. Argelien hat mehrere Partien, in denen frĂŒh etwas passiert: Somalia-Eigentor in Minute 2, Amoura trifft gegen Mosambik in Minute 8, gegen Somalia fĂ€llt das 0:1 schon in Minute 7. Das sind Startmomente, die Spiele strukturieren. Wenn Argelien frĂŒh fĂŒhrt, wird es fĂŒr Gegner doppelt unangenehm: Sie mĂŒssen öffnen, und Argelien kann nachlegen. Deshalb wirken die hohen Ergebnisse nicht wie Zufall, sondern wie Konsequenz aus einem Spielverlauf, der frĂŒh in die gewĂŒnschte Richtung kippt.

Im Zentrum dieser Quali steht klar ein Name als Produktionsmaschine: Amoura. Seine Treffer tauchen in SchlĂŒsselspielen auf und oft mehrfach: zwei Tore in Botsuana (52', 74'), drei gegen Mosambik (8', 30', 80'), dazu gegen Botsuana zuhause (33'), drei gegen Somalia (7', 57') plus die spĂ€ten Elfmeter gegen Uganda (81', 90+9'). Das ist mehr als „Form“: Es ist eine Phase, in der ein Spieler den Unterschied zwischen souverĂ€n und ĂŒberdeutlich ausmacht. Gleichzeitig zeigt die Liste, dass Argelien nicht komplett monokausal ist: Auch Bounedjah, Slimani, Gouiri, Mahrez, Aouar, Benrahma, ChaĂŻbi, Zerrouki sowie Mandi und Hadjam stehen als TorschĂŒtzen. Der Angriff hat also mehrere TĂŒren, aber eine besonders breite.

Die Verletzbarkeit zeigt sich nicht in einer Flut von Gegentoren, sondern in spezifischen Spielsituationen: gegen Guinea zuhause kippt das Spiel nach dem 1:0 durch Eigentor nicht zugunsten Argelien, sondern in die andere Richtung. Und gegen Uganda zuhause muss Argelien ein frĂŒhes Gegentor (6. Minute) drehen – gelingt erst spĂ€t per Elfmeter. Das deutet auf eine mögliche Problemzone hin: Wenn der Gegner in FĂŒhrung geht und sehr kompakt bleibt, kann Argelien lĂ€nger brauchen, um die Partie zu knacken. Dass es am Ende trotzdem gelingt, ist ein Plus. Aber der Preis ist sichtbar: hohe mentale und spielerische Konzentration bis in die Nachspielzeit.

Die Gruppe bei der WM

In der WM-Gruppenphase wartet auf Argelien Gruppe J – und die Dramaturgie ist sauber getaktet. Erst ein Spiel gegen Argentinien, dann gegen Jordanien, zum Abschluss gegen Österreich. Zwei Spiele in Kansas City im Arrowhead Stadium, dazwischen San Francisco im Levi's Stadium. Das ist logistisch kein Geschenk, aber auch keine Reise, die das Turnier zerfrisst: zwei Standorte, ein Rhythmus, der planbar ist.

Die drei Gegner bringen vor allem unterschiedliche Spieltypen in die Gruppe, und genau darin liegt die Herausforderung: Argelien wird nicht dreimal dieselbe Aufgabe lösen können. Was aus den Quali-Zahlen jedoch Hoffnung macht, ist die FĂ€higkeit zur Anpassung: Argelien kann Spiele „kurz“ halten (0:0 in Guinea), es kann auswĂ€rts stabil gewinnen (2:0 in Mosambik, 3:1 in Botsuana), und es kann zuhause Gegner ĂŒberrollen (5:1 gegen Mosambik). Eine WM-Gruppe verlangt genau dieses Umschalten zwischen Geduld und Durchschlagskraft.

Der Auftakt gegen Argentinien ist das Spiel, das die Statik der Gruppe sofort beeinflusst. FĂŒr Argelien ist das weniger eine Frage des „Mutig seins“, sondern der Spielökonomie: nicht frĂŒh in RĂŒckstand geraten, keine offenen RĂ€ume verschenken, die Partie lange im Bereich eines knappen Resultats halten. Die Quali gibt dafĂŒr ein Argument: AuswĂ€rts ließ Argelien in fĂŒnf Spielen nur zwei Gegentore zu und blieb ungeschlagen. Das ist keine Garantie, aber ein Stilmittel: StabilitĂ€t zuerst, Chancen nehmen, wenn sie kommen.

Das zweite Spiel gegen Jordanien wirkt wie der klassische Wendepunkt einer Dreiergruppe: Nach dem Auftakt ist entweder Druck da oder RĂŒckenwind. Hier wird Argelien darauf angewiesen sein, seine Torproduktion nicht nur als Ereignis, sondern als Routine zu aktivieren. Die Zahlen zeigen, dass das Team dazu fĂ€hig ist: 24 Tore in 10 Quali-Spielen, also hĂ€ufig genug mehr als ein Treffer. Gerade wenn Spiele nicht von selbst aufgehen, kann ein frĂŒher Treffer – wie mehrfach in der Quali – der SchlĂŒssel sein, um Kontrolle zu gewinnen.

Zum Abschluss wartet Österreich. In Dreiergruppen ist das dritte Spiel oft das RechenstĂŒck, in dem ein Punkt Gold oder Blei sein kann. Argelien hat in der Quali genau solche Partien erlebt: 0:0 in Guinea als kontrollierte Nullnummer, 2:1 gegen Uganda als spĂ€te, nervöse Lösung. Das Team kennt beide Enden des Spektrums: „nichts zulassen“ und „bis zur letzten Minute dranbleiben“. Genau diese Erfahrung kann in einem Gruppenfinale helfen, in dem die Nerven lauter sind als die Beine.

Tabelle: Argelien Spiele in Gruppe J

Datum Stadion Stadt Gegner
16. Juni 2026 Arrowhead Stadium Kansas City Argentinien
22. Juni 2026 Levi's Stadium San Francisco Jordanien
27. Juni 2026 Arrowhead Stadium Kansas City Österreich

Spiel fĂŒr Spiel mit klarer Prognose, ohne Orakelgestus:

    1. Juni 2026: Argentinien vs. Argelien Erwartetes Skript: Argelien wird darauf achten, das Spiel nicht frĂŒh zu öffnen und seine AuswĂ€rtsstabilitĂ€t als Schutzschild zu nutzen. Die Partie dĂŒrfte ĂŒber Phasen ein Geduldsspiel werden, in dem Argelien auf wenige, aber klare Momente setzt. Prognose: gewinnt Argentinien.
    1. Juni 2026: Jordanien vs. Argelien Erwartetes Skript: Hier wird Argelien stĂ€rker auf seinen eigenen Rhythmus drĂ€ngen mĂŒssen: Tempo im Abschluss, Standards sauber, und vor allem: den ersten Treffer suchen, um das Spiel zu strukturieren. Die Quali-Daten sprechen dafĂŒr, dass Argelien diese Art Spiel hĂ€ufig lösen konnte. Prognose: gewinnt Argelien.
    1. Juni 2026: Argelien vs. Österreich Erwartetes Skript: Ein Spiel, das je nach Tabellenlage zwischen „kontrolliert“ und „zwingend“ pendeln kann. Argelien hat beides gezeigt: ein 0:0 als disziplinierte Leistung und ein spĂ€tes 2:1 als NervenprĂŒfung. Entscheidend wird sein, nicht in Hektik zu geraten, falls das Tor lange ausbleibt. Prognose: empate.

SchlĂŒssel zur Qualifikation aus Gruppe J, aus Argelien-Perspektive:

  • Den Start ĂŒberleben: nicht frĂŒh ins Hinterherlaufen geraten, besonders im ersten Gruppenspiel.
  • Die eigene Torquote ins Turnier tragen: mindestens ein Spiel mit zwei Treffern ist oft der Unterschied zwischen Rechnen und Feiern.
  • AuswĂ€rtsmodus aktivieren: das Quali-Profil „wenig zulassen“ muss in den neutralen WM-Rahmen ĂŒbersetzt werden.
  • SpĂ€te Phasen gewinnen: die Erfahrung aus dem 2:1 gegen Uganda mit Treffern in der 81. und 90+9. Minute ist ein mentaler Referenzpunkt.
  • Gegen kompakte Gegner geduldig bleiben: Guinea hat gezeigt, dass Argelien nicht automatisch jedes Bollwerk knackt.

Leitartikel

Argelien hat diese Qualifikation nicht durch ein einziges großes Versprechen gewonnen, sondern durch eine Summe kleiner, harter Wahrheiten: auswĂ€rts nicht verlieren, zuhause Druck machen, und im Zweifel einen Spieler haben, der Tore wie Stempel in einen Pass drĂŒckt. Die 25 Punkte und das 24:8 sind keine Dekoration, sie sind das Protokoll einer Mannschaft, die den Wert von Kontrolle verstanden hat. Und Kontrolle ist in Turnieren oft die heimliche WĂ€hrung, mit der man sich Zeit kauft – Zeit, bis der eigene Moment kommt.

Der WM-Haken ist aber ebenso klar: Es reicht nicht, solide zu sein, wenn ein Spiel in eine unangenehme Statik kippt. Guinea hat Argelien zuhause mit 2:1 gezeigt, wie schnell ein Match trotz FĂŒhrung aus den HĂ€nden gleiten kann. Und Uganda hat im letzten Gruppenspiel der Quali gezeigt, wie sehr Kleinigkeiten den Puls nach oben treiben können, wenn man frĂŒh zurĂŒckliegt und erst spĂ€t dreht. Wer in einer WM-Gruppe ĂŒberleben will, darf diese beiden Lektionen nicht als Fußnote behandeln, sondern als Warnschild.

Am Ende bleibt ein Bild, das sich gut merken lĂ€sst: Argelien ist nicht das Team, das permanent „zaubert“, sondern das Team, das in zehn Quali-Spielen achtmal den richtigen Hebel gefunden hat. Die Schlussminute gegen Uganda am 14. Oktober 2025 – Elfmeter in der 90+9. – ist dafĂŒr das beste Symbol: nicht schönreden, nicht abkĂŒrzen, sondern weiterspielen, bis die TĂŒr aufgeht. Genau so gewinnt man in Afrika Gruppen. Und genau so kann man auch bei einer WM eine Gruppe ĂŒberstehen – wenn man die Geduld behĂ€lt, bevor die Ungeduld das Spiel ĂŒbernimmt.