Jordanien - Grupo J
đŻđŽđ„ Jordanien, der hartnĂ€ckige Herausforderer auf der gröĂten BĂŒhne đâœ
Eine Quali voller Wendepunkte, ein Team mit Sinn fĂŒr enge Spiele â und eine WM-Gruppe, die sofort Tempo verlangt.
EinfĂŒhrung
Es gibt Nationalteams, die sich mit Glanz ankĂŒndigen. Jordanien kĂŒndigt sich anders an: mit Widerstandskraft, mit dem langen Atem in spĂ€ten Minuten und mit dieser speziellen Sturheit, die Spiele nicht sterben lĂ€sst, selbst wenn sie schon kippen. Man kann das romantisch verklĂ€ren â oder man kann es schlicht als Kompetenz lesen. Denn wer in Asien durch mehrere Qualifikationsrunden marschiert, lernt zuerst das Ăberleben, dann das Gewinnen.
Der Weg in Richtung Weltmeisterschaft war fĂŒr Jordanien kein sauberer Sprint, eher ein Staffellauf mit wechselnden Rhythmen: mal ein kontrolliertes 3:0, mal ein wuchtiges 7:0, dann wieder ein 0:0, das wie ein taktischer Kompromiss schmeckt. Das Team wirkte dabei selten nervös, aber immer aufmerksam â als hĂ€tte es akzeptiert, dass die Qualifikation nicht mit einem einzigen groĂen Abend entschieden wird, sondern in Summe aus vielen kleinen, richtig gelösten Aufgaben.
Wenn man die Zahlen sprechen lĂ€sst, entsteht ein klares Bild: In der zweiten Runde gewann Jordanien seine Gruppe G mit 13 Punkten aus 6 Spielen, bei 16:4 Toren und +12 Differenz. SpĂ€ter, in der dritten Runde in Gruppe B, folgten 16 Punkte aus 10 Spielen, 16:8 Tore und +8 Differenz â ein Profil, das eher nach StabilitĂ€t als nach Spektakel klingt. Und doch: Wer 7:0 gewinnt, besitzt eine zweite, lautere Tonlage.
Die Quali hatte ihre Scharniere, diese Momente, in denen eine Kampagne den Charakter wechselt. Am 16. November 2023 holte Jordanien in Duschanbe ein 1:1 gegen Tadschikistan â mit dem Ausgleich in der Nachspielzeit (Samiev 89â fĂŒr Tadschikistan, Al-Naimat 90+3â fĂŒr Jordanien). Ein Punkt, der sich wie eine kleine Botschaft anfĂŒhlte: Diese Mannschaft fĂ€llt nicht um, sie bleibt stehen. Am 21. November 2023 folgte zuhause ein 0:2 gegen Saudi-Arabien â ein frĂŒhes Gegentor, ein zweites schnell hinterher, und plötzlich war klar, dass nicht alles leicht werden wĂŒrde. Und dann, als die dritte Runde lĂ€ngst die gröĂere BĂŒhne war, kam am 10. Juni 2025 das 0:1 zuhause gegen Irak: ein einzelner Treffer in Minute 77, der Jordanien nicht aus dem Rennen warf, aber den Preis jeder Unachtsamkeit unterstrich.
Zwischen diesen Punkten liegt eine ErzĂ€hlung, die Jordanien inzwischen gut beherrscht: Druck erzeugen, wenn es nötig ist; Geduld zeigen, wenn es keine AbkĂŒrzung gibt; und im Zweifel ĂŒber individuelle Durchschlagskraft lösen â vor allem ĂŒber Spieler, die wiederkehrend auf dem Spielbericht auftauchen. Das ist nicht immer schön, aber oft effizient. Und Effizienz ist in Qualifikationen eine eigene Ăsthetik.
Der Weg durch die Qualifikation
Der asiatische Qualifikationsweg fĂŒr die Weltmeisterschaft ist ein mehrstufiges System, das Teams nicht nur sortiert, sondern regelrecht prĂŒft: In der zweiten Runde spielen Gruppen, deren Top-2 weiterkommen; in der dritten Runde werden die verbleibenden Teams in gröĂere Gruppen verteilt, und die besten zwei qualifizieren sich direkt fĂŒr die WM, wĂ€hrend die PlĂ€tze dahinter in weitere Playoff-Phasen gehen. FĂŒr Jordanien bedeutete das: erst die solide Arbeit im Viererfeld, dann die harte, lĂ€ngere Distanz in der Sechsergruppe â und dort der direkte Durchbruch ĂŒber Platz 2.
Was in den Tabellen sofort auffĂ€llt: Jordanien hat seine Kampagnen nicht ĂŒber eine Torlawine definiert, sondern ĂŒber Kontrolle und Schadensbegrenzung. 16 Gegentore in zwei groĂen Gruppenphasen zusammen? Nein: Es waren 4 Gegentore in der zweiten Runde und 8 in der dritten â insgesamt also 12 Gegentreffer ĂŒber 16 Gruppenspiele in diesen beiden Abschnitten. Das ist ein Wert, der selten zufĂ€llig entsteht. Gleichzeitig war die Offensive in der dritten Runde nicht ĂŒberragend, aber verlĂ€sslich: 16 Tore in 10 Spielen, also im Schnitt 1,6 pro Partie.
Die zweite Runde in Gruppe G war die klassische Aufgabe: Favoritenrolle annehmen, ohne sich zu verheben. Jordanien holte 13 Punkte (4 Siege, 1 Remis, 1 Niederlage) bei 16:4 Toren. Bemerkenswert: Saudi-Arabien hatte ebenfalls 13 Punkte, Jordanien stand dennoch auf Rang 1 â die Kampagne war also kein Spaziergang, sondern ein enges Rennen. Das 0:2 gegen Saudi-Arabien zuhause war der Stachel, der die Gruppe zunĂ€chst kompliziert machte. Umso wertvoller wurde der AuswĂ€rtssieg am 11. Juni 2024 in Riad: 2:1 bei Saudi-Arabien, gedreht nach frĂŒhem RĂŒckstand. Das ist nicht nur ein Ergebnis â das ist ein Qualifikationsmoment.
Dann kam die dritte Runde, Gruppe B: Korea Republik vorneweg, dahinter ein Pulk, der um die entscheidenden Punkte kĂ€mpfte. Jordanien schloss mit 16 Punkten als Zweiter ab, nur einen Punkt vor Irak (15). Das klingt nach Spannung, und genau so spielte es sich: Remis, knappe Siege, ein AuswĂ€rtspunkt in Suwon gegen Korea Republik (1:1) â und am Ende eine Heimniederlage gegen Irak, die nicht alles zerstörte, aber deutlich machte, wie dĂŒnn die Linie zwischen direktem Ticket und Umweg sein kann.
Die Statik dieser Gruppe lĂ€sst sich sehr konkret beschreiben: Jordanien war nie dominant wie ein unantastbarer Gruppenkönig, aber fast immer kompetent genug, um nicht abzustĂŒrzen. 4 Siege, 4 Remis, 2 Niederlagen â ein Profil mit Sicherheitsnetz. Und dennoch gab es die Ausrufezeichen: 4:0 gegen Oman, 3:0 auswĂ€rts in Maskat, 3:1 gegen PalĂ€stina. Diese Resultate sind nicht nur Punkte, sie sind auch TorverhĂ€ltnis-Polster â in Gruppen, in denen am Ende oft genau solche Details zĂ€hlen.
Taktisch im engeren Sinn lĂ€sst sich aus den Daten keine Formation herauslesen â aber die Dramaturgie der Spiele liefert Indizien ĂŒber PrioritĂ€ten. Jordanien gewann mehrere Partien mit kontrollierter Deutlichkeit (3:0, 4:0, 3:1), hatte aber auch eine starke Tendenz zu engen Enden (1:1, 0:0, 0:1). Das deutet auf eine Mannschaft hin, die bereit ist, Spiele auch âkleinâ zu halten, wenn es dem Tabellenbild dient.
Und dann ist da noch die Heim- und AuswĂ€rts-Spaltung, die in Qualis immer ein PrĂŒfstein ist. Jordanien zeigte auswĂ€rts in dieser Phase nicht nur Widerstand, sondern auch Punch: 3:0 in Pakistan, 2:1 in Saudi-Arabien (zweite Runde), 3:0 in Oman, 3:1 gegen PalĂ€stina auf neutralem Boden in Kuala Lumpur, dazu ein 1:1 bei Korea Republik und ein 0:0 in Basra gegen Irak. Das sind Ergebnisse, die die Reisebelastung nicht als Ausrede zulassen. Gleichzeitig gab es zuhause die Momente, in denen der Motor stockte: 0:2 gegen Saudi-Arabien, 0:2 gegen Korea Republik, 0:1 gegen Irak. HeimstĂ€rke ist also nicht das einzige Fundament â Jordanien kann auch in fremder Umgebung Punkte âarbeitenâ.
Tabelle 1: Partien Jordanien in der Qualifikation
| Datum | Gruppe | Jornada | Gegner | Ort | Ergebnis | TorschĂŒtzen | Spielort |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 16. November 2023 | G | Tadschikistan | AuswÀrts | 1:1 | Tadschikistan: Samiev 89'. Jordanien: Al-Naimat 90+3'. | Stadion Pamir, Dusambé | |
| 21. November 2023 | G | Saudi-Arabien | Heim | 0:2 | Saudi-Arabien: Al-Shehri 8', 30'. | Stadion Internacional, AmĂĄn | |
| 21. MÀrz 2024 | G | Pakistan | AuswÀrts | 0:3 | Jordanien: Al-Tamari 2', 86', Olwan 9' pen. | Stadion Jinnah Sports, Islamabad | |
| 26. MĂ€rz 2024 | G | Pakistan | Heim | 7:0 | Jordanien: Al-Taamari 15', 62', 79', Al-Naimat 28', Al-Rosan 52', Olwan 75', Abu Zraiq 83'. | Stadion Internacional, AmĂĄn | |
| 6. Juni 2024 | G | Tadschikistan | Heim | 3:0 | Jordanien: Olwan 51', Al-Naimat 68', Sadeh 90+4'. | Stadion Internacional, AmĂĄn | |
| 11. Juni 2024 | G | Saudi-Arabien | AuswÀrts | 1:2 | Saudi-Arabien: Lajami 16'. Jordanien: Olwan 27', Al-Rawabdeh 45+2'. | Stadion KSU, Riad | |
| 5. September 2024 | B | 1 | Kuwait | Heim | 1-1 | Jordanien: Al-Tamari 14'. Kuwait: Al-Sulaiman 90+2' pen. | Stadion Internacional, AmĂĄn |
| 10. September 2024 | B | 2 | PalÀstina | AuswÀrts | 1-3 | PalÀstina: Ali 41'. Jordanien: Al-Naimat 5', 50', Al-Rawabdeh 72'. | Stadion Kuala Lumpur, Kuala Lumpur |
| 10. Oktober 2024 | B | 3 | Korea Republik | Heim | 0-2 | Korea Republik: Lee Jae-sung 38', Oh Hyeon-gyu 68'. | Stadion Internacional, AmĂĄn |
| 15. Oktober 2024 | B | 4 | Oman | Heim | 4-0 | Jordanien: Al-Naimat 26', 54', Olwan 49' pen., 87'. | Stadion Internacional, AmĂĄn |
| 14. November 2024 | B | 5 | Irak | AuswÀrts | 0-0 | Stadion Internacional, Basora | |
| 19. November 2024 | B | 6 | Kuwait | AuswÀrts | 1-1 | Kuwait: Daham 68'. Jordanien: Al-Naimat 21'. | Stadion Internacional Jaber Al-Ahmad, Kuwait |
| 20. MÀrz 2025 | B | 7 | PalÀstina | Heim | 3-1 | Jordanien: Al-Arab 3', Nasib 11', Al-Tamari 45+3'. PalÀstina: Seyam 33'. | Stadion Internacional, Amån |
| 25. MÀrz 2025 | B | 8 | Korea Republik | AuswÀrts | 1-1 | Korea Republik: Lee Jae-sung 5'. Jordanien: Al-Mardi 30'. | Stadion Mundialista, Suwon |
| 5. Juni 2025 | B | 9 | Oman | AuswÀrts | 0-3 | Jordanien: Olwan 45+7' pen., 51', 64'. | Complejo Deportivo del Sultån Qaboos, Mascate |
| 10. Juni 2025 | B | 10 | Irak | Heim | 0-1 | Irak: Jassim 77'. | Stadion Internacional, AmĂĄn |
Die Tabelle ist das zweite, oft gnadenlose Gesicht jeder Qualifikation: Sie fasst die Dramen in nĂŒchterne Spalten. Und sie zeigt fĂŒr Jordanien zwei Dinge zugleich: Erstens die FĂ€higkeit, in kurzen Gruppen vorne zu landen. Zweitens die Reife, in einer langen Sechsergruppe den entscheidenden Platz zu sichern, obwohl die PunktabstĂ€nde eng bleiben.
Tabelle 2: Tabellen aus STANDINGS_TABLE in Reihenfolge der Daten
Tabelle 1
| Runde | Gruppe | Pos. | Team | Pts. | PJ | G | E | P | GF | GC | Dif. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Segunda | G | 1 | Jordanien | 13 | 6 | 4 | 1 | 1 | 16 | 4 | +12 |
| Segunda | G | 2 | Saudi-Arabien | 13 | 6 | 4 | 1 | 1 | 12 | 3 | +9 |
| Segunda | G | 3 | Tadschikistan | 8 | 6 | 2 | 2 | 2 | 11 | 7 | +4 |
| Segunda | G | 4 | Pakistan | 0 | 6 | 0 | 0 | 6 | 1 | 26 | -25 |
Tabelle 2
| Runde | Gruppe | Pos. | Team | Pts. | PJ | G | E | P | GF | GC | Dif. |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Tercera | B | 1 | Korea Republik | 22 | 10 | 6 | 4 | 0 | 20 | 7 | +13 |
| Tercera | B | 2 | Jordanien | 16 | 10 | 4 | 4 | 2 | 16 | 8 | +8 |
| Tercera | B | 3 | Irak | 15 | 10 | 4 | 3 | 3 | 9 | 9 | 0 |
| Tercera | B | 4 | Oman | 11 | 10 | 3 | 2 | 5 | 9 | 14 | -5 |
| Tercera | B | 5 | PalÀstina | 10 | 10 | 2 | 4 | 4 | 10 | 13 | -3 |
| Tercera | B | 6 | Kuwait | 5 | 10 | 0 | 5 | 5 | 7 | 20 | -13 |
Aus dieser zweiten Tabelle lĂ€sst sich ein zentraler Vergleich ziehen, ohne irgendeine Mythologie: Jordanien war am Ende einen Punkt vor Irak. Irak hatte weniger Tore geschossen (9) und genauso viele kassiert (9), Jordanien stand bei 16:8. Das heiĂt: Jordanien hat sich nicht âdurchgemogeltâ, sondern im TorverhĂ€ltnis sichtbar bessere Arbeit geleistet. Gleichzeitig war Korea Republik mit 22 Punkten und 20:7 Toren der klare Fixstern â Jordanien musste also nicht die ganze Gruppe dominieren, sondern die Verfolgerzone beherrschen. Und genau das ist eine eigene QualitĂ€t.
Noch ein Detail, das in Qualifikationen oft unterschĂ€tzt wird: Jordanien blieb in der dritten Runde viermal unentschieden. Das kann man als verpasste Chancen lesen â oder als Punktepolster, das in engen Gruppen den Absturz verhindert. Besonders die AuswĂ€rtsremis (1:1 in Kuwait, 1:1 in Suwon) sind Ergebnisse, die selten schön aussehen, aber hĂ€ufig am Ende auf dem WM-Ticket gedruckt stehen.
Wie sie spielen
Jordanien wirkt in diesen Zahlen wie ein Team, das zuerst die Spielkontrolle ĂŒber die Ergebnis-Kontrolle sucht: nicht zwingend Ballbesitzromantik, sondern Kontrolle der Risiken. Das erkennt man an der Gegentorzahl in der dritten Runde: 8 Gegentreffer in 10 Spielen. Selbst gegen Korea Republik, den Gruppenprimus, blieb Jordanien in zwei Duellen bei insgesamt drei Gegentoren (0:2 zuhause, 1:1 auswĂ€rts) â kein Abschuss, kein Kontrollverlust ĂŒber 90 Minuten.
Gleichzeitig zeigt die Offensive zwei Gesichter: das methodische und das explosive. Methodisch sind die 1:0- und 2:1-typischen Quali-Siege, explosiv sind Resultate wie 7:0 gegen Pakistan oder 4:0 gegen Oman. Das 7:0 ist dabei mehr als ein AusreiĂer: Es markiert, dass Jordanien Gegner, die es in seine Rhythmuswechsel zwingt, regelrecht auseinanderziehen kann. Und in der dritten Runde gab es das Spiegelbild: das 0:2 gegen Korea Republik zuhause und das 0:1 gegen Irak â Spiele, in denen Jordanien selbst nicht in den Modus kommt, der Tore âautomatischâ erzeugt.
Ein sehr belastbarer Hinweis auf die IdentitĂ€t kommt aus der Verteilung der TorschĂŒtzen, soweit die Daten das hergeben: Al-Naimat und Olwan tauchen wiederholt auf, Al-Tamari ebenfalls, dazu Al-Rawabdeh, Al-Mardi, Nasib, Al-Arab, Sadeh, Al-Rosan, Abu Zraiq. Das ist keine Ein-Mann-AbhĂ€ngigkeit, sondern eine Achse mit UnterstĂŒtzung. Besonders auffĂ€llig: Olwan liefert nicht nur einzelne Treffer, sondern auch ein Dreierpack auswĂ€rts in Oman (drei Tore beim 3:0) und trifft auch gegen Saudi-Arabien im SchlĂŒsselspiel in Riad. Al-Naimat wiederum ist der Name, der in engen Momenten erscheint: der Ausgleich in der Nachspielzeit gegen Tadschikistan, zwei Tore auswĂ€rts gegen PalĂ€stina, Doppelpack gegen Oman.
Auch das Timing der Tore erzĂ€hlt etwas: Jordanien kann frĂŒh stechen (Al-Tamari 2â in Pakistan, Al-Naimat 5â gegen PalĂ€stina, Lee Jae-sung 5â fĂŒr Korea Republik in Suwon, bevor Jordanien ausglich). Es kann aber auch spĂ€t entscheiden oder retten (Al-Naimat 90+3â in Duschanbe, Sadeh 90+4â gegen Tadschikistan). Das wirkt nach einem Team, das nicht nur einen Matchplan hat, sondern auch einen mentalen: im Spiel bleiben, bis sich die Gelegenheit zeigt.
Wo liegen die wunden Punkte? In Spielen, in denen Jordanien zuhause in RĂŒckstand gerĂ€t und der Gegner die Mitte schlieĂt, kippt die Partie leichter in einen zĂ€hen Abend. Das 0:2 gegen Saudi-Arabien (frĂŒhe Gegentore in Minute 8 und 30) ist ein Lehrbeispiel: Wenn Jordanien keine Zeit hat, das Spiel in seine Ordnung zu bringen, lĂ€uft es hinterher. Ăhnlich das 0:2 gegen Korea Republik. Und das 0:1 gegen Irak â ein einzelner Treffer reicht, weil Jordanien in solchen Spielen nicht automatisch zu vielen Toren kommt.
Unterm Strich ist âWie spielt Jordanien?â aus diesen Daten eine Mischung aus Pragmatismus und punktueller Wucht: defensiv zuverlĂ€ssig, im Ergebnisdenken geschult, vorne mit klaren Abschluss-Spielern â und mit der FĂ€higkeit, Spiele ĂŒber Phasen zu entscheiden, nicht zwingend ĂŒber dauerhaftes Ăberrollen.
Die Gruppe bei der WM
Die WM-Gruppe J wirft Jordanien sofort in ein dramaturgisch interessantes Dreieck: ein Auftakt gegen Ăsterreich, dann Algerien, dann Argentinien. Das ist eine Reihenfolge, die kaum Anlaufzeit erlaubt â weil der Start direkt ein Gradmesser wird und der Schluss gegen einen Gegner kommt, der Fehler brutal bestraft. Gleichzeitig hat Jordanien in der Qualifikation gezeigt, dass es mit Druck umgehen kann: der Sieg in Saudi-Arabien (2:1) nach frĂŒhem Gegentor ist das Muster, das man in solchen Gruppen braucht.
Bemerkenswert ist auch die geographische Setzung der ersten beiden Spiele: beide im Leviâs Stadium in San Francisco. Das kann, rein vom Turnieralltag her gedacht, eine kleine Hilfe sein: weniger Ortswechsel, weniger ReisesprĂŒnge, mehr Routine im Umfeld. Erst fĂŒr Spiel drei geht es nach Dallas ins AT&T Stadium. FĂŒr ein Team, das in der Quali auswĂ€rts stabil war, muss das kein Nachteil sein â aber es verĂ€ndert den Rhythmus.
Was lĂ€sst sich ohne Spekulation sagen? Jordanien kommt mit einer Quali-Statik, die âknappe Spieleâ nicht fĂŒrchtet. In der dritten Runde gab es vier Remis, darunter das 1:1 auswĂ€rts bei Korea Republik. Und es gab klare AuswĂ€rtssiege (3:0 in Oman). Das heiĂt: Jordanien kann in einem WM-Spiel nicht nur reagieren, sondern auch selbst Resultate produzieren, wenn es die passende Spielphase erwischt.
Die Herausforderung liegt in der Torproduktion gegen Topgegner. Gegen Korea Republik blieb Jordanien in zwei Spielen bei einem Tor insgesamt, kassierte drei. Das ist kein Urteil ĂŒber die WM-Gegner â aber es zeigt, dass Jordanien gegen Teams, die defensiv solide sind und im Umschalten QualitĂ€t haben, nicht automatisch zu vielen Chancen kommt. FĂŒr die Gruppenphase wird deshalb die Effizienz entscheidend: Standards, zweite BĂ€lle, die wenigen klaren AbschlĂŒsse.
Und dann ist da die Psychologie der Abfolge: Wenn man das Ticket fĂŒr die K.o.-Runde will, sind die ersten zwei Spiele oft der Hebel. Jordanien hat in der Quali mehrere Male bewiesen, dass es Spiele âauf Kursâ halten kann â 0:0 in Basra, 1:1 in Kuwait, 1:1 in Suwon. Das ist WM-kompatibel, weil ein Punkt in der Gruppenphase manchmal wie ein kleiner Sieg zĂ€hlt. Aber es braucht eben auch mindestens einen Moment, in dem aus âstabilâ ein âentscheidendâ wird.
Tabelle: Jordanien in Gruppe J der WM
| Datum | Stadion | Stadt | Gegner |
|---|---|---|---|
| 16. Juni 2026 | Levi's Stadium | San Francisco | Ăsterreich |
| 22. Juni 2026 | Levi's Stadium | San Francisco | Algerien |
| 27. Juni 2026 | AT&T Stadium | Dallas | Argentinien |
Spiel fĂŒr Spiel, mit einem bodenstĂ€ndigen Drehbuch:
Erstens: Ăsterreich gegen Jordanien, 16. Juni 2026. Auftaktspiele sind oft nervös, und Jordanien hat in der Quali gezeigt, dass es Nerven aushĂ€lt, sogar wenn es spĂ€t brennt. Das kann ein Spiel werden, in dem Jordanien vor allem eines will: nicht frĂŒh in RĂŒckstand geraten, weil die eigenen schlechten Heimabende in der Quali hĂ€ufig mit frĂŒhen Gegentoren begannen. Prognose in klarer Sprache: empate.
Zweitens: Jordanien gegen Algerien, 22. Juni 2026. Das zweite Gruppenspiel ist hĂ€ufig das taktisch âehrlichsteâ, weil beide Teams nach dem Auftakt wissen, was die Tabelle verlangt. Jordanien hat in der Quali mehrere Spiele gewonnen, in denen es nach dem ersten Treffer nachlegte (3:0 gegen Tadschikistan, 4:0 gegen Oman, 3:1 gegen PalĂ€stina). Wenn Jordanien hier in FĂŒhrung geht, kann es die Partie in seinen Ergebnis-Modus ziehen. Prognose: gana Jordanien.
Drittens: Jordanien gegen Argentinien, 27. Juni 2026. Ein letztes Gruppenspiel kann zum Rechenspiel werden â aber sportlich bleibt es brutal, weil ein einziger Fehler ein Turnier kippen kann. Jordanien hat zwar defensive StabilitĂ€t, aber auch die Erfahrung, dass knappe Spiele durch eine Szene entschieden werden (0:1 gegen Irak). In so einem Match ist die Null hinten das groĂe Versprechen, und zugleich die schwerste Aufgabe. Prognose: gana Argentinien.
Zum Schluss die SchlĂŒssel zur Gruppenphase, als klare Merkpunkte:
- FrĂŒhe Gegentore vermeiden: Die problematischsten Quali-Niederlagen begannen mit schnellen Treffern gegen Jordanien.
- Die eigene StĂ€rke nutzen: Ergebnisse âengâ halten, ohne passiv zu werden â Remis waren ein strategisches Werkzeug.
- Effizienz vor Schönheit: wenige klare Chancen, dafĂŒr maximale Konsequenz, wie beim 2:1 in Saudi-Arabien.
- Olwan und Al-Naimat als Leitplanken: wiederkehrende Torbeteiligung deutet auf die Spieler hin, die auch auf WM-Niveau Momente liefern mĂŒssen.
Leitartikel
Jordanien hat sich dieses Ticket nicht mit einer einzigen Glanznacht verdient, sondern mit einer Reihe sauberer, manchmal unbequemer Entscheidungen. Das ist der Stoff, aus dem Qualifikationen gemacht sind: ein spĂ€ter Ausgleich in Duschanbe, ein wuchtiges 7:0 als Pflicht mit Ausrufezeichen, ein AuswĂ€rtssieg in Riad, der die Gruppe zurechtrĂŒckte. Wer so Punkte sammelt, kommt nicht zufĂ€llig an den WM-Tisch â er bringt sein eigenes Besteck mit.
Und trotzdem bleibt die Warnung simpel: Diese Mannschaft ist stark, wenn sie ihr Spieltempo bestimmen darf, wenn sie nicht von Minute 8 an hinterherlĂ€uft, wenn sie die Partie in eine Serie von lösbaren Aufgaben zerlegt. Sobald sie aber frĂŒh in RĂŒckstand gerĂ€t, werden die Spiele lĂ€nger, schwerer, enger. Der Beweis steht schwarz auf weiĂ: das 0:2 gegen Saudi-Arabien am 21. November 2023 â zwei frĂŒhe Treffer, und Jordanien fand keinen Weg zurĂŒck. Genau dieses Szenario darf in der WM-Gruppe nicht zur Gewohnheit werden. Denn auf dieser BĂŒhne ist der Preis fĂŒr einen schlechten Start nicht nur ein verlorenes Spiel, sondern ein Turnier, das dir davonlĂ€uft.